idw – Informationsdienst Wissenschaft

Nachrichten, Termine, Experten

Grafik: idw-Logo
idw-Abo
Medienpartner:
Wissenschaftsjahr


Teilen: 
16.09.2013 07:00

Forscher zeigen, warum manche Sterne so schön sterben

Klaus Herkenrath Dezernat 8 - Hochschulkommunikation
Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

    --Sperrfrist: Nicht veröffentlichen vor Mo., 16.09.2013, 07.00, MESZ!--

    Wie sich die wohl prachtvollsten Objekte im Weltall bilden, zeigt eine neue Studie. Am Ende ihres Lebens verwandeln sich Sterne zu schönsten Objekten. Um ihren ausgebrannten Kern formieren sich bizarre Wolken aus leuchtendem Gas, die so genannten planetarischen Nebel. Völlig ungeklärt war bislang die Frage, wie diese symmetrischen Gebilde entstehen. Astronomen der Universität Bonn haben nun zusammen mit Kollegen aus Schweden und Australien eine mögliche Antwort vorgelegt: Demnach scheinen gewaltige Magnetkräfte der Grund dafür zu sein, dass die Sterne in Schönheit sterben.

    Die Wissenschaftler hatten einen 230.000 Lichtjahre entfernten Stern
    unter die Lupe genommen. Der Himmelskörper mit dem prosaischen
    Namen IRAS 15445-5449 ist momentan im Begriff, sich in einen
    planetarischen Nebel zu verwandeln. Bei ihren Beobachtungen machten
    die Astronomen eine überraschende Entdeckung: „In unseren Daten finden
    wir klare Anzeichen für einen Jet aus äußerst schnellen Gaspartikeln“,
    erläutert Andrés Pérez Sánchez, der momentan an der Universität Bonn
    promoviert.

    Ein Jet ist ein gerichteter Gastrom, der wie eine Nadel vom Himmelskörper weg weist. Der Jet von IRAS 15445-5449 ist extrem energiereich – die Partikel in ihm bewegen sich nahezu mit Lichtgeschwindigkeit. Es ist das erste Mal, dass ein solch energiereicher Jet bei einem alternden Stern von der Größe der Sonne beobachtet wurde. Nach der Geschwindigkeit der Gaspartikel zu schließen, müssen gewaltige Kräfte am Werke sein: „Die Teilchen in dem Jet bewegen sich auf einer spiralförmigen Bahn durch ein äußerst starkes Magnetfeld“, erklärt Studien-Koautor Dr. Wouter Vlemmings vom Onsala-Observatorium in Schweden.

    Sturzgeburt im All

    Der Jet bläst die Gasteilchen ins All, die später den planetarischen Nebel um den sterbenden Stern formen. „Es wird wahrscheinlich nur wenige hundert Jahre dauern, bis dieser Prozess abgeschlossen ist und der Nebel aufgrund der Reststrahlung des Sterns zu leuchten beginnt“, vermutet die australische Astronomin Jessica Chapman. Für Astronomen wäre das ein äußerst kurzer Zeitraum – eine wahre Sturzgeburt im All.

    Planetarische Nebel entstehen aus Sternen mit einer ähnlichen Masse wie der Sonne. Wenn ein derartiger Stern verglüht, bleibt ein heißer Kern. Die Strahlung, die von diesem Kern ausgeht, ist so intensiv, dass sie das umgebende Gas zum Leuchten bringt. Ungeklärt war bislang, wie dieser Gasnebel seine bizarre Form erhält. Dafür könnte der hochenergetische Jet verantwortlich sein.

    Ob auch unsere Sonne in vielen Milliarden Jahren in der Schönheit eines planetarischen Nebels sterben wird, wissen die Forscher bislang noch nicht. Denn es ist rätselhaft, wie ein relativ kleiner Himmelskörper wie die Sonne einen derart energiereichen Jet überhaupt bilden kann. „Möglicherweise hat IRAS 15445-5449 einen Begleiter, den wir mit unseren Teleskopen nicht sehen können“, spekuliert Andrés Pérez Sánchez. „Er könnte für die Entstehung des Jets verantwortlich sein.“

    Die Wissenschaftler hoffen nun unter anderem auf das neue ALMATeleskop
    in den chilenischen Anden. Es könnte möglicherweise Licht ins Dunkel bringen. Andrés Pérez Sánchez: „Mit ALMA und zukünftigen Teleskopen wie dem geplanten Square Kilometer Array werden wir hoffentlich herausfinden können, welche Sterne solche Jets formen und wie sie dies machen.“

    Publikation:
    A synchrotron jet from a post-asymptotic giant branch star; Monthly Notices of the Royal Astronomical Society, Oxford University Press (http://dx.doi.org/10.1093/mnrasl/slt117). Andres Pérez Sánchez (Argelander-Institut für Astronomie, Bonn University, Germany), Wouter Vlemmings (Onsala Space Observatory, Chalmers), Daniel Tafoya (Onsala Space Observatory, Chalmers and Centro de Radioastronomia y Astrofisica, UNAM, Morelia, Mexico) and Jessica Chapman (CSIRO, Australia).

    Kontakt:
    Andres Pérez Sanchez
    Argelander-Institut für Astronomie
    Universität Bonn
    Telefon: 0228/73-3521
    E-Mail: aperez@astro.uni-bonn.de


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, Wissenschaftler
    Physik / Astronomie
    überregional
    Forschungs- / Wissenstransfer, Wissenschaftliche Publikationen
    Deutsch


    Wie der hier gezeigte Calabash-Nebel (1 Lichtjahr lang) könnte IRAS 15445 in einigen hundert Jahren aussehen.


    Zum Download

    x

    Ein Jet energiereicher Teilchen (im Bild Magenta) gestaltet die Umgebung des Sterns IRAS 15445-5449. Der Stern wird durch den Staub um ihn herum verdeckt.


    Zum Download

    x

    Hilfe

    Die Suche / Erweiterte Suche im idw-Archiv
    Verknüpfungen

    Sie können Suchbegriffe mit und, oder und / oder nicht verknüpfen, z. B. Philo nicht logie.

    Klammern

    Verknüpfungen können Sie mit Klammern voneinander trennen, z. B. (Philo nicht logie) oder (Psycho und logie).

    Wortgruppen

    Zusammenhängende Worte werden als Wortgruppe gesucht, wenn Sie sie in Anführungsstriche setzen, z. B. „Bundesrepublik Deutschland“.

    Auswahlkriterien

    Die Erweiterte Suche können Sie auch nutzen, ohne Suchbegriffe einzugeben. Sie orientiert sich dann an den Kriterien, die Sie ausgewählt haben (z. B. nach dem Land oder dem Sachgebiet).

    Haben Sie in einer Kategorie kein Kriterium ausgewählt, wird die gesamte Kategorie durchsucht (z.B. alle Sachgebiete oder alle Länder).

    Cookies optimieren die Bereitstellung unserer Dienste. Durch das Weitersurfen auf idw-online.de erklären Sie sich mit der Verwendung von Cookies einverstanden. Datenschutzerklärung
    Okay