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23.09.2014 14:05

Extreme Wetterereignisse und ihre Auswirkungen auf Schaderreger

Dr. Gerlinde Nachtigall Pressestelle
Julius Kühn-Institut

    Verbundforschungsvorhaben „Agrarrelevante Extremwetterlagen“ - Vorstellung der Ergebnisse und Ausblick auf der 59. Deutschen Pflanzenschutztagung, im Fokus Wein, Obst, Hopfen und Gemüse

    (Freiburg i.Br.) Der Weltklimarat IPPC geht in einem Statement aus dem Jahr 2012 davon aus, dass infolge des Klimawandels extreme Wetterereignisse wie Dürre, Hitze oder Starkregen wahrscheinlich häufiger und intensiver vorkommen, auch wenn belastbare Daten noch fehlen. Welche Auswirkungen auf die Erträge wichtiger Kulturpflanzen sind zu erwarten? Ein starker Hagelschauer oder ein Spätfrost zum falschen Zeitpunkt kann einen Großteil der Ernte vernichten. Noch unklarer ist, wie sich solche Extreme auf Schädlinge, Krankheiten und Unkräuter auswirken. Eine umfassende Literaturrecherche des Julius Kühn-Instituts (JKI) untersuchte die seit 1945 erschienene Fachliteratur zu Extremwetterereignissen und ihre Auswirkungen auf Schaderreger. In mehr als einer Million Abfragen bei wichtigen landwirtschaftlichen Kulturen fand man lediglich 66 verwertbare Quellen. 664.000 Abfragen für die Sonderkulturen Apfel, Spargel, Wein und Hopfen erbrachten ebenfalls nur 13 verwendbare Fundstellen. „Das zeigt die enormen Wissenslücken auf“, so Petra Seidel vom Julius Kühn-Institut (JKI) bei ihrer Präsentation auf der 59. Deutschen Pflanzenschutztagung 2014 in Freiburg.

    Wissenschaftler des Dienstleistungszentrums Ländlicher Raum (DLR) Rheinpfalz in Neustadt/W. und des JKI in Kleinmachnow präsentieren auf der Tagung die von ihnen untersuchten potenziellen Risiken von Extremwetterlagen für Wein, Obst, Hopfen und Freilandgemüse. Mit Hilfe umfangreicher Befragungen unter Beratern und Praktikern verschafften sie sich zunächst einen Überblick zur Relevanz in den genannten Kulturen und versuchten entsprechende Schwellenwerte zu definieren. Die bisherigen Analysen ergaben, dass im Bereich der Sonderkulturen besonders hohe Risiken von Hagel, Spätfrost und Trockenheit ausgehen. Die gewonnenen Erkenntnisse werden mit vorhandenem Wissen abgeglichen. Beispielhafte Datenanalysen sollen helfen mögliche Auswirkungen zu quantifizieren. In Zusammenarbeit mit dem Deutschen Wetterdienst (DWD) geht es nun darum, das bisherige und zukünftige Auftreten solcher Extremwetterlagen abzuschätzen und daraus jahreszeitliche und regionale Wahrscheinlichkeiten für das Überschreiten der Schadschwellen abzuleiten.

    In der danach geplanten letzten Etappe gilt es, in Zusammenarbeit mit dem Thünen-Institut und anderen Verbundpartnern beispielhaft Anpassungsstrategien, wie die
    Anschaffung von Hagelnetzen oder einer Frostberegnung, zu entwerfen und zu bewerten.

    Hintergrundinformation:
    Das IPCC identifiziert im Jahr 2012 Hitze, Dürre, Trockenheit, Starkregen, Dauerregen, Überflutungen, Sturm, Kahl-, Früh-, Spätfrost, Hagel, Nassschnee als Extremwetterlagen. Für diese führte das JKI Anfang 2013 Literaturrecherchen mit Hilfe der Recherchesysteme „Web of Science“ und „Scopus“ für den Zeitraum 1945 bis zur Gegenwart durch. Seither werden sie monatlich wiederholt um aktuelle Einträge zu erfassen. Insgesamt wurden bisher (Stand August 2014) für wichtige Ackerbaukulturen einschließlich Ackerfutter und Grünland 1,3 Millionen Einzelabfragen (jeweilige Kombination: Kultur + Schaderregerbegriff + Extremum) durchgeführt. Für Sonderkulturen waren es ca. 664.000 Abfragen.

    Das Verbundforschungsvorhaben „Agrarrelevante Extremwetterlagen“ untersucht, ob und vor allem mit welchen Auswirkungen im Zuge des Klimawandels in Deutschland mit einer Verstärkung dieser Problematik oder dem Auftreten neuer Extremsituationen zu rechnen ist. Für den Bereich Sonderkulturen wurden hier - auf Basis des Anbauumfanges in Deutschland - Spargel, Speisezwiebel, Möhre sowie Weiß- und Rotkohl als Leitkulturen ausgewählt. Im Obstanbau fokussiert sich die Studie auf den Apfelanbau. Das Verbundforschungsvorhaben wird vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) finanziell unterstützt. Im Teilprojekt „Extremwetterlagen Sonderkulturen“ forschen das DLR und das JKI (BLE-Förderkennzeichen: 2813HS002)

    Kurzfassung der Vorträge zum Thema im Tagungsband zur 59. Deutschen Pflanzenschutztagung erschienen im Julius-Kühn-Archiv, Band 447, 2014 http://pub.jki.bund.de/index.php/JKA/

    S. 74, Vortrag 01-1: Interaktionen zwischen klimawandelbedingten Extremwetterereignissen und Schaderregern – ein nahezu unbekanntes Forschungsgebiet?

    S. 301, Vortrag 36-5: Hitze, Dürre, Sturm und Dauerregen – Extremwetterereignisse und deren Relevanz im Sonderkulturanbau
    Julius-Kühn-Archiv, Band 447:


    Weitere Informationen:

    http://pub.jki.bund.de/index.php/JKA/ - Ergebnisse zum Nachlesen im Tagungsband


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, Wissenschaftler
    Biologie, Tier- / Agrar- / Forstwissenschaften, Umwelt / Ökologie
    überregional
    Forschungsprojekte, Wissenschaftliche Tagungen
    Deutsch


    Deutsche Pflanzenschutztagung 2014


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