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28.10.2013 11:51

Gesellschaft Deutscher Chemiker beschließt: Günther Wilke wird neues Ehrenmitglied

Dr. Renate Hoer Abteilung Öffentlichkeitsarbeit
Gesellschaft Deutscher Chemiker e.V.

    Die Mitgliederversammlung der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) hat beschlossen, Professor Dr. Dr. Dr. h.c. mult. Dr. E.h. Günther Wilke, ehemaliger Direktor des Max-Planck-Instituts für Kohlenforschung in Mülheim/Ruhr, zum Ehrenmitglied zu ernennen. Diese höchste Auszeichnung der GDCh wird Wilke anlässlich der 128. Versammlung der Gesellschaft Deutscher Naturforscher und Ärzte vom 12. bis 16. September 2014 in Mainz in einer Festsitzung verliehen.

    „Diese höchste Auszeichnung der Gesellschaft im sehr vorgerückten Alter zu erhalten, macht mich stolz und glücklich zugleich, sehe ich doch, dass ich offensichtlich noch nicht vergessen bin“, schrieb Wilke in seinem Dankesbrief an die GDCh-Präsidentin.

    Wilke wurde 1925 in Heidelberg geboren. Er studierte in Heidelberg Chemie und wurde dort 1951 promoviert. Im selben Jahr wechselte er ans MPI für Kohlenforschung in die Arbeitsgruppe von Professor Dr. Karl Ziegler, damals Direktor des Instituts und erster Präsident der GDCh. Seit 1958 GDCh-Mitglied habilitierte sich Wilke 1960 an der RWTH Aachen für das Lehrgebiet Organische Chemie. Stets am Mülheimer MPI forschend, erhielt er 1962 einen Lehrauftrag über Neuere Entwicklungen der Chemie metallorganischer Verbindungen an der Universität Köln und 1963 den Ruf auf ein Ordinariat für Organische Chemie an der in Gründung befindlichen Universität Bochum. Mit der Ernennung zum zweiten Direktor am MPI für Kohlenforschung wurde Wilke 1967 designierter Nachfolger von Ziegler. Wilke übernahm die Leitung des Instituts 1969 und führte es bis 1993.

    Auch in der GDCh folgte Wilke Ziegler als GDCh-Präsident nach, wenngleich erst als 16. Präsident in der Amtszeit 1980/1981. Für die GDCh hatte er von 1967 bis 1978 den Vorsitz des Ortsverbands Ruhr übernommen, Mitglied des GDCh-Vorstands war er von 1976 bis 1983.

    Neben seinen sieben Ehrendoktorwürden erhielt Wilke zahlreiche bedeutende Auszeichnungen, so 1970 die Emil-Fischer-Medaille der GDCh und 1978 den Karl-Ziegler-Preis der GDCh. Die Begründung für den 1989 verliehenen und mit umgerechnet 30.000 Euro dotierten Aachener und Münchener Preis für Technik fasst Wilkes Arbeiten gut zusammen: Wilke gilt als „herausragender Vater und Wegbereiter zum Verständnis der metallorganischen homogenen Katalyse. Seine Arbeiten zur metallorganischen Chemie von Übergangsmetallen legten den Grundstein für zahlreiche technische Anwendungen: Die Cyclotrimerisation von Butadien zu Cyclododecatrien wird von mehreren Firmen in Lizenz betrieben, um eine bestimmte Nylonart herzustellen, die besonders im Apparate- und Kraftfahrzeugbau verwendet wird.“ In seinem Institut wurden u.a. ein Verfahren zur Herstellung von Ferrocen, einem Mineralöladditiv, und die überkritische Extraktion entwickelt, mit der sehr bald Koffein aus Kaffee und Aromastoffe aus Pflanzen gewonnen werden konnten. Die Ehrenmitgliedschaft der Gesellschaft Österreichischer Chemiker wurde Wilke bereits Anfang der 1990er Jahre verliehen, und zwar in Anerkennung seiner grundlegenden Beiträge zur Chemie der übergangsmetallorganischen Komplexe, insbesondere deren Verwendung für homogene Katalysen.

    1999, im Jubiläumsband zum 50jährigen Bestehen der GDCh, hatte sich Wilke in seinem Beitrag „Grundlagenforschung und industrieller Fortschritt“ mit der Person und der Forscherpersönlichkeit Zieglers, der 1963 den Nobelpreis für Chemie erhalten hatte, befasst. Ziegler und Wilke - beide haben das Institut in Mülheim mit ihrer Einstellung zur Forschung nachhaltig geprägt. Zitat Wilke: „Die geschilderte Entwicklung, die zu zahlreichen großtechnischen industriellen Produktionen geführt hat, soll aber auch eindringlich lehren, daß der Forscher, der sich der reinen Grundlagenforschung verschrieben hat und sich dieser widmen darf, sich verpflichtet sehen sollte, die Ergebnisse seiner Grundlagenforschung auch dahingehend zu überprüfen, ob sie nicht Lösungen für technische Probleme beinhalten. So können möglicherweise die heute allenthalben von Politik und Wirtschaft eingeforderten Innovationen geboren werden.“

    Die Gesellschaft Deutscher Chemiker gehört mit über 30.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Die Ehrenmitgliedschaft wird Wissenschaftlern verliehen, die sich herausragende Verdienste um die Förderung der Chemie und um die Ziele der GDCh erworben haben. In der internationalen Gemeinschaft der Chemiker hat die GDCh-Ehrenmitgliedschaft, die seit 1952 39 Mal, davon 13 Mal an ausländische Chemiker, verliehen wurde, einen hohen ideellen Wert.


    Weitere Informationen:

    http://www.gdch.de


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, Studierende, Wissenschaftler
    Chemie
    überregional
    Personalia, Wettbewerbe / Auszeichnungen
    Deutsch


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