idw – Informationsdienst Wissenschaft

Nachrichten, Termine, Experten

Grafik: idw-Logo
idw-Abo
Medienpartner:
Wissenschaftsjahr


Teilen: 
13.06.2013 14:31

Wie verändern soziale Medien unsere Alltagsgespräche?

Katja Bär Pressestelle: Kommunikation und Fundraising
Universität Mannheim

    Die Mannheimer Kommunikations- und Medienwissenschaftlerin Professorin Dr. Angela Keppler, untersucht in einer neuen Studie, ob und wie mobile Geräte wie Handys und Smartphones unsere Alltagskommunikation verändern.

    Ob in der Bahn, an der Haltestelle oder in der Pause: Unsere Smartphones sind in jeder Alltagssituation dabei, retten uns über die Wartezeit hinweg und sind nicht selten auch ein Mittel, um nicht mit Fremden ins Gespräch kommen zu müssen. Doch auch mit vertrauten Personen – sei es beim gemütlichen Beisammensein, in einer Bar oder im Wohnzimmer – werfen wir ab und zu einen Blick auf unser Handy oder beantworten schnell eine Facebook-Nachricht. Ist das das langsame Ende des Gesprächs im Alltag? Die Mannheimer Professorin Dr. Angela Keppler sucht in einem neuen Forschungsprojekt Antworten auf diese Frage. Die Studie wird von der Deutschen Forschungsgesellschaft gefördert.

    Erste Ergebnisse der Studie belegen die Ausgangs-Hypothese der Wissenschaftlerin: „Das beiläufige Gespräch, das wir in der Warteschlange, an der Supermarktkasse, in der Kneipe oder beim Warten auf dem Bus führen, ist keineswegs ausgestorben“, sagt die Forscherin. „Aber wir integrieren unsere mobilen Geräte in diese Alltagskommunikation. Die Leute reden immer noch miteinander, aber völlig selbstverständlich schauen sie zwischendurch auch auf ihre Smartphones.“

    Unsere mobilen Begleiter verändern unsere Alltagsgespräche sogar. In der Vergangenheit liegende Unterhaltungen, die auf Facebook oder in Form von SMS geführt wurden, können dem aktuellen Gesprächspartner im Original gezeigt werden. Das heißt sie müssen nicht mehr rein verbal rekonstruiert werden, sondern das Smartphone fungiert nicht selten als „Datenspeicher“, der es ermöglicht, dass vergangene Gespräche im Nachhinein in die Situation „eingespeist“ werden können. Dies verändert das Gesprächsverhalten grundlegend. Ob sich damit zum Beispiel auch die soziale Funktion von Gesprächen ändert, wird erst vor dem Hintergrund einer umfassenderen Datenanalyse zu beantworten sein.

    Um weitere Aussagen über den Einfluss sozialer Medien auf die Alltagskommunikation treffen zu können, untersucht das Team von Professorin Keppler derzeit vor allem Alltagsgespräche, wie sie an öffentlich zugänglichen Orten wie Cafés, S-Bahnen oder Haltestellen stattfinden. „Mich interessieren vor allem öffentliche Unterhaltungen zwischen Fremden, die sich nicht kennen und rein zufällig miteinander ins Gespräch kommen“, sagt die Soziologin. „Denn es sind gerade diese kleinen, beiläufigen Unterhaltungen, die wesentlich sind für unser Zusammenleben, unsere Identität und unser Gemeinschaftsgefühl.“ In alltäglichen Gesprächen verständigten wir uns in erster Linie über gemeinsame Normen und Werte, erklärt Professorin Keppler: „Wenn wir mit Freunden zum Beispiel über den neuesten Actionthriller im Kino diskutieren, wird es womöglich verschiedene Meinungen dazu geben. Wir vergleichen sie mit unserer eigenen Meinung, bekräftigen sie, revidieren sie oder verständigen uns mit den Gesprächspartnern auf einen gemeinsamen Nenner.“ In diesen Grundfunktionen hätte sich die Alltagskommunikation auch durch die sozialen Medien nicht verändert. Nach wie vor seien sie ein wichtiger Bestandteil in der Wahrnehmung unserer Umwelt, unserer Wertvorstellungen und letztendlich unserer persönlichen Verortung in der Gesellschaft.

    Eine erste Publikation der Ergebnisse erscheint in diesem Jahr: Keppler, A, (2013). Reichweite alltäglicher Gespräche. Über den kommunikativen Gebrauch alter und neuer Medien. In A. Bellebaum, & R. Hettlage (Hg), Unser Alltag ist voll von Gesellschaft (S. 1- 24). Wiesbaden: Springer VS.

    Kontakt:
    Prof. Dr. Angela Keppler
    Seminar für Medien- und Kommunikationswissenschaft
    Haus Oberrhein
    Rheinvorlandstr. 5
    Universität Mannheim
    68159 Mannheim
    Telefon: 0621 / 181- 2299
    E-Mail: keppler@uni-mannheim.de

    Katja Bär
    Universität Mannheim
    Leitung Kommunikation und Fundraising
    Pressesprecherin
    Rektorat
    Im Schloss
    68131 Mannheim
    Tel. ++49 (0) 621 / 181 - 1013
    E-Mail: baer@uni-mannheim.de
    www.uni-mannheim.de
    www.facebook.com/UniMannheim


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten
    Gesellschaft, Informationstechnik, Medien- und Kommunikationswissenschaften
    überregional
    Forschungsprojekte
    Deutsch


    Hilfe

    Die Suche / Erweiterte Suche im idw-Archiv
    Verknüpfungen

    Sie können Suchbegriffe mit und, oder und / oder nicht verknüpfen, z. B. Philo nicht logie.

    Klammern

    Verknüpfungen können Sie mit Klammern voneinander trennen, z. B. (Philo nicht logie) oder (Psycho und logie).

    Wortgruppen

    Zusammenhängende Worte werden als Wortgruppe gesucht, wenn Sie sie in Anführungsstriche setzen, z. B. „Bundesrepublik Deutschland“.

    Auswahlkriterien

    Die Erweiterte Suche können Sie auch nutzen, ohne Suchbegriffe einzugeben. Sie orientiert sich dann an den Kriterien, die Sie ausgewählt haben (z. B. nach dem Land oder dem Sachgebiet).

    Haben Sie in einer Kategorie kein Kriterium ausgewählt, wird die gesamte Kategorie durchsucht (z.B. alle Sachgebiete oder alle Länder).

    Cookies optimieren die Bereitstellung unserer Dienste. Durch das Weitersurfen auf idw-online.de erklären Sie sich mit der Verwendung von Cookies einverstanden. Datenschutzerklärung
    Okay