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20.08.2014 11:30

Sascha Dickel erhält den Philosophischen Buchpreis 2014

Anna Maria Hauk M.A. Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Forschungsinstitut für Philosophie Hannover

    Das Buch „Enhancement-Utopien. Soziologische Analysen zur Konstruktion des Neuen Menschen“ (Nomos-Verlag, Baden-Baden 2011) des Soziologen Sascha Dickel (Technische Universität München) wird mit dem Philosophischen Buchpreis 2014 ausgezeichnet.

    Das Thema des diesjährigen Buchpreises lautet „Selbstoptimierung“. Buchverlage mit einem philosophischen Programm haben Bücher für die Nominierung vorgeschlagen.

    Das Buch „Enhancement-Utopien“ befasst sich in inhaltlich einschlägiger und argumentativ überzeugender Weise mit dem Thema der Selbstoptimierung. Sascha Dickel bietet eine exzellente Analyse von Enhancement-Utopien. Anhand informativer Fallrekonstruktionen liefert er interessante und informative Einblicke in verschiedene Entwürfe der Selbstoptimierung des Menschen, die Leserinnnen und Leser zum Mitdenken anregen. Dabei fragt er, wie es den Enhancement-Befürwortern gelingt, gegen die postmoderne Diagnose vom Ende der Utopien eine Transformation des Utopischen zu bewirken und unverhohlen utopisch zu kommunizieren. Dickel weist nach, dass es sich bei den Enhancement-Utopien um einen neuen Typus von Utopien handelt. An die Stelle der Steuerung der Gesellschaft tritt die Steuerung der Natur. Es geht diesen Utopisten nicht um den Entwurf einer neuen Gesellschaft, sondern um einen neuen Menschen. Dickel veranschaulicht, wie eine Gesellschaft aussehen muss, in der solche Utopien anschlussfähig sein können. Das außergewöhnliche Buch, das mit ausgeprägtem Problembewusstsein und hoher Selbstreflexivität verfasst wurde, unterstreicht die Notwendigkeit, im Kontext philosophischer Auseinandersetzungen mit Selbstoptimierungsutopien gesellschaftstheoretische Reflexionen mitzuberücksichtigen.

    Das Forschungsinstitut für Philosophie Hannover (FIPH) vergibt den „Philosophischen Buchpreis“ alle zwei Jahre für die beste Neuerscheinung der letzten drei Jahre zu einem aktuellen Themenbereich der praktischen Philosophie. Mit dem Buchpreis möchte das FIPH die Aufmerksamkeit auf drängende philosophische Gegenwartsfragen lenken und die Bemühungen zu ihrer Beantwortung fördern.

    Mitglieder der Jury: Prof. Dr. Ulrich Hemel (Universität Regensburg), Prof. Dr. Armin Nassehi (Ludwig-Maximilians-Universität München), Prof. Dr. Birgit Recki (Universität Hamburg), Prof. Dr. Thomas Schmidt (Universität Frankfurt), Generalvikar Dr. Werner Schreer (Diözese Hildesheim), Prof. Dr. Christian Starck (Universität Göttingen), Prof. Dr. Saskia Wendel (Universität Köln).

    Der Preis, der mit 3000 € dotiert ist, wird am Freitag, den 19. September 2014, um 19.00 Uhr in der Dombibliothek in Hildesheim durch den Vorstandsvorsitzenden der Stiftung „Forschungsinstitut für Philosophie Hannover“, Prof. Dr. Ulrich Hemel, in einer öffentlichen Feier überreicht. Die Laudatio wird der Soziologe Prof. Dr. Armin Nassehi (Ludwig-Maximilians-Universität München) halten.

    Frühere Preisträger:
    2010 Prof. Dr. Andreas Lienkamp (Universität Osnabrück): „Klimawandel und Gerechtigkeit. Eine Ethik der Nachhaltigkeit in christlicher Perspektive“ (Paderborn: Schöningh 2009)
    2012 Prof. Dr. Avishai Margalit (Hebrew University/ Princeton University): „Über Kompromisse und faule Kompromisse“ (Berlin: Suhrkamp 2011)

    Ausschreibungstext des diesjährigen Buchpreises:

    Selbstoptimierung

    Optimierung – einst ein Begriff, um Systeme effizienter zu machen – ist heute zum Programm- und Leitwort für viele Menschen avanciert. Längst lässt sich dieser Kreis nicht mehr nur auf Sportler beschränken, die durch immer ausgefeiltere Trainingsmethoden und Doping an permanenten Leistungssteigerungen arbeiten. Da gibt es den Selbstoptimierer, der seinen Tag perfektioniert, das Maximum herauszuholen versucht und gleichzeitig – unterstützt von zahlreichen Apps – Körper und Geist trainiert. Was aber passiert mit dem Selbstoptimierer, wenn er zum Vermesser seines Selbst wird? Bedeutet Selbstoptimierung notwendig das Überschreiten jeglicher Begrenzungen – zunächst durch biomedizinische Eingriffe, dann durch Nanotechnologie, später durch Lebensverlängerungs- und Unsterblichkeitstechniken? Wie ist das Verhältnis zwischen Selbstoptimierungsphilosophien und Trans- bzw. Posthumanismen zu bestimmen? Welche Technologien des Selbst dienen einer Selbstoptimierung, die sich diesen Überschreitungen des Selbst bewusst widersetzt? Wie kann ein Verständnis von Selbstoptimierung entlang traditioneller Strömungen, wie etwa Selbstverwirklichung, Selbstentfaltung, entwickelt werden? Wie verhält sich Selbstoptimierung zur Ökonomisierung der Selbstoptimierung? Wird letztlich der Selbstwert einer Person nicht durch den ökonomischen Mehrwert von Selbstoptimierung verdunkelt?
    Nicht bloße Darstellungen philosophischer, kultur- und sozialwissenschaftlicher Forschungen stehen im Zentrum der Preisfrage, sondern ein informiertes Bedenken und Weiterdenken in praktisch-philosophischer Absicht.

    Weitere Informationen:
    Prof. Dr. Jürgen Manemann
    Forschungsinstitut für Philosophie Hannover
    Gerberstr. 26
    30169 Hannover
    Tel. 0511-1640910
    E-Mail: hauk@fiph.de


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, Wissenschaftler
    Gesellschaft, Philosophie / Ethik
    überregional
    Wettbewerbe / Auszeichnungen
    Deutsch


    Sascha Dickel


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