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16.05.2014 14:38

Die griechischen Handschriften der Universitätsbibliothek Augsburg

Klaus P. Prem Presse - Öffentlichkeitsarbeit - Information
Universität Augsburg

    Als bemerkenswertestes Stück verzeichnet der soeben erschienene Katalog von Rudolf S. Stefec den sogenannten "Codex Reuchlin".

    Augsburg/GH/KPP - In Heft 93/94 (2014) der Zeitschrift Codices Manuscripti & Impressi ist soeben ein von Dr. Rudolf S. Stefec (Institut für Byzantinistik und Neogräzistik der Universität Wien) verfasster "Katalog der griechischen Handschriften der Universitätsbibliothek Augsburg" erschienen. Das prominenteste Manuskript dieser Sammlung, den als "Codex Reuchlin "bekannten Kommentar zur Johannes-Apokalypse von Andreas von Kaisareia, hatten u. a. auch Johannes Reuchlin und Erasmus von Rotterdam bereits in Händen.

    Sammlungsgeschichtlich bedingt ist der Bestand an griechischen Handschriften der Universitätsbibliothek Augsburg nicht allzu umfangreich. Die acht Handschriften datieren aus dem 12. bis 16. Jahrhundert. Zwei Manuskripte stammen aus dem byzantinischen Kulturraum, zwei weitere sind Produkte in Italien ansässiger griechischer Kopisten. Vier Handschriften spiegeln die Interessen deutscher Humanisten bzw. deren Kontakte zum Patriarchat von Konstantinopel wider.

    Durch prominente Hände gegangen

    Bemerkenswertestes Stück ist Cod. I.1.4°1 aus dem 12. Jahrhundert mit dem Apokalypsenkommentar des Andreas von Kaisareia. Ihre Bekanntheit verdankt die Handschrift weniger ihrer Textqualität als vielmehr ihren prominenten Besitzern.

    Kardinal Johannes von Ragusa (Dubrovnik) hatte sie wohl um 1435 auf einer Legationsreise in Konstantinopel erworben. Der Humanist Johannes Reuchlin erbat sich die Handschrift zum Studium, Erasmus von Rotterdam für die Fertigstellung seiner Polyglotte. Bei deren Drucklegung in Basel kam die Handschrift schließlich in Hieronymus Frobens Hände. 1553 vermerkte Kurfürst Ottheinrich von der Pfalz auf dem ersten Blatt: "Der Frobenius zu Basel hat mirss geschenkt". Auf welchen Wegen sie dann um 1664 in die Bibliothek der Würzburger Jesuiten gelangte, ist ebenso unbekannt wie der Vorbesitzer, von dem Fürst Ludwig von Oettingen-Wallerstein sie 1816 schließlich für seine Sammlung erwerben konnte, mit der die Handschrift 1980 an die Universitätsbibliothek Augsburg übergegangen ist.

    Lücken kurzerhand durch Rückübersetzungen aus dem Lateinischen geschlossen

    Die neutestamentliche Textforschung suchte bis ins 19. Jahrhundert vergeblich nach diesem sogenannten "Codex Reuchlin" mit seinen vielen singulären Lesarten. Erst der Erlanger Neutestamentler Franz Franz Delitsch, der ihn 1861 in der Oettingen-Wallersteinschen Bibliothek entdeckte, konnte klarstellen, dass es sich bei ihm nicht um einen besonders alten Textzeugen, sondern vielmehr um eine stark fehlerhafte und am Ende unvollständige Kopie handelte, deren fehlende Teile Erasmus bei der Arbeit an seiner Polyglotte kurzerhand durch Rückübersetzung aus dem Lateinischen ins Griechische ergänzt hatte.
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    Publikation:

    Rudolf S. Stefec: Katalog der griechischen Handschriften der Universitätsbibliothek Augsburg. In: Codices Manuscripti & Impressi 93/94 (2014), S. 55-65 (mit Index und 11 Abb.)
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    Ansprechpartner:

    Dr. Günter Hägele
    Leiter Abteilung II (Handschriften, Alte Drucke, Sondersammlungen)
    Universitätsbibliothek Augsburg
    86135 Augsburg
    Telefon 0821/598-5350
    guenter.haegele@bibliothek.uni-augsburg.de
    http://www.bibliothek.uni-augsburg.de


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, Wissenschaftler
    Geschichte / Archäologie, Kulturwissenschaften, Philosophie / Ethik, Religion
    überregional
    Wissenschaftliche Publikationen
    Deutsch


    Andreas von Kaisareia: Kommentar zur Johannes-Apokalypse Byzanz, 12. Jahrhundert, Augburg, Universitätsbibliothek Cod.I.1.4°1,4r


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