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11.12.2002 14:13

Verwechslung von Diagnosen führt oft zu folgenschweren Fehlern

Klaus Großjohann Fachbereich Öffentlichkeitsarbeit
Kuratorium Deutsche Altershilfe - Wilhelmine Lübke Stiftung e. V.

    Verwechslung von Diagnosen führt oft zu folgenschweren Fehlern
    KDA-Fachzeitschrift PRO ALTER weist auf
    Abgrenzungsprobleme zwischen Demenz und Delir hin

    Köln, 11.Dezember 2002 - Viel zu häufig wird der Gesundheitszustand von alten oder hoch betagten Menschen allgemein als "Alters-Verwirrtheit" abgetan, beklagt Prof. Dr. Rolf D. Hirsch, Chefarzt der Abteilung Gerontopsychiatrie an den Rheinischen Kliniken in Bonn, in der aktuellen Ausgabe von PRO ALTER, dem Fachmagazin des Kuratoriums Deutsche Altershilfe (KDA). Durch unzureichende und oberflächlich erhobene Befunde würden oft die Krankheitsbilder einer Demenz und eines Delirs (Verwirrtheitszustand) vermischt oder verwechselt, was bei den Patienten zu negativen Auswirkungen in der Behandlung führen könne. Während eine Verwirrtheit bzw. ein Delir eine vorübergehende, behandelbare Bewusstseinstrübung darstelle, handele es sich bei den verschiedenen Demenzformen um eine kontinuierliche Abnahme intellektueller Fähigkeiten, so Hirsch, der auch KDA-Kurator ist. In Folge des Nicht-Erkennens von demenziellen Syndromen bzw. der verschiedenen Faktoren, die die Entstehung eines Delirs begünstigen, würden oft falsche oder gar keine Behandlungsschritte unternommen, die zu erheblichen Irritationen bei den kranken Menschen führen. Zudem werden "zu rasch und zu häufig Katheter eingesetzt, Psychopharmaka zur Sedierung verabreicht oder Fesselungen durchgeführt", kritisiert Hirsch. Dekubitus, Mangelernährung oder Stürze seien oft die Folge.
    "Vor allem ist auch kaum bekannt, dass mehrere Faktoren für das Zustandekommen eines Delirs verantwortlich sein können. Diese treten oft gleichzeitig auf und verstärken sich gegenseitig. Dazu gehören beispielsweise eine mangelnde Flüssigkeitszufuhr, Infektionen, Fieberzustände, Medikamentenauswirkungen aufgrund falscher Dosierungen, Auswirkungen von Operationen, Hypertonie, Herzerkrankung, Tumor-Erkrankungen, Stoffwechselentgleisungen oder psychosozialer Stress," erklärt Prof. Hirsch.

    Individuelles Behandlungskonzept erforderlich
    Damit es nicht zu einer einseitigen und nicht selten schädigenden Behandlung kommt, hält der Mediziner ein mehrschichtiges Therapiekonzept für erforderlich, das von allen beteiligten Berufsgruppen in einem Beurteilungsverfahren für die weiteren Behandlungs- und Betreuungsschritte ("Assessment") zu erarbeiten ist und von einem Arzt koordiniert werden sollte. Dieses müsse verschiedene Ansätze berücksichtigen: Die körperliche- (Grunderkrankungen, Begleiterkrankungen, aktuelle Erkrankung), die psychische- (emotional und kognitiv) und die soziale (Bezugspersonen, soziale aktuelle Situation) Ebene. "Als erste Behandlungsschritte reichen oft schon wenige Dinge aus: Die Reduzierung von Medikamenten oder manchmal auch das Absetzen aller verabreichten Pharmaka, die Gabe von Flüssigkeit, die Stabilisierung von Herz und Kreislauf, eine situationsangepasste und beruhigende Atmosphäre sowie eine immer

    wieder kritisch überprüfte Medikation, die je nach Grunderkrankung auf ein Minimum zu beschränken ist", erklärt Hirsch. Delirien seien bei älteren Menschen, die in Krankenhäusern wegen einer körperlichen Erkrankung behandelt werden, derzeit schon so häufig, dass sie besonderer gesundheitspolitischer Aufmerksamkeit bedürften. Aufgrund der Bevölkerungsentwicklung dürfte ihre Anzahl in den nächsten Jahren steigen. "Diese Patienten als "Störfaktoren" zu etikettieren, wie es oft passiert, sie unzureichend zu behandeln und möglichst bald in ein Pflegeheim abzuschieben, ist diskriminierend", klagt Hirsch in Pro ALTER.

    Verdrängt: Menschen mit Demenz im Krankenhaus
    Zudem geht das KDA-Fachmagazin auch darauf ein, wie Menschen mit Demenz, die aufgrund einer weiteren Erkrankung in ein Krankenhaus aufgenommen werden, dort richtig behandelt werden können. Zwei Expertenhearings vor dem Gesundheits- und Sozialausschuss der Stadt Köln haben gezeigt, dass die meisten Kliniken auf die Versorgung dieser Patientengruppe nicht eingestellt sind, worunter die betroffenen Patienten und deren Angehörige sehr zu leiden haben. Der PRO ALTER-Bericht stellt verschiedene Ansätze und Lösungsmöglichkeiten vor, die auf dem Hearing diskutiert worden sind.

    Weitere Themen der 100-seitigen Jubiläumsausgabe von PRO ALTER 4/2002 sind:
    · KDA: In vierzig Jahren viel bewegt (1962-2002) - ein ausführlicher Rückblick und Perspektiven zur Arbeit des Kuratoriums Deutsche Altershilfe,
    · Bundesverfassungsgericht macht weg frei für eine länderübergreifende Altenpflegeausbildung,
    · Neues-KDA Angebot: Schulungen und praktische Anleitungen für Altenpflegeeinrichtungen vor Ort durch KDA-Mitarbeiter,
    · Personalbemessungsverfahren PLAISIR": Landespflegeausschuss Schleswig-Holstein empfiehlt die Einführung zum frühestmöglichen Zeitpunkt,
    · Interkulturelle Kompetenz: Herausforderung für die Altenpflege?
    · "Gender-Mainstreaming" in der Seniorenpolitik?
    · Die Altenhilfe in der Informationsgesellschaft: Erfolgreich kommunizieren im Internet.

    Pro Alter ist zu beziehen beim Kuratorium Deutsche Altershilfe, An der Pauluskirche 3, 50677 Köln, Fax 0221/93 18 47-6, E-Mail: versand@kda.de . Das Magazin erscheint viermal im Jahr. Das Einzelheft kostet 4,80 Euro (zuzüglich Versandkosten), das Jahresabonnement 16 Euro (einschließlich Versandkosten).


    Weitere Informationen:

    http://www.kda.de


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    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Bauwesen / Architektur, Ernährung / Gesundheit / Pflege, Gesellschaft, Medizin, Pädagogik / Bildung, Psychologie
    überregional
    Forschungsergebnisse, Wissenschaftliche Publikationen
    Deutsch


     

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