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30.01.2014 10:35

Rüstzeug für den digitalen Rundumblick

Claudia Hilbert Stabsstelle Kommunikation/Pressestelle
Friedrich-Schiller-Universität Jena

    Freistaat Thüringen fördert den Erwerb hochmoderner Messgeräte an der Universität Jena

    „Das ist einfach unglaublich faszinierend. Hier schlummert ein wahrer Datenschatz!“, sagt PD Dr. Jussi Baade von der Friedrich-Schiller-Universität Jena und schaut begeistert auf seinen Computer. Dort zu sehen ist ein digitales Oberflächenmodell des alten Steinbruchs im Jenaer Stadtteil Göschwitz, das selbst kleinste Gesteinsstrukturen zeigt. Das Modell hat der Geograph mit dem Gelände-Laserscanner Riegl VZ 1000 erstellt – einem der weltweit genausten Vermessungsinstrumente.

    Der Laserscanner ist das neue „Schmuckstück“ eines Konsortiums aus Geographen, Geowissenschaftlern und Informatikern der Uni Jena. Der Kauf des Messgerätes war zugleich Auftakt des gemeinsamen Projektes „TerraSensE“. In den kommenden Wochen wollen die Wissenschaftler zudem eine hochauflösende Multispektralkamera mit Drohne sowie ein Bodenfeuchtemessnetz anschaffen.

    Ermöglicht wird der Großeinkauf durch eine Förderung des Thüringer Ministeriums für Bildung, Wissenschaft und Kultur (TMBWK), das das Vorhaben bis Ende 2014 mit insgesamt 400.000 Euro unterstützt. „Damit können wir uns Messinstrumente anschaffen, mit denen wir uns in die Weltklasse-Riege einreihen können und die für uns sonst unerschwinglich wären“, sagt Prof. Dr. Christiane Schmullius. „Eine solche moderne technische Ausstattung erhöht erheblich unsere Chancen, weitere Drittmittel für unsere Forschung und Qualifikation des wissenschaftlichen Nachwuchses erfolgreich einzuwerben“, ist sich die Projektkoordinatorin sicher.

    Das Besondere des Laserscanners ist seine 360-Grad-Perspektive: Der Sensor – befestigt auf einem Stativ – dreht sich, tastet dabei seine Umgebung in alle Richtungen ab und erstellt innerhalb weniger Minuten ein vollständiges dreidimensionales digitales Modell – etwa eines Waldes oder eines Gebäudes. „Und das in einer extrem hohen Auflösung, die nach meiner Kenntnis mit anderen Geräten nicht möglich ist“, betont Jussi Baade.

    Geländeeinsätze u. a. in Jena, Stadtroda und Moxa

    Anfang Januar haben er und seine Kollegen im alten Weiherbad in Stadtroda mit den ersten Geländearbeiten begonnen. Die Vermessung des Göschwitzer Steinbruchs war nun der zweite Einsatz des Laserscanners. „An der Steilwand kommt es immer wieder zu Abbrüchen und Steinschlägen, doch die Veränderungen sind minimal“, erklärt Baade. Die Forscher wollen das Gelände regelmäßig abscannen und so herausfinden, ob sie die schleichende Verwitterung der Steilwand dennoch aufspüren können.

    Weitere Einsätze planen die Wissenschaftler unter anderem im Geodynamischen Observatorium Moxa bei Pößneck. Dort wollen sie mithilfe des Laserscanners das Relief und die Vegetation detailliert vermessen. „Die Struktur der Erdoberfläche beeinflusst das lokale Schwerefeld der Erde“, erläutert Prof. Dr. Nina Kukowski. „Je genauer das Oberflächenmodell der Umgebung ist, desto besser können wir die Massenverlagerungen und Bewegungen im Untergrund analysieren“, so die Geophysikerin.

    Die hohe Auflösung der mit dem Laserscanner erstellten Oberflächenmodelle bringt jedoch eine zusätzliche Herausforderung mit sich: Es entstehen riesige Datenmengen. „Ein einzelnes Modell ist immerhin schnell mehrere Gigabyte groß“, weiß Jussi Baade. Ein Team vom Institut für Informatik entwickelt daher mit Unterstützung des Uni-Rechenzentrums neue Methoden, wie die Daten verwaltet, verarbeitet und ausgewertet werden können.

    „Noch stehen wir am Anfang und müssen lernen, wie wir mit dem Datenschatz effizient umgehen können“, sagt Baade. Die Anschaffung habe sich aber schon jetzt gelohnt: „Beim Einsatz im Stadtrodaer Weiherbad war der Untergrund so schlammig, dass ich schon bis zu den Knien eingesunken war“, erzählt Baade. Einige Meter entfernt und auf sicherem Terrain haben die Forscher den Laserscanner aufgebaut und konnten dann dennoch das einstige Schwimmbecken vermessen. „Ohne den Laserscanner wären wir im wahrsten Sinne des Wortes baden gegangen“, so Baade.

    Kontakt:
    PD Dr. Jussi Baade
    Institut für Geographie der Friedrich-Schiller-Universität Jena
    Löbdergraben 32, 07743 Jena
    Tel.: 03641 / 948803
    E-Mail: cub[at]uni-jena.de


    Weitere Informationen:

    http://www.uni-jena.de


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, Wissenschaftler
    Geowissenschaften, Informationstechnik
    regional
    Forschungsprojekte
    Deutsch


    Bastian Reinwarth, Dr. Jussi Baade, Prof. Dr. Nina Kukowski und Dr. Andreas Göpel (v.l.) von der Universität Jena testen in einem Steinbruch in Jena einen neuen terrestrischen Laserscanner.


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