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23.09.2014 12:59

Uniklinikum Würzburg gewinnt Experten für Zahntraumata

Susanne Just Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Universitätsklinikum Würzburg

    Seit Anfang September dieses Jahres leitet Prof. Gabriel Krastl die Poliklinik für Zahnerhaltung und Parodontologie des Uniklinikums Würzburg. Der Nachfolger von Prof. Bernd Klaiber ist unter anderem ein international anerkannter Spezialist für die Behandlung von Zahnunfällen.

    Die Beliebtheit von Kontakt- und Risikosportarten in Deutschland ist hoch. Ebenso hoch ist aber auch die Gefahr, sich bei Handball, Basketball, Eishockey & Co. Verletzungen an den Zähnen zuzuziehen. „Die Wahrscheinlichkeit, im Lauf des Lebens einen Zahnunfall zu erleiden, ist heutzutage größer, als davon verschont zu bleiben. Umso wichtiger ist es, abgebrochene, verschobene oder ausgeschlagene Zähne bestmöglich zu behandeln“, unterstreicht der Zahntrauma-Experte Prof. Gabriel Krastl. Zum 1. September 2014 trat er die Nachfolge von Prof. Bernd Klaiber, des pensionierten Direktors der Poliklinik für Zahnerhaltung und Parodontologie am Uniklinikum Würzburg, an.
    Vor seinem Ruf nach Würzburg war er zuletzt als Oberarzt der Klinik für Parodontologie, Endodontologie und Kariologie an der Universitätszahnklinik in Basel/Schweiz tätig. International bekannt ist er insbesondere für seine hochästhetischen minimalinvasiven Restaurationen.

    Erfahrungsschatz aus dem Zahnunfallzentrum Basel

    Im Jahr 2006 gründete er das interdisziplinäre Zahnunfallzentrum Basel, das er bis zu seinem Wechsel nach Unterfranken zusammen mit dem Oralchirurgen Prof. Andreas Filippi leitete. Speziell bei der Versorgung von Zahnunfall-Spätfolgen hat das Zentrum einen großen Einzugsbereich: Patienten aus dem gesamten deutschsprachigen Raum kommen zur Behandlung in die eidgenössische Grenzstadt. Für seine Verdienste um die dentale Traumatologie ehrte die Baseler Universitätszahnklinik Prof. Krastl im Sommer dieses Jahres mit der Ehrenmitgliedschaft des Zahnunfallzentrums.
    Der 43-Jährige plant, auch an seinem neuen Arbeitsort eine vergleichbare Einrichtung aufzubauen. „Ein Zahnunfallzentrum wird das Leistungsspektrum der Würzburger Universitätszahnklinik sehr gut abrunden“, ist sich Prof. Krastl sicher. „Derartige überregionale Kompetenzzentren für Zahntraumatologie werden nicht nur von der Bevölkerung sehr geschätzt werden auch die Zahnärzteschaft wird sie häufig für Nachfragen und Überweisungen nutzen.“

