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06.03.2014 10:42

Psychologie - Gibst du mir, gebe ich dir

Luise Dirscherl Stabsstelle Kommunikation und Presse
Ludwig-Maximilians-Universität München

    Die Bereitschaft von Kindern, zu teilen, verrät viel über ihre soziale und kognitive Entwicklung. Erst mit fünf Jahren unterscheiden sie beim Teilen, ob ein anderer mit ihnen befreundet ist oder nicht.

    Beim Teilen macht es einen großen Unterschied, ob ein Kind drei, vier oder fünf Jahre alt ist. „Für die Entwicklung unseres sozialen Verhaltens sind die Kindergartenjahre entscheidend“, sagt Professor Markus Paulus von der Fakultät für Psychologie und Pädagogik an der LMU. In einer Studie mit Kindergartenkindern hat er erstmals untersucht, wie sich in der frühen Kindheit die Erwartungen über das Teilen und die eigene Bereitschaft, zu teilen, entwickeln. Darüber berichtet er in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift Developmental Psychology.

    „Unsere Erwartungen darüber, ob sich jemand sozial verhält, spielen für unsere zwischenmenschlichen Beziehungen eine große Rolle. Wir passen unser eigenes Verhalten an, je nachdem, ob wir von anderen Hilfe erwarten oder nicht. Doch bislang war wenig darüber bekannt, wie sich diese Erwartungen bei Kindern entwickeln“, sagt Paulus.

    Glaube an den guten Willen des Gegenübers

    Die Studie wurde in drei Kindergärten im Kreis Landsberg am Lech erhoben. In dem Experiment mit drei-, vier- und fünfjährigen Kindern bekamen die Kinder zwei Aufgaben in einer Art Rollenspiel. Zuerst sollten sie einschätzen, wie sich ein Dritter beim Teilen verhalten würde. In einer zweiten Aufgabe sollten sie selbst Spielzeug teilen. In beiden Aufgaben ging es darum, sowohl mit Menschen zu teilen, die man mochte, als mit solchen, die man weniger mochte.

    Dreijährige Kinder machten keinen Unterschied, wer beim Teilen etwas erhielt, ob sie also jemanden bedachten, mit dem sie befreundet oder nicht befreundet waren. Sie verhielten sich meistens sozial und erwarteten dies auch von anderen. „Dreijährige scheinen darauf zu vertrauen, dass sich ihr Gegenüber sozial verhält. Dieses Vertrauen in den guten Willen des Gegenübers könnte die Grundlage dafür sein, dass sie Beziehungen aufbauen können und bereit sind, Hilfe zu holen, wenn es nötig ist. Es könnte auch ein Anzeichen dafür sein, dass sie bereits gelernt haben, welche sozialen Normen das Miteinander bestimmen“, sagt Paulus.

    Vier- und Fünfjährige dagegen teilten mehr mit jemandem, den sie mochten, als mit jemandem, den sie nicht mochte. Zugleich erwarteten sie, dass der Gebende beim Teilen darauf achtet, wen er mag oder nicht mag. Doch erst bei den Fünfjährigen gibt es einen klaren Zusammenhang zwischen der Erwartung, wie andere teilen, und der eigenen Bereitschaft, zu teilen. Die Kinder, die selbst viel teilten, erwarteten auch von anderen, dass sie häufig teilen. „Mit fünf Jahren haben Kinder offenbar gelernt, wie man sich beim Teilen anderen gegenüber verhält. Dies könnte daran liegen, dass sie in diesem Alter bereits die Fähigkeit haben, zu erfassen, wie ein Anderer über eine Situation urteilt und daraufhin handelt“, sagt Paulus. Sie haben offenbar zudem bereits eine klare Vorstellung von Freundschaft erworben und davon, wie man sich als Freund verhält.

    Publikation:
    Markus Paulus; Chris Moore:
    The development of recipient-dependent sharing behavior and sharing expectations in preschool children.
    In: Developmental Psychology, Vol 50(3), Mar 2014, 914-921.
    doi: 10.1037/a0034169

    Ansprechpartner:
    Prof. Dr. Markus Paulus
    E-Mail: markus.paulus@lmu.de
    Tel: 089/2180-5150


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten
    Psychologie
    überregional
    Forschungsergebnisse
    Deutsch


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