Kooperation der TU Ilmenau mit renommierten russischen Universitäten ist SPITSE

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20.11.2013 13:31

Kooperation der TU Ilmenau mit renommierten russischen Universitäten ist SPITSE

Bettina Wegner Referat Medien- und Öffentlichkeitsarbeit
Technische Universität Ilmenau

    Hochrangige Delegationen von zwei der renommiertesten Universitäten Russlands haben sich dieser Tage an der Technischen Universität Ilmenau die Klinke in die Hand gegeben. Die Nationale Forschungsuniversität Moskauer Energetisches Institut war bis zum 15. November eine Woche lang zu Gast an der einzigen Technischen Universität Thüringens und seit dem 18. November bis Ende dieser Woche besucht die Staatliche Elektrotechnische Universität Sankt Petersburg Ilmenau. Von den Treffen erwarten beide Seiten konkrete Fortschritte in Forschung und Lehre.

    Wenn zwei der führenden russischen Universitäten die ersten Vertreter mehrerer Wissenschaftsbereiche an eine deutsche Universität entsenden, versprechen sie sich von dem Besuch Konkretes. Bei den wissenschaftlichen Gesprächen zwischen den Ilmenauer und den russischen Wissenschaftlern geht es um Sensorsysteme und -netze, eine Domäne, in der die TU Ilmenau besonders stark ist. Und in Wissenschaft und Wirtschaft ist das Forschungsgebiet höchst aktuell, denn die Bandbreite an künftigen Anwendungsmöglichkeiten ist enorm: Autos werden mit innovativen Antennen ausgestattet, um den Betrieb moderner Assistenz- und Ortungssysteme oder auch neue Formen von Verkehrsdiensten zu ermöglichen. Die Biomedizin erhält hochmoderne Sensorsysteme, um Brustkrebs zu diagnostizieren. Die Betreuung pflegebedürftiger Menschen wird erleichtert durch drahtlose Sensor- und Aktornetzwerke, die das Wäschewaschen, die Versorgung mit Essen und Trinken und auch soziale Interaktionen unterstützen. Neuartige Sensoren werden zur zerstörungsfreien Prüfung verschiedenster Werkstoffe unter harschen Betriebsbedingungen eingesetzt. Cloud computing unterstützt den effektiven Betrieb höchst komplexer Rechenprogramme.

    Die TU Ilmenau arbeitet bereits seit Jahrzehnten mit den beiden russischen Universitäten in Moskau und Sankt Petersburg zusammen. Koordinator der Kooperation ist Prof. Matthias Hein, Leiter des Fachgebiets Hochfrequenz- und Mikrowellentechnik. Schon seit über zehn Jahren führt er Forschungsprojekte mit dem Fachgebiet für Mikronachrichtenelektronik und Technologie von Nachrichtensystemen der Elektrotechnischen Universität Sankt Petersburg durch. Hein weiß, dass solche Kooperationen über Disziplin- und Ländergrenzen hinweg für beide Seiten vorteilhaft sind: „In der Zusammenarbeit mit russischen Wissenschaftlern habe ich persönlich beste Erfahrungen gemacht. Neben ausgezeichneten Beiträgen unserer russischen Kollegen auf renommierten Konferenzen, eröffnen uns die Kontakte neue Möglichkeiten, uns an bedeutenden, international ausgelegten Förderformaten der Russischen Föderation und der Europäischen Union zu beteiligen.“

    Im März dieses Jahres war es der Technischen Universität Ilmenau gelungen, zur Finanzierung einer neuen Form von strategischen Partnerschaften mit den russischen Universitäten in Moskau und Sankt Petersburg vom Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) eine Förderung von 580.000 Euro zu erhalten. Der DAAD, die zentrale Einrichtung zur Förderung des internationalen akademischen Austauschs in Deutschland, hatte von 117 Vorhaben, die sich für eine Förderung beworben hatten, nur 18 Mittel des Bundesministeriums für Bildung und Forschung zuerkannt. Die interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen der TU Ilmenau und den russischen Universitäten, die durch die Bundesförderung möglich wird, nannten die Partner sinnigerweise SPITSE: Strategische Partnerschaft der ingenieurwissenschaftlichen Fakultäten der Technischen Universität Ilmenau mit der Staatlichen Elektrotechnischen Universität Sankt Petersburg und der Nationalen Forschungsuniversität Moskauer Energetisches Institut. Wo bisher punktuell Einzelprojekte durchgeführt wurden, fügen sich die Forschungsvorhaben nun in eine Gesamtstrategie ein, die im Übrigen angelehnt ist an die über wissenschaftliche Disziplingrenzen hinweg ausgerichtete Forschungsstrategie der TU Ilmenau. In einem ersten Schritt wurden mit Hilfe eines umfangreichen Fragebogens neben den wissenschaftlichen Profilen der drei Universitäten auch deren besonderen Interessen für die künftige strategische Partnerschaft ermittelt. Bei den aktuellen Gesprächen in Ilmenau erkunden die Wissenschaftler nun Möglichkeiten für konkrete Forschungsvorhaben und bringen den Austausch von Dozenten, Doktoranden und Studierenden auf den Weg. Die russischen Gäste lernen persönlich und aus erster Hand für die Partnerschaft besonders viel versprechende Forschungsaktivitäten der TU Ilmenau kennen und ebenso verschiedene Einrichtungen der Universität, insbesondere das Zentrum für Mikro- und Nanotechnologien (ZMN). Sie besuchen zudem industrienahe Partnereinrichtungen der TU Ilmenau, so das Institut für Mikroelektronik- und Mechatronik-Systeme, als An-Institut der TU Ilmenau eng mit der Universität verbunden, und das Fraunhofer Institut für Integrierte Schaltungen.

