idw – Informationsdienst Wissenschaft

Nachrichten, Termine, Experten

Grafik: idw-Logo
idw-Abo


Instanz:
Teilen: 
19.06.2013 10:40

Arithmetik an der A7 / „Mathematische Theoriebildung nicht an unmittelbarer Anwendbarkeit messen"

Isa Lange Pressestelle
Stiftung Universität Hildesheim

    Mathematische Theoriebildung darf nicht an der unmittelbaren Anwendbarkeit gemessen werden. „Wir kennen Theorien, die über Jahrhunderte als rein theoretisch galten, und auf einmal finden sie nützliche, außermathematische Verwendung. So wurden Verschlüsselungsverfahren entwickelt, die heute weltweit eingesetzt werden, um Daten sicher elektronisch zu versenden. Grundlage dafür ist die Zahlentheorie", sagt Mathematikprofessor Jürgen Sander von der Uni Hildesheim.
    Von Kettenbrüchen bis zu Zahlen von spezieller Bauart: Mathematiker von Ulm über Würzburg, Göttingen bis Hannover stellen Ende Juni in Hildesheim Forschungsergebnisse aus den Gebieten Algebra, Zahlentheorie und Funktionentheorie vor.

    Aktuelle Forschungsergebnisse stellen Mathematikerinnen und Mathematiker am 20. und 21. Juni an der Universität Hildesheim in sieben öffentlichen 45-minütigen fachmathematischen Vorträgen vor. Dabei berichten sie über neue Resultate aus den Gebieten Algebra, Zahlentheorie und Funktionentheorie. Diese Disziplinen finden heute Anwendung zum Beispiel in der Physik oder der Kryptographie.
    Die Wissenschaftler unterstreichen aber, dass mathematische Theoriebildung nicht an der unmittelbaren Anwendbarkeit gemessen werden darf. „Wir kennen Theorien, die über Jahrhunderte als rein theoretisch galten, und auf einmal finden sie nützliche, außermathematische Verwendung. So wurden in den letzten 50 Jahren mit der rasant wachsenden Fülle an elektronischen Datenübertragungen Verschlüsselungsverfahren wie RSA entwickelt, die heute weltweit eingesetzt werden, um Daten sicher zu versenden. Grundlage dafür ist die Zahlentheorie", erklärt Prof. Dr. Jürgen Sander begeistert. Er leitet in Hildesheim die Abteilung Algebra und Zahlentheorie.

    Über Kettenbrüche, ein mathematisches Instrument zur möglichst genauen Approximation von reellen Zahlen, mit deren Hilfe Christiaan Huygens bereits im 17. Jahrhundert Planetenmodelle baute, spricht Jörn Steuding. Vagia Vlachou von der Universität Patras in Griechenland referiert über den Birkhoff‘schen Universalitätssatz, bei dem es um Funktionen geht, die eine Fülle anderer Funktionen lokal annähern. Anschaulicher formuliert geht es um Landschaften, in denen jede nur denkbare Landschaftsform, zum Beispiel der Harz, die Zugspitze oder sogar die gesamte Alpenlandschaft irgendwo zu finden ist. Helmut Maier von der Universität Ulm berichtet über Summen zweier Zahlen, welche eine gewisse arithmetische Bauart besitzen – wie etwa die Eigenschaft, dass ihnen eine der 10 Dezimalziffern fehlt. Solche Untersuchungen haben in der Zahlentheorie eine sehr lange Tradition, zu ihnen gehört letztlich auch das berühmte, immer noch ungelöste Goldbach’sche Problem, wonach jede gerade Zahl größer als 2 sich durch Addition zweier Primzahlen ergibt.

    „Natürlich lässt sich unter Einsatz der modernen elektronischen Medien ein Gutteil wissenschaftlicher Zusammenarbeit über große Distanzen hinweg bewerkstelligen, aber der persönliche Austausch vor Ort ist trotzdem aus arbeitstechnischen bis hin zu psychologischen Gründen für die Forschung unverzichtbar", so Sander.

    Jürgen Sander hatte, kurz nach seiner Berufung 2009 nach Hildesheim, gemeinsam mit seinem Kollegen Prof. Jörn Steuding von der Universität Würzburg die Workshop-Reihe entwickelt, um für die Arbeitsgruppen der beiden Fachmathematiker ein Forum zum wissenschaftlichen Austausch zu schaffen. Das hochschulübergreifende Netzwerk weitete sich entlang der Linie zwischen den beiden Städten – Hildesheim und Würzburg verbindet die Bundesautobahn A7, deren Verlauf alten Handelsrouten folgt – bis nach Ulm und Hannover aus. Daher der Name: Arithmetik an der A7.

    „Arithmetik an der A7“
    Mathematisches Kolloquium
    Wann: 20. und 21. Juni 2013
    Wo: Samelsonplatz, Universität Hildesheim

    Ausführliches Programm:
    http://www.uni-hildesheim.de/media/presse/Mathematik_Arithmetik_an_A7_Uni_Hildesheim.pdf

    Interessierte sind herzlich eingeladen. Die Referenten kommen von den Universitäten Hildesheim, Würzburg, Ulm, Göttingen, Frankfurt am Main und Patras (Griechenland) sowie der FHDW Hannover.

    Kontakt bei Rückfragen:
    Isa Lange, Pressestelle der Universität Hildesheim, 05121.883-102 und presse@uni-hildesheim.de


    Weitere Informationen:

    http://www.uni-hildesheim.de/fb4/institute/imai/ - Institut für Mathematik und Angewandte Informatik der Universität Hildesheim


    Bilder

    Anhang
    attachment icon Pressemitteilung als PDF / Arithmetik an der A7 / „Mathematische Theoriebildung nicht an unmittelbarer Anwendbarkeit messen" / Uni Hildesheim

    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, Studierende, Wissenschaftler
    Mathematik, Physik / Astronomie
    überregional
    Forschungsergebnisse, Wissenschaftliche Tagungen
    Deutsch


     

    Hilfe

    Die Suche / Erweiterte Suche im idw-Archiv
    Verknüpfungen

    Sie können Suchbegriffe mit und, oder und / oder nicht verknüpfen, z. B. Philo nicht logie.

    Klammern

    Verknüpfungen können Sie mit Klammern voneinander trennen, z. B. (Philo nicht logie) oder (Psycho und logie).

    Wortgruppen

    Zusammenhängende Worte werden als Wortgruppe gesucht, wenn Sie sie in Anführungsstriche setzen, z. B. „Bundesrepublik Deutschland“.

    Auswahlkriterien

    Die Erweiterte Suche können Sie auch nutzen, ohne Suchbegriffe einzugeben. Sie orientiert sich dann an den Kriterien, die Sie ausgewählt haben (z. B. nach dem Land oder dem Sachgebiet).

    Haben Sie in einer Kategorie kein Kriterium ausgewählt, wird die gesamte Kategorie durchsucht (z.B. alle Sachgebiete oder alle Länder).