Klimawandel: Temperaturerhöhung trifft besonders Tierarten in den Tropen

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09.07.2014 09:41

Klimawandel: Temperaturerhöhung trifft besonders Tierarten in den Tropen

Sabine Wendler LOEWE Biodiversität und Klima Forschungszentrum (BiK-F)
Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseen

    Frankfurt, am Main, 9.7.2014. Die meisten in den gemäßigten Breiten beheimateten Säugetier- und Vogelarten werden in ihren Lebensräumen auch 2080 noch Temperaturen vorfinden, die innerhalb ihrer Toleranzbereiche liegen. Kritisch wird es aber Richtung Äquator: der Anteil der Tierarten, denen die höheren Temperaturen besonders zusetzen, nimmt gen Tropen zu, wie Forschende des LOEWE Biodiversität und Klima Forschungszentrums und der Goethe-Universität herausfanden. Jedoch dürften auch in den gemäßigten Breiten indirekte Effekte der klimawandelbedingten Temperaturerhöhung den Tieren zu schaffen machen. Die Studie erscheint heute in „Proceedings of the Royal Society B: Biological Sciences”.

    Arten reagieren auf veränderte Umweltbedingungen klassischerweise mit Aussterben, Anpassung oder Abwanderung. In einer der größten Studien dieser Art haben Forschende des LOEWE Biodiversität und Klima Forschungszentrums (BiK-F) und der Goethe-Universität nun gezeigt, dass es auch eine vierte realistische Möglichkeit gibt – Aushalten. Dazu wurden knapp 460 Vogel- und Säugetierarten daraufhin untersucht, welche Temperaturen sie tolerieren. Die Ergebnisse wurden mit Daten zu Verbreitungsgebieten und den dort vorherrschenden heutigen Temperaturen und mit verschiedenen Klimawandelszenarien kombiniert. Die Auswahl stellt einen repräsentativen Ausschnitt der physiologischen Vielfalt der Vogel- und Säugetierarten aus aller Welt dar.

    Lässt der Klimawandel die Arten der gemäßigten Breiten kalt?
    Global betrachtet werden mehr als 54 % der untersuchten Vogel- und 62% der untersuchten Säugetierarten in über der Hälfte ihres derzeitigen Verbreitungsgebietes zeitweise kritisch hohen Temperaturen ausgesetzt sein. „Es gibt jedoch erhebliche regionale Unterschiede. In den gemäßigten Breiten wird ein Großteil der untersuchten Säugetier- und Vogelarten vermutlich auch im Jahr 2080 in signifikanten Teilen ihres jetzigen Verbreitungsgebiets Temperaturen vorfinden, mit denen sie leben können. Damit sind sie jedoch nicht aus dem Schneider, denn auch andere Faktoren, die mit dem Klimawandel einhergehen, setzen den Tieren zu. So können höhere Temperaturen z.B. zu einem reduzierten Nahrungsangebot führen und Krankheitserreger und Konkurrenten begünstigen“, so Dr. Christian Hof, Biodiversität und Klima Forschungszentrum (BiK-F).

    In den artenreichen Tropen wird es für Tierarten besonders eng
    Während die in den gemäßigten Breiten lebenden Arten Temperaturerhöhungen wohl weitgehend verkraften können, steigt zum Äquator hin der Anteil von Arten, auf die Temperaturen oberhalb ihrer Toleranzschwelle zukommen – und das, obwohl in Polargebieten und Regionen mit gemäßigtem Klima der erwartete Temperaturanstieg sogar höher ausfallen dürfte. „Vogel- und Säugetierarten, die in tropischen Regionen vorkommen, leben tendenziell bereits am oberen Limit ihres Temperaturtoleranzbereichs. Auch minimale Anstiege der Umgebungstemperatur machen ihnen daher zu schaffen“, so der Leitautor der Studie, Imran Khaliq, Doktorand am BiK-F. Zudem wird in vielen tropischen Regionen mit weniger Niederschlag gerechnet. Ausreichend Wasser ist aber für endotherme Arten, die ihre Körpertemperatur selbst regulieren (Säugetiere und Vögel), notwendig, um Überhitzung zu verhindern.

    Vögel passen sich physiologisch an Klimabedingungen an, Säugetiere durch Verhalten
    Präzise Vorhersagen sind für Säugetiere besonders schwer zu treffen, da der gemessene Zusammenhang zwischen tolerierten Temperaturen und Verbrei-tungsgebieten bei ihnen geringer ist als bei den Vögeln. Dabei dürfte eine Rolle spielen, dass beide Tiergruppen Extremtemperaturen mit unterschiedlichen Strategien begegnen. Während Vögel sich an hohe Temperaturen eher physiologisch anpassen, kompensieren Säugetiere klimatische Extreme durch Verhalten: Sie bauen beispielsweise Höhlen oder Gänge, in denen besondere Mikroklimate herrschen.

    Publikation:
    Khaliq, I., Hof, Ch. et al. Global variation in thermal tolerances and vulnerability of endotherms to climate change – Proceedings of the Royal Society B: Biological Sciences. DOI: 10.1098/rspb.2014.1097

    Für weitere Informationen kontaktieren Sie bitte:

    Dr. Christian Hof
    LOEWE Biodiversität und Klima Forschungszentrum (BiK-F)
    Tel. + 49 (0)69 7542 1804
    christian.hof@senckenberg.de

    oder
    Sabine Wendler
    LOEWE Biodiversität und Klima Forschungszentrum (BiK-F),
    Pressereferentin
    Tel. +49 (0)69 7542 1838
    Sabine.wendler@senckenberg.de

    __________________________________________________________
    LOEWE Biodiversität und Klima Forschungszentrum, Frankfurt am Main
    Mit dem Ziel, anhand eines breit angelegten Methodenspektrums die komplexen Wech-selwirkungen von Biodiversität und Klima zu entschlüsseln, wird das Biodiversität und Klima Forschungszentrum (BiK‐F) seit 2008 im Rahmen der hessischen Landes‐Offensive zur Entwicklung Wissenschaftlich-ökonomischer Exzellenz (LOEWE) gefördert. Die Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung und die Goethe Universität Frankfurt sowie weitere direkt eingebundene Partner kooperieren eng mit regionalen, nationalen und internationalen Akteuren aus Wissenschaft, Ressourcen‐ und Umweltmanagement, um Projektionen für die Zukunft zu entwickeln und wissenschaftlich gesicherte Empfehlungen für ein nachhaltiges Handeln zu geben. Mehr unter www.bik‐f.de


    Anhang
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    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten
    Biologie, Meer / Klima, Tier / Land / Forst, Umwelt / Ökologie
    überregional
    Forschungsergebnisse, Wissenschaftliche Publikationen
    Deutsch


    LOEWE Biodiversität und Klima Forschungszentrum (BiK-F)


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    Das Nördliche Spitzhörnchen (Tupaia belangeri), eine Säugetierart des tropischen Südostasien, besitzt mit 7.5°C eine nur geringe Temperaturtoleranzbreite.


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