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08.07.2013 09:52

41,5 Prozent der ausländischen Senioren in Deutschland von Altersarmut betroffen

Rainer Jung Abt. Öffentlichkeitsarbeit
Hans-Böckler-Stiftung

    Neue Untersuchung in den WSI-Mitteilungen

    41,5 Prozent der ausländischen Senioren in Deutschland von Altersarmut betroffen

    Vier von zehn Ausländern im Rentenalter sind in Deutschland von Armut bedroht. Damit ist die Altersarmut unter älteren Ausländern, die oft als so genannte Gastarbeiter kamen, mehr als dreimal so hoch wie unter Deutschen über 65 Jahren. Grundsicherung im Alter, eine besondere Form der Sozialhilfe, müssen ausländische Senioren wegen sehr niedriger Renten sogar etwa sechs Mal so häufig in Anspruch nehmen. Zu diesem Ergebnis kommt eine neue Untersuchung von Dr. Eric Seils, Sozialexperte des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) in der Hans-Böckler-Stiftung. Sie erscheint demnächst in einem Schwerpunktheft der WSI-Mitteilungen.*

    2011 bezogen 13,3 Prozent aller Senioren in der Bundesrepublik ein monatliches Einkommen unter 848 Euro, so die aktuellsten verfügbaren Daten aus dem Mikrozensus. 848 Euro entsprechen 60 Prozent des bedarfsgewichteten mittleren Einkommens. Wer als Alleinstehender weniger hat, gilt nach gängiger Definition als „armutsgefährdet“. In der Gesamtbevölkerung traf das auf 15,1 Prozent der Menschen zu.

    – Viele Ausländer mit Niedrigrenten –

    Allerdings verdecken die relativ niedrigen Durchschnittswerte bei den Älteren nach Seils´ Analyse, dass es schon heute Gruppen mit einem sehr hohen Risiko der Altersarmut gibt. Vierzig Jahre nach dem Beginn des Anwerbestopps gelte dies insbesondere für die damaligen Gastarbeiter, die oft wenig verdienten und stark von Arbeitslosigkeit betroffen waren. So waren 2011 in Deutschland 41,5 Prozent der Ausländer über 65 Jahren von Altersarmut bedroht, 12,7 Prozent bezogen Grundsicherung. Unter den Senioren mit deutscher Staatsangehörigkeit waren nur 2,1 Prozent darauf angewiesen.

    Im Vergleich zu den Vorjahren ist das Armutsrisiko unter den älteren Ausländern um knapp drei Prozentpunkte angestiegen. Da parallel immer mehr Migranten das Rentenalter erreichten, wuchs die absolute Zahl der armutsgefährdeten Ausländer über 65 weitaus stärker: Seit 2005 von 171.000 auf 268.000. Und die Aussichten verdüstern sich nach Seils´ Analyse noch weiter: Männliche ausländische Bestandsrentner erhielten 2011 monatlich im Durchschnitt 811 Euro aus der Rentenkasse. Neurentner bekamen hingegen im Mittel nur 623 Euro – ein Einkommen unterhalb der Schwelle für die Grundsicherung, die bei 698 Euro liegt. Noch weitaus niedriger waren die Renten ausländischer Frauen, und auch bei ihnen mit sinkender Tendenz. „Nach einem Leben voller Arbeit droht den ehemaligen Gastarbeitern die Altersarmut“, resümiert Seils.

    Sie dürften künftig jedoch nicht die einzigen sein, denn zwischen 2006 und 2011 ist die Armutsgefährdungsquote unter Senioren deutlich stärker gestiegen als bei Jüngeren – um 2,9 Prozentpunkte. Und die durchschnittlichen Rentenansprüche der Neurentner sinken immer weiter unter das Niveau der Bestandsrentner, die schon länger im Ruhestand sind. Sozialforscher Seils befürchtet daher eine „Rückkehr der Altersarmut“.

    – Deutliche Unterschiede zwischen den Bundesländern –

    Seils´ Untersuchung liefert auch aktuelle Daten zur regionalen Verteilung von Altersarmut in Deutschland. So waren 2011 in Hamburg und Berlin rund 10 Prozent der Senioren von Armut bedroht. Dagegen liegt der Wert im Saarland, in Bayern und Rheinland-Pfalz bei 16 Prozent und mehr. Den überraschend hohen Wert im wohlhabenden Freistaat erklärt WSI-Forscher Seils mit der jüngeren Wirtschaftsgeschichte: Als die heutigen Rentner im Erwerbsleben standen, zählte Bayern noch zu den ärmeren, stark ländlich geprägten Bundesländern.

    Historisch bedingt sind auch die meist unterdurchschnittlichen Armutsquoten in Ostdeutschland: Wer vollständig oder überwiegend zu DDR-Zeiten berufstätig war, hat meist eine Erwerbsbiografie ohne größere Lücken und einen relativ hohen gesetzlichen Rentenanspruch. Allerdings zeichne sich insbesondere bei ostdeutschen Männern eine „Wende zur Armut“ ab, so Seils: Seit dem Jahr 2000 sänken die Neurenten sehr stark. Grund: Die jüngeren Ruheständler waren oft von der Massenarbeitslosigkeit nach der deutschen Vereinigung betroffen.

    *Quelle: Eric Seils: Armut im Alter – aktuelle Daten und Entwicklungen, in: WSI-Mitteilungen 5/2013. Das Schwerpunktheft mit dem Titel „Altern in der Arbeitsgesellschaft“ erscheint am 15. Juli.

    Infografiken zum Download im Böckler Impuls 12/2013: http://www.boeckler.de/hbs_showpicture.htm?id=43537&chunk=1 und: http://194.245.120.122/Sites/A/Online-Archiv/12013

    Kontakt in der Hans-Böckler-Stiftung

    Dr. Eric Seils
    WSI-Sozialexperte
    Tel.: 0211-7778-591
    E-Mail: Eric-Seils@boeckler.de

    Rainer Jung
    Leiter Pressestelle
    Tel.: 0211-7778-150
    E-Mail: Rainer-Jung@boeckler.de


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten
    Gesellschaft, Wirtschaft
    überregional
    Forschungsergebnisse
    Deutsch


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