Die Geburt einer modernen Wissenschaft

idw – Informationsdienst Wissenschaft

Nachrichten, Termine, Experten

Grafik: idw-Logo
idw-Abo
Medienpartner:
Wissenschaftsjahr


Teilen: 
26.05.2014 11:58

Die Geburt einer modernen Wissenschaft

Stephan Laudien Stabsstelle Kommunikation/Pressestelle
Friedrich-Schiller-Universität Jena

    Historiker der Universität Jena legt Buch über Geschichtsforschung im 19. Jahrhundert in Deutschland und Österreich vor

    Leopold von Ranke, Johann Gustav Droysen und Theodor Mommsen gehören zu den großen deutschen Historikern der Neuzeit. Ihr Wirken markiert den Übergang von der traditionellen Geschichtsschreibung hin zu einer modernen Geschichtsforschung heutiger Prägung in Deutschland. Doch wie entwickelte sich das Fach Geschichte in Österreich?

    „Auch in Österreich gibt es prägende Figuren, die die Geschichtswissenschaft in die Moderne führten“, sagt Prof. Dr. Klaus Ries von der Universität Jena. Gemeinsam mit der Wiener Fachkollegin Christine Ottner, die eine Tagung zu diesem Thema an der Österreichischen Akademie der Wissenschaften organisierte, hat der Jenaer Historiker erstmals einen systematischen Ländervergleich Deutschland-Österreich unternommen. Die Ergebnisse liegen nun vor in dem Buch „Geschichtsforschung in Deutschland und Österreich im 19. Jahrhundert. Ideen – Akteure – Institutionen“. Erschienen ist es als Band 48 der Reihe „Pallas Athene. Beiträge zur Universitäts- und Wissenschaftsgeschichte“, die von Rüdiger vom Bruch und Lorenz Friedrich Beck herausgegeben wird.

    Den zeitlichen Rahmen der Untersuchung steckt das sogenannte „lange 19. Jahrhundert“ ab. Das heißt, die Untersuchung setzt bereits um 1770 ein und reicht bis zum Ende des Ersten Weltkrieges. Die bekanntesten Historiker und Kulturwissenschaftler Österreichs in jener Epoche sind Joseph von Hammer-Purgstall, Wáclaw Wladiwoj Tomek und Julius Ficker.

    „In Österreich spielte die Akademie zunächst eine größere Rolle als in Deutschland, bevor sich dann kooperative und konkurrierende Organisationsformen mit der Universität entwickelten“, konstatiert Prof. Ries. Die ursprünglich als Zusammenschluss von Privatgelehrten gegründete Akademie habe wichtige Schrittmacherdienste geleistet, die moderne Geschichtswissenschaft zu etablieren. In Deutschland dagegen seien die Universitäten der Motor dieser Entwicklung gewesen.

    Ideengeschichtlich stand der Historismus Pate, als die Geschichte zu einer Wissenschaft avancierte. Jene Strömung in Geschichtswissenschaft und Philosophie hob die Geschichtlichkeit des Menschen hervor und beurteilte Institutionen und Ideen wie Staat und Nation nicht als rationale Ergebnisse gesellschaftlicher Prozesse, sondern als organische, geschichtlich hervorgebrachte Phänomene. Im Historismus stand die Individualität der einzelnen Epochen und Geschehnisse im Vordergrund.

    Klaus Ries selbst sowie der renommierte Historismus-Forscher Otto Gerhard Oexle unternehmen es in dem neuen Buch, den Historismus neu zu bewerten. Ihre Erkenntnis: Der Historismus sei als Projekt der Aufklärung und ihres Geschichtsverständnisses zu deuten. Prof. Ries zieht deshalb eine Linie von Montesquieu über Kant zu Schiller. In Österreich hingegen hat man die Frage nach der Bedeutung des Historismus lange Zeit überhaupt nicht gestellt. Auch sie wird in dem vorliegenden Band eingehend behandelt.

    Bibliographische Angaben:
    Christine Ottner, Klaus Ries (Hg.): „Geschichtsforschung in Deutschland und Österreich im 19. Jahrhundert. Ideen – Akteure – Institutionen“, Franz Steiner Verlag, Stuttgart 2014, 304 Seiten, 56,00 Euro, ISBN: 978-3-515-10671-9

    Kontakt:
    Prof. Dr. Klaus Ries
    Historisches Institut der Friedrich-Schiller-Universität Jena
    Fürstengraben 13, 07743 Jena
    Tel.: 03641 / 944983
    E-Mail: Klaus.Ries[at]uni-jena.de


    Weitere Informationen:

    http://www.uni-jena.de


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten
    Geschichte / Archäologie
    überregional
    Wissenschaftliche Publikationen
    Deutsch


    Das Cover der neuen Publikation.


    Zum Download

    x

    Hilfe

    Die Suche / Erweiterte Suche im idw-Archiv
    Verknüpfungen

    Sie können Suchbegriffe mit und, oder und / oder nicht verknüpfen, z. B. Philo nicht logie.

    Klammern

    Verknüpfungen können Sie mit Klammern voneinander trennen, z. B. (Philo nicht logie) oder (Psycho und logie).

    Wortgruppen

    Zusammenhängende Worte werden als Wortgruppe gesucht, wenn Sie sie in Anführungsstriche setzen, z. B. „Bundesrepublik Deutschland“.

    Auswahlkriterien

    Die Erweiterte Suche können Sie auch nutzen, ohne Suchbegriffe einzugeben. Sie orientiert sich dann an den Kriterien, die Sie ausgewählt haben (z. B. nach dem Land oder dem Sachgebiet).

    Haben Sie in einer Kategorie kein Kriterium ausgewählt, wird die gesamte Kategorie durchsucht (z.B. alle Sachgebiete oder alle Länder).

    Cookies optimieren die Bereitstellung unserer Dienste. Durch das Weitersurfen auf idw-online.de erklären Sie sich mit der Verwendung von Cookies einverstanden. Datenschutzerklärung
    Okay