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12.03.2014 11:13

Sag‘ mir wo Du wohnst und ich sag‘ Dir was Du wiegst: Wohnort beeinflusst das Gewicht von Kindern

Medizin - Kommunikation Medizinkommunikation
Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften

    Kinder in benachteiligten Ortsteilen sind bis zu doppelt so häufig übergewichtig, wie Kinder in privilegierten Gegenden. Das entdeckten Forscher der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur Leipzig. Den Zusammenhang zwischen sozialen Faktoren und der physischen und psychischen Gesundheit diskutiert Professor Dr. Elmar Brähler, der an der Studie beteiligt war, gemeinsam mit weiteren Experten auf der Pressekonferenz des Deutschen Kongresses für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie am 27. März 2014 in Berlin.

    Neben Schulabschluss und Haushaltseinkommen der Eltern rückt als Ursache für Übergewicht bei Kindern ein weiterer Faktor in den Fokus: „In benachteiligten Ortsteilen zu wohnen, wirkt sich schon bei Vorschulkindern auf deren Gewicht aus“, so Brähler, der bis 2013 die Abteilung für Medizinische Psychologie und Medizinische Soziologie an der Universität Leipzig leitete. Für die Studie sammelten die Forscher Daten von fast 3000 Kindern im Rahmen der Einschulungsuntersuchung der Stadt Leipzig. Dafür teilten sie 63 Ortsteile Leipzigs in vier Kategorien ein. Maßgeblich dafür waren der Anteil der Personen mit niedrigem Schulabschluss, die Arbeitslosenquote und das Haushaltseinkommen. Das Ergebnis: Mit mehr als zwölf Prozent leben in benachteiligten Ortsteilen der Kategorie 4 rund doppelt so viele übergewichtiger Kinder wie in privilegierten Ortsteilen der Kategorie 1. „Dabei hat sich gezeigt, dass der Wohnort des Kindes neben dem elterlichen Sozialstatus zusätzlichen Einfluss auf das Übergewicht bei Kindern ausübt: Denn wohnt eine Mutter mit niedriger Bildung in einem privilegierten Ortsteil, verringert sich das Übergewichtsrisiko beim Kind“, erläutert Brähler die Forschungsergebnisse.

    Vorangegangene Studien im angloamerikanischen Raum zeigen eine mögliche Erklärung: Stark benachteiligte Ortsteile unterscheiden sich von privilegierten nicht nur durch die Bildung und Arbeitssituation ihrer Anwohner, sondern auch durch bauliche Strukturen, Anbindung an die Infrastruktur, Zugang zu Grünflächen, Spielplätzen und Sonneneinstrahlung. „Um mit Präventionsmaßnahmen gezielt Übergewicht bei Kindern bekämpfen zu können, muss in weiteren Studien noch genau erforscht werden, wodurch diese großen Unterschiede verursacht werden“, so Brähler. Mit diesem Wissen könnten die Kommunen Lebensräume so gestalten, dass Kindern eine gesunde Entwicklung möglich ist.

    Etwa 15 Prozent der Kinder und Jugendlichen in Deutschland sind übergewichtig, gut sechs Prozent davon gelten als adipös, leiden also unter starkem Übergewicht. Folgen können chronische Erkrankungen wie Typ-2-Diabetes, Bluthockdruck und Herzkrankheiten sein. „Aus übergewichtigen Kindern werden meist adipöse Erwachsene, deren Kinder wiederum ein erhöhtes Übergewichtsrisiko haben“, so Brähler.

    Neben dem Einfluss des sozialen und geographischen Umfelds auf die Gesundheit diskutieren Experten bei der Kongress-Pressekonferenz am 27. März 2014 in Berlin auch somatoforme Symptome in der Arbeitswelt und Versorgungsstrukturen in der Psychosomatischen Medizin und Psychotherapie.

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    Terminhinweise:

    Eröffnungsveranstaltung:
    Termin: 26. März 2014
    Ort: Henry-Ford-Bau der Freien Universität Berlin
    Referenten: F.U. Montgomery (Berlin), A. Grüters-Kieslich (Berlin), S. Zipfel (Tübingen), J. Kruse (Gießen und Marburg), H. Rosa (Jena)

    Pressekonferenz:
    Termin: 27. März 2014, 12.45 bis 13.45 Uhr
    Ort: Senatssaal des Henry-Ford-Baus der Freien Universität Berlin

    Plenarveranstaltung: Wo bleibt das Soziale? Epidemiologische Befunde zur sozialen Genese von Erkrankungen
    Referent: E. Brähler, Leipzig
    Termin: 27. März 2014, 11.45 bis 12.30 Uhr
    Ort: Henry-Ford-Bau der Freien Universität Berlin

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    Pressekonferenz anlässlich des
    Deutschen Kongresses für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie
    „Moderne Zeiten – Antworten der Psychosomatik und Psychotherapie“
    Termin: Donnerstag, 27. März 2014, 12.45 Uhr bis 13.45 Uhr
    Ort: Senatssaal des Henry-Ford-Baus der Freien Universität Berlin
    Anschrift: Garystraße 35, 14195 Berlin-Dahlem

    Vorläufige Themen und Referenten:

    *Unter- und Fehlversorgung von psychischen Leiden trotz vielfältiger Versorgungsstrukturen: Behandeln wir in Deutschland die Falschen?
    Universitäts-Professor Dr. med. Johannes Kruse
    Kongresspräsident, Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Psychosomatische Medizin und Ärztliche Psychotherapie (DGPM) und Ärztlicher Direktor der Kliniken für Psychosomatik und Psychotherapie, Universitätskliniken Gießen und Marburg

    *Verantwortungsvoller Umgang mit Pädophilie: Das Netzwerk „Kein Täter werden“ hilft
    Professor Dr. med. Dr. phil. Klaus M. Beier
    Direktor, Facharzt für Psychotherapeutische Medizin, Psychoanalytiker
    Charité - Universitätsmedizin Berlin

    *Wo bleibt das Soziale? Untersuchungen zeigen die sozialen Ursachen von Krankheiten
    Professor Dr. Elmar Brähler
    em. Leiter der Selbständigen Abteilung für Medizinische Psychologie und Medizinische Soziologie am Leipziger Uniklinikum

    *Macht Arbeit psychisch und körperlich krank? Wie lassen sich erste Anzeichen bei Mitarbeitern früh erkennen und wirksam behandeln?
    Professor Dr. med. Harald Gündel
    DGPM-Mediensprecher, Ärztlicher Direktor der Universitätsklinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie in Ulm

    *Wege aus der Magersucht: Neue Studie zur Behandlung dieser komplexen, hartnäckigen Essstörung
    Professor Dr. med. Stephan Zipfel
    Vorsitzender des Deutschen Kollegiums für Psychosomatische Medizin (DKPM); Ärztlicher Direktor der Abteilung Innere Medizin VI (Psychosomatische Medizin und Psychotherapie), Universitätsklinikum Tübingen

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    Kontakt für Journalisten:
    Pressestelle Deutscher Kongress für
    Psychosomatische Medizin und Psychotherapie
    Janina Wetzstein/Julia Hommrich
    Postfach 30 11 20
    70451 Stuttgart
    Telefon: 0711 8931-457
    Telefax: 0711 8931-167
    wetzstein@medizinkommunikation.org


    Weitere Informationen:

    http://www.deutscher-psychosomatik-kongress.de


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten
    Medizin, Psychologie
    überregional
    Forschungsergebnisse, Pressetermine
    Deutsch


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