Universitätsklinikum Heidelberg bietet Patienten mit Multiplem Myelom erstmals ambulantes Behandlungskonzept an / Erste Behandlungen erfolgreich verlaufen
Am Universitätsklinikum Heidelberg können Patienten mit Multiplem Myelom, einer seltenen Krebserkrankung des blutbildenden Knochenmarks, nun erstmals ambulant mit eigenen Blutstammzellen transplantiert werden. Im Rahmen des neuen ambulanten Konzepts betreut ein erfahrenes Ärzte- und Pflegeteam der Abteilung Innere Medizin V (Ärztlicher Direktor: Prof. Dr. Anthony D. Ho) die Patienten in der Tagesklinik; den Abend und die Nacht verbringen sie zu Hause bei ihren Angehörigen. Bei Multiplem Myelom und bestimmten anderen Krebsarten ist die Blutstammzelltransplantation nach einer Hochdosis-Chemotherapie die derzeit beste Behandlungsmöglichkeit mit Chance auf langfristige Krankheitskontrolle. Jedoch war dafür bislang ein mindestens dreiwöchiger stationärer Aufenthalt erforderlich. Die ambulante Versorgung eignet sich für Patienten aus Heidelberg und Umgebung, die keine schweren Begleiterkrankungen haben.
Bislang erhielten zehn Patienten ambulant eine Hochdosis-Chemotherapie und Transplantation mit eigenen Blut-Stammzellen (autologe Stammzelltransplantation). Die Rückmeldungen der Patienten in einer anschließenden Befragung fielen sehr positiv aus. Als angenehm wurde besonders die individuelle Betreuung durch das spezialisierte Team aus Ärzten und Schwestern betrachtet. “Den Abend wieder daheim verbringen zu dürfen habe ich als sehr positiv empfunden. Es war eine Win-win-Situation: optimale medizinische Versorgung am Tage und eine warmherzige seelische Betreuung am Abend“, lautet das Fazit eines Patienten.
Umfassendes Konzept gewährleistet Patientensicherheit
In der intensiven Betreuung durch erfahrene Ärzte und Pfleger unterscheiden sich ambulante und stationäre Versorgung kaum: Die Patienten kommen morgens in die Tagesklinik, es folgt die Visite der behandelnden Ärzte und es werden die gleichen Untersuchungen, Laborkontrollen und Infusionen durchgeführt. Nachmittags verlassen die Patienten die Klinik und verbringen den restlichen Tag zu Hause. „Gerade die lange Trennung von der Familie und das Fehlen der vertrauten Umgebung empfinden viele Patienten bei der stationären Behandlung als sehr belastend“, erklärt Funktionsoberarzt Dr. Patrick Wuchter, der das ambulante Transplantations-Programm leitet.
Die Sicherheit des Patienten steht an erster Stelle: Eine aufwendige Logistik am Universitätsklinikum stellt sicher, dass bei Komplikationen jederzeit und sofort reagiert werden kann. „Die Patienten können sich rund um die Uhr an die Klinik wenden und bei Bedarf jederzeit stationär aufgenommen werden“, so Dr. Wuchter. Eine Ausweitung des ambulanten Behandlungskonzepts auf Patientengruppen mit weiteren Krebserkrankungen ist derzeit in Planung.
Eigenverantwortlichkeit beim Infektionsschutz sehr wichtig
Für die Patienten besteht zu Hause in der Regel kein höheres Infektionsrisiko als im Krankenhaus. Allerdings ist in den ersten zwei Wochen nach der Transplantation das Immunsystem noch geschwächt (Aplasiephase). Die Patienten müssen in dieser Zeit daher konsequent bestimmte Regeln zum Schutz vor Infektionen einhalten, z.B. regelmäßig Hände desinfizieren, auf rohe Speisen verzichten sowie Menschenmengen meiden. Eine Voraussetzung für die ambulante Behandlung ist, dass der Patient nicht alleinstehend ist. So kann immer jemand rasch Rücksprache mit der Klinik halten, insbesondere falls Fieber oder Anzeichen für eine Infektion auftreten. Bei drei von den bisher zehn Patienten des ambulanten Transplantations-Programms war eine stationäre Aufnahme aufgrund Fieber in der Aplasiephase erforderlich. Die Patienten konnten durchschnittlich nach drei bis vier Tagen entlassen werden.
Rund 3.500 Menschen erkranken in Deutschland jährlich neu am Multiplen Myelom. Vor allem ältere Menschen über 60 sind betroffen. Bei ihnen stören die Krebszellen im Knochenmark die Blutbildung und schwächen die Knochensubstanz; Knochenschmerzen und -brüche, Blutarmut und Anfälligkeit für Infekte sind die Folgen. Das Myelomzentrum Heidelberg an der Abteilung Innere Medizin V unter der Leitung von Professor Dr. Hartmut Goldschmidt ist mit mehr als 1.400 Myelom-Patienten, die hier betreut werden, und 170 Stammzelltransplantationen pro Jahr führend in Deutschland und die weltweit drittgrößte Einrichtung dieser Art.
Weitere Informationen:
http://www.klinikum.uni-heidelberg.de/Willkommen.131853.0.html
http://www.klinikum.uni-heidelberg.de/Myelomzentrum-Heidelberg
Kontakt:
Dr. Patrick Wuchter
Medizinische Klinik, Abteilung Innere Medizin V
Im Neuenheimer Feld 410
69120 Heidelberg
Tel.: 06221 56-8054
E-Mail: Patrick.Wuchter@med.uni-heidelberg.de
Universitätsklinikum und Medizinische Fakultät Heidelberg
Krankenversorgung, Forschung und Lehre von internationalem Rang
Das Universitätsklinikum Heidelberg ist eines der bedeutendsten medizinischen Zentren in Deutschland; die Medizinische Fakultät der Universität Heidelberg zählt zu den international renommierten biomedizinischen Forschungseinrichtungen in Europa. Gemeinsames Ziel ist die Entwicklung innovativer Diagnostik und Therapien sowie ihre rasche Umsetzung für den Patienten. Klinikum und Fakultät beschäftigen rund 11.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und engagieren sich in Ausbildung und Qualifizierung. In mehr als 50 klinischen Fachabteilungen mit ca. 2.200 Betten werden jährlich rund 118.000 Patienten voll- bzw. teilstationär und rund 1.000.000 mal Patienten ambulant behandelt. Das Heidelberger Curriculum Medicinale (HeiCuMed) steht an der Spitze der medizinischen Ausbildungsgänge in Deutschland. Derzeit studieren ca. 3.500 angehende Ärztinnen und Ärzte in Heidelberg.
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Dr. Patrick Wuchter, Medizinische Universitätsklinik Heidelberg, betreut eine Patientin während der ...
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