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02.09.2013 10:18

Freundschaftsdienst oder ehrliche Meinung? Ein Experiment zur Wirksamkeit von Versprechen

Petra Mader Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Max-Planck-Institut für Ökonomik

    Wie wird sich der Freund, wie wird sich die Freundin verhalten? Wird er das Vertrauen eines Dritten in ihn rechtfertigen oder rücksichtslos den eigenen Gewinn optimieren? Forscher am MPI für Ökonomik zeigen, dass positive Vorhersagen deutlich seltener werden, wenn Befragte zuvor versprechen, ihre ehrliche Meinung zu sagen. Dieser Effekt könnte nach Ansicht der Forscher dazu genutzt werden, zuverlässigere Beurteilungen z. B. in Bewerbungsverfahren für Doktorandenprogramme zu erhalten.

    Die Wirksamkeit von Versprechen ist belegt. Vielfach stehen Menschen selbst dann zu ihrem Wort, wenn sie dadurch (ökonomische) Nachteile erleiden. Das hat die experimentelle Wirtschaftsforschung in zahlreichen Experimenten gezeigt. Nicht um eigenes Verhalten, sondern um die erwartete Entscheidung eines Freundes bzw. einer Freundin, geht es in einem Experiment von Mitesh Kataria und Fabian Winter vom Jenaer Max-Planck-Institut für Ökonomik: Wie beeinflusst das Versprechen, nach bestem Wissen und Gewissen zu antworten, die Aussagen über die Vertrauenswürdigkeit eines Freundes?

    Das Experiment
    Für ihr Experiment haben die beiden Wirtschaftswissenschafter ein spieltheoretisches Vertrauensexperiment für zwei Spieler neu gestaltet und einen dritten Mitspieler als beratende Instanz eingeführt. Dieser „Assessor“ wurde um eine Einschätzung der Vertrauenswürdigkeit eines mit ihm befreundeten Mitspielers („Trustee“) gegenüber einem weiteren Mitspieler („Trustor“) gebeten. In Kenntnis dieser Einschätzung traf der Trustor danach die Entscheidung, dem Trustee „zu vertrauen“ oder „nicht zu vertrauen“. Entschied der Trustor sich für „Vertrauen“ versetzte dies den Trustee in die Lage, eine für ihn und den Trustor gleich hohe Summe auszahlen zu lassen, die für beide etwas höher lag, als bei der Entscheidung „Nicht Vertrauen“. Der Trustee hatte allerdings auch die Möglichkeit, für sich selbst eine noch höhere, für den Trustor aber deutlich niedrigere Auszahlung zu wählen -also das in ihn gesetzte Vertrauen zu missbrauchen.
    Variiert wurden die Rahmenbedingungen, unter denen der Assessor um seine Einschätzung gebeten wurde. In Variante 1 wurden eine negative und eine positive Einschätzung in gleicher Weise honoriert. In Variante 2 wurden korrekte Einschätzungen – egal ob positiv oder negativ – höher honoriert. In Variante 3 schließlich unterzeichneten die Assessoren eine kurze Erklärung, in der sie versprachen, nach bestem Wissen und Gewissen ihre Vorhersage zu machen. Gegenüber Variante 1 sanken bei den Varianten 2 und 3 der Anteil positiver Vorhersagen deutlich und zwar von 89 Prozent auf 56 und 53 Prozent. Das bedeutet: Vor die Wahl gestellt, ein gegebenes Versprechen zu halten oder einen Freund positiv zu beurteilen, war das Bedürfnis, Wort zu halten, stärker.

    Ein Weg zu ehrlicheren Empfehlungen
    Dieses Ergebnis ließe sich, erklärt Fabian Winter, im Grunde sofort dazu nutzen, um beim Einholen von Empfehlungen und Beurteilen von Bewerbern ehrlichere Einschätzungen zu erhalten. So müssen etwa bei Bewerbungen an manchen Doktorandenschulen die Empfehlungsschreiben von den Empfehlenden selbst hochgeladen werden. Hier könnte man durch vorgeschalteten Appell an die Ehre, die Ehrlichkeit der folgenden Einschätzungen deutlich erhöhen. „Möglicherweise würden aber zum Beispiel auch Steuererklärungen korrekter ausgefüllt, wenn man gleich zu Beginn der Erklärung die Ehrlichkeit der folgenden Angaben bestätigen müsste“, vermutet Fabian Winter.

    Originalveröffentlichung:
    Third party assessments in trust problems with conflict of interest: An experiment on the effects of promises
    Journal: Economic Letters 120 (2013) 53-56

    Weitere Informationen erhalten Sie von:
    Dr. Fabian Winter
    Max-Planck-Institut für Ökonomik
    Kahlaische Straße 10
    07743 Jena
    Telefon: +49 - 3641 - 686 640
    Fax: +49 - 3641 - 686 710
    e-mail: winter@econ.mpg.de

    Stephan Schütze, Petra Mader
    Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
    Max-Planck-Institut für Ökonomik
    Kahlaische Straße 10
    07743 Jena
    Telefon: +49 - 3641 - 686 950, -960
    Fax: +49 - 3641 - 686 710
    e-mail: presse@econ.mpg.de


    Weitere Informationen:

    http://www.econ.mpg.de


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, Wissenschaftler
    Gesellschaft, Psychologie, Wirtschaft
    überregional
    Forschungsergebnisse, Wissenschaftliche Publikationen
    Deutsch


    Versprochen ist versprochen - auch im Interessenskonflikt behalten Versprechen ihre Wirksamkeit


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