    Bereits heute bestehen zwischen der TU Ilmenau und den russischen Universitäten Kooperationsverträge auf Rektorenebene. In deutsch-russischen Ingenieurfakultäten können Studentinnen und Studenten beider Seiten nach einem teilweise in Ilmenau und teilweise in Russland absolvierten Studium Doppel-Masterabschlüsse erwerben. Vor einem Monat, am 15. Oktober, bekam die erste Doppel-Masterabsolventin in Sankt Petersburg die Urkunde aus den Händen des Ilmenauer Leiters des Fachgebiets für Theoretische Elektrotechnik, Prof. Hannes Töpfer, überreicht. Yulia Lapteva hatte an der TU Ilmenau elf Monate ein spezielles Teilstudium absolviert, in dem sie innovative Kommunikationskonzepte für die Automobilbranche erforschte. Ihre industrienahen Forschungsarbeiten führten sie in enger Abstimmung mit dem Institut für Mikroelektronik- und Mechatronik-Systeme (IMMS), einem An-Institut der TU Ilmenau, durch, das die Arbeit auch finanziell unterstützte. Für Prof. Töpfer ist der erste erfolgreiche Doppel-Masterabschluss bester Ausdruck der erfolgreichen deutsch-russischen Zusammenarbeit: „Yulia Lapteva ist als Pionierin der strategischen Partnerschaft gestartet und sehr erfolgreich gelandet. Für russische Studierende ist ein Doppelabschluss in Deutschland eine äußerst attraktive Möglichkeit, ihre beruflichen Chancen erheblich zu verbessern. Ein zukünftiger Arbeitsplatz in einer deutschen Firma in Russland ist ein typisches Beispiel dafür, wie man diese Ausbildung nutzen kann.“ Und auch die deutschen Doppel-Masterstudenten profitieren von dem binationalen Abschluss: „Es sind vor allem die interkulturellen Erfahrungen, die unsere deutschen Studenten nutzen möchten, um künftig im Unternehmen breitere Einsatzmöglichkeiten zu haben“, weiß Prof. Töpfer. Dass die russischen Universitäten zunehmend englischsprachige Lehrveranstaltungen einführen, macht ein Doppelstudium für deutsche Studenten zusätzlich interessant: „Mit ihren Englischkenntnissen oder auch mit Hilfe zusätzlicher Russischkurse, die unser Spracheninstitut vor Ort an der Universität anbietet, sind die Studenten bestens für einen Semesteraufenthalt an einer großen russischen Universität gewappnet.“

    Im Sommer 2014 wird die TU Ilmenau in Thüringen ein zweiwöchiges wissenschaftliches SPITSE-Symposion mit Professoren, jungen Nachwuchswissenschaftlern und Studierenden der drei Universitäten Ilmenau, Moskau und Sankt Petersburg durchführen. Neben einer thematisch ausgerichteten Sommerschule für die Studentinnen und Studenten sind Workshops, Vortragsreihen, Präsentationen wissenschaftlicher Arbeiten mit Prämierung des besten Beitrags und Besichtigungen technisch ausgerichteter Unternehmen in der Region geplant.

    Kontakt:
    Klaus-Dieter Fritz
    Fachgebiet Rechnerarchitektur und Eingebettete Systeme
    Tel.: 03677 / 69-1219
    Email: klaus-dieter.fritz@tu-ilmenau.de


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten
    Elektrotechnik, Informationstechnik
    überregional
    Kooperationen
    Deutsch


    Moskauer Energetisches Institut


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    Die erste Doppel-Masterabsolventin, Yulia Lapteva, bekommt in Sankt Petersburg die Urkunde von Prof. Hannes Töpfer, Leiter des Fachgebiets für Theoretische Elektrotechnik, überreicht.


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