    Innovative Lehrkonzepte

    Mit dem neuen Traumotologie-Schwerpunkt verbunden ist eine deutliche Ausweitung des Lehrangebots zu diesem Thema. Generell hat eine qualitätvolle Lehre für den Neu-Würzburger einen sehr hohen Stellenwert. Schon unmittelbar nach Abschluss seines Zahnheilkundestudiums im Jahr 1998 in Tübingen engagierte sich Krastl stark in der klinischen Ausbildung der Studierenden. Sein Bestreben, das Lehrangebot durch die Integration von multimedialen Elementen zu verbessern, honorierte die Tübinger Fachschaft Zahnmedizin im Jahr 2003 mit einer Nominierung für den Landeslehrpreis Baden-Württemberg für „besonders gute und innovative Leistungen in der Lehre“.
    Nach seinem Wechsel von Tübingen nach Basel in 2005 setzte sich dieses Engagement fort. So führte er zusammen mit seinen Kollegen im Jahr 2006 im Phantomkurs den „Virtuellen Basler Patienten“ ein. Statt wie in dieser klinischen Ausbildungsphase vielerorts üblich weitgehend „zusammenhangslos“ diverse Behandlungsverfahren an einzelnen Zahnmodellen zu erlernen, wird den Studierenden hier zu Semesterbeginn ein virtueller Patient mit fiktiver Krankengeschichte sowie Foto- und Röntgenstatus präsentiert. Neben den handwerklichen Fähigkeiten von der Parodontalbehandlung über die Füllungstherapie bis zu Wurzelbehandlung und der Herstellung laborgefertigter Keramikrestaurationen lernen die angehenden Zahnmediziner auf dieser Basis schon früh einen ganzheitlichen Blick auf den Patienten. Dazu gehört zum Beispiel das Erstellen eines patientenspezifischen Therapieplans.
    Die Erfahrungen mit dem neuen Lehrkonzept in Basel waren so positiv, dass Prof. Krastl in den Jahren 2008 und 2009 die studentische Auszeichnung „Assistent of the Year“ verliehen wurde. Im Jahr 2014 folgte der Titel „Teacher of the Year“.

    Dauerhafte Restaurationslösungen im Forschungsfokus

    Gleichberichtigt mit der Arbeit am Patienten und der Lehre pflegt Prof. Krastl auch das dritte zentrale universitäre Aufgabenfeld, die Forschung. Sein Schwerpunkt hierbei ist die Restauration tief zerstörter Zähne. „Die gewählte Wiederstellungstechnik hat einen entscheidenden Einfluss auf die langfristige Prognose des betroffenen Zahns oder Kieferareals“, betont Prof. Krastl und fährt fort: „Konventionelle, invasive Methoden bringen gerade auf lange Sicht und speziell bei jungen Menschen im Wachstum häufig suboptimale Ergebnisse.“ Stattdessen sollten nach seiner Auffassung wo nur irgend möglich zahnsubstanzschonende Verfahren eingesetzt und weiterentwickelt werden. „Ein extrem spannender Forschungsansatz hierbei ist beispielsweise die sogenannte Revitalisation“, berichtet Prof. Krastl. Die Idee dahinter ist, nervtote Zähne im Sinn eines Tissue Engeneerings zu revitalisieren. Dabei wird zunächst der Nervkanal unter dem Operationsmikroskop gründlich gereinigt und anschließend eine spezielle Antibiotikamischung für zwei Wochen in den Wurzelkanal eingebracht, um vollständige Keimfreiheit zu erzeugen. In einer folgenden Behandlungssitzung versucht der Spezialist, über eine Blutung Stammzellen aus dem Bereich der Wurzelspitze in den Nervhohlraum einzuschwemmen. Ist die Therapie erfolgreich, differenzieren sich diese Stammzellen zu Zellen, die Zahnhartsubstanz bilden, und ein neues Gewebe entsteht. Der zuvor abgestorbene Zahn ist somit wieder vital und kann sein Wurzelwachstum fortsetzen. „Diese neue Therapie scheint bislang in etwa einem Drittel der Fälle erfolgreich zu sein. Die aktuellen Forschungsergebnisse wecken Hoffnungen, dass in näherer Zukunft die herkömmliche Wurzelkanalbehandlung noch nicht ausgewachsener Zähne durch eine wesentlich biologischere Vorgehensweise ersetzt werden könnte“, schildert Prof. Krastl.
    Insgesamt freut sich der neue Direktor, in Würzburg eine sehr gut geführte Klinik übernehmen zu können. Prof. Krastl: „Mit seinem mit Fokus auf Ästhetik und minimalinvasive Zahnheilkunde sowie seiner stark klinischen Ausrichtung passt dieser Lehrstuhl wie kein zweiter in Deutschland zu meiner persönlichen Ausrichtung.“


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, jedermann
    Ernährung / Gesundheit / Pflege, Medizin
    überregional
    Personalia
    Deutsch


    Prof. Gabriel Krastl ist der neue Direktor der Poliklinik für Zahnerhaltung und Parodontologie des Uniklinikums Würzburg.


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