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10.04.2003 14:43

Zeit sparen, um mehr Zeit für die Patienten zu haben

Dr. Annette Tuffs Unternehmenskommunikation
Universitätsklinikum Heidelberg

    Professionelles Management und berufliche Qualifikation als Strategien gegen Zeitnot im Krankenhaus / Krebskranke haben besonderes Zeitbedürfnis

    Neue Therapien, mehr Patienten, weniger Finanzmittel und Pflegepersonal: Die medizinische Behandlung von Patienten, die an einer Krebserkrankung leiden, wird immer komplexer und zeitaufwendiger. Gleichzeitig setzen Finanznot und Personalknappheit Pflegepersonal und Ärzte unter Zeitdruck. Dem steht das Bedürfnis der Patienten gegenüber, umfassend betreut und informiert zu werden, ohne in die Hektik des Klinikalltags hineingezogen zu werden.

    Der Kostendruck im Gesundheitswesen verschont die krebskranken Patienten nicht. Acht Minuten würden die Krankenkassen heute für das aufklärende Gespräch zwischen Arzt und Patient bezahlen, sagte Prof. Dr. Michael Wannenmacher, Leiter des Tumorzentrums Heidelberg/Mannheim heute bei einer Pressekonferenz in Heidelberg zum Thema "Krebs und Krebskrankenpflege". Er wies darauf hin, dass die Palliativmedizin, die Behandlung von Patienten mit Krebserkrankungen im Endstadium, in anderen Ländern von der Finanzierung durch Fallpauschalen ausgenommen sei. Dies sei in Deutschland, wo die Einführung bevorsteht, nicht vorgesehen und lasse Versorgungsmängel befürchten.

    Die Kliniken sind indes bemüht, ihre Organisation zu optimieren. "Professionelles Zeitmanagement, eine hohe Qualifizierung des Personals sowie reibungslose Behandlungswege sind Strategien für einen erfolgreichen Umgang mit dem Zeitdruck", erklärte der Pflegedirektor des Universitätsklinikums Heidelberg, Edgar Reisch. Je weniger Zeit zur Verfügung stände, desto wichtiger seien eine gute Aus- und Weiterbildung der Mitarbeiter sowie deren Motivation. Dem Pflegepersonal würde in Zukunft verstärkt die Aufgabe zufallen, Abläufe auf Station und in den Ambulanzen in Abstimmung mit den Ärzten zu organisieren.

    Zentrales Patientenmanagement verringert Wartezeiten

    Beispielhaft verwirklicht ist dies bereits im Zentralen Patientenmanagement (ZPM) in der Chirurgischen Universitätsklinik Heidelberg. Durch das gemeinsame, straffe Management einer verantwortlichen Krankenschwester und eines erfahrