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24.11.2002 12:58

Universität Jena präsentiert ihr neues Ethik-Zentrum am 25. November

Axel Burchardt Abteilung Hochschulkommunikation/Bereich Presse und Information
Friedrich-Schiller-Universität Jena

    Entscheidungshilfen für lebensnahe Fragen

    Jena (24.11.02) "Es wird nicht darum gehen zu sagen: So und so ist es richtig, sondern es sollen Entscheidungsräume und -hilfen angeboten werden", erläutert Prof. Dr. Nikolaus Knoepffler sein Ziel. Knoepffler ist im Sommer auf den ersten und bundesweit einzigen Lehrstuhl für Angewandte Ethik an der Friedrich-Schiller-Universität Jena berufen worden, gefördert durch eine Anschubfinanzierung der Mercator-Stiftung. Am Montag (25.11.) wird er während einer öffentlichen Festveranstaltung eine weitere Innovation präsentieren: "Das erste und einzige Ethik-Zentrum Thüringens". Ab 14 Uhr wird es in der Uni-Aula (Fürstengraben 1) vorgestellt. Gäste werden u. a. Thüringens Wissenschaftsministerin Prof. Dr. Dagmar Schipanski, der Universitäts-Rektor Prof. Dr. Karl-Ulrich Meyn und der Bioethik-Papst Prof. Dr. LeRoy Walters sein, er hält den Festvortrag über "Forschung an embryonalen Stammzellen: die internationale politisch-ethische Diskussion".

    Das Fachgrenzen überschreitende Zentrum an der Jenaer Universität soll unter der handvoll großer Ethik-Zentren in Deutschland eine führende Position einnehmen, plant Prof. Knoepffler. Es soll Entscheidungsträger in Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, den Verbänden und Kirchen beraten, sofern die Ressourcen des Zentrums dies erlauben. Darüber hinaus will es die interdisziplinäre Forschung und Lehre an der Universität Jena im Bereich ethischer Fragestellungen fördern und koordinieren. Das Zentrum soll zum zentralen Knotenpunkt dieser vielfältigen Aktivitäten inner- und außerhalb der Universität werden und ein Netz mit den unterschiedlichen Partnern knüpfen. Zu den festen "Knoten" in der Universität gehören bereits Theologen, Philosophen, Mediziner, Politik- und Rechtswissenschaftler. Doch das Potenzial ist noch größer, denn es soll "ein Zentrum für möglichst viele mit einer offenen Struktur" werden, betont Knoepffler.

    Neben der Bio- und Medizin-Ethik gehören Fragen der Wirtschafts-, Wissenschafts-, Umwelt- und informationstechnischen Ethik zu den Aufgabenfeldern den neuen Uni-Zentrums. Dabei sollen Fragen von solcher gesellschaftlichen Bedeutung behandelt werden, dass Fachleute außerhalb der Disziplinen notwendig sind - die das Zentrum bereit stellt. Wo sind die Grenzen der Gentechnik? Wie weit darf Sterbehilfe gehen? Wird es den gläsernen Konsumenten geben? - so lauten einige der Fragen, um deren Beantwortung sich die Mitglieder des Ethik-Zentrums kümmern wollen. Und dies zwar "wissenschaftlich offen, aber immer auf einer gesellschaftlich relevanten und praxisnahen Ebene", bekräftigt der 40-jährige Theologe und Philosoph, der außerdem über eine humangenetische Ausbildung verfügt.

    Dies zeigen auch die ersten Projekte des Zentrums. Knoepffler selber will das Thema "Menschenwürde" vertiefend untersuchen und zum Forschungsschwerpunkt am Ethik-Zentrum ausbauen. "Arbeitslosigkeit wird für mich sicher auch ein wichtiges Thema werden", sagt er. "Wie müssen Rahmenbedingungen geschaffen werden, damit es sich für alle Seiten lohnt, Menschen höheren Alters einzustellen", beschreibt Knoepffler einen Ansatz. Außerdem ist ein Projekt der Theologischen Fakultät mit dem Zentrum verbunden, bei dem Theologen und Mediziner den "Patienten als Partner" erforschen und Hilfen für Tumorpatienten bei medizinischen Entscheidungen entwerfen wollen.

    Weiterhin ist geplant, ab dem Wintersemester 2003/04 Angewandte Ethik als Magister-Nebenfach an der Uni Jena einzurichten. Die entsprechenden Lehrveranstaltungen, die stark interdisziplinär angelegt sein sollen, werden inzwischen ebenso ausgearbeitet wie die derzeitigen Kurse und Seminare, die gemeinsam mit anderen Disziplinen abgehalten werden. Darüber hinaus will das Zentrum vielfältige Aktivitäten in der Weiterbildung anbieten.

    Knoepffler ist sich bewusst, dass der Festakt lediglich ein schöner Meilenstein im Prozess der Zentrumsentwicklung ist. Aber er weiß um die zunehmende Bedeutung ethischer Fragestellungen - nicht nur durch die Naturwissenschaften aufgeworfen -, die im Jenaer Zentrum wissenschaftlich korrekt, aber immer mit starkem Bezug zur Lebenswirklichkeit angegangen werden sollen.

    Kontakt:
    Ethik-Zentrum an der Universität Jena
    Zwätzengasse 12, 07743 Jena
    Tel.: 03641 / 945800
    Fax: 03641 / 945802
    E-Mail: ethikzentrum@uni-jena.de


    Weitere Informationen:

    http://www.ethik.uni-jena.de


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    fachunabhängig
    überregional
    Buntes aus der Wissenschaft, Organisatorisches
    Deutsch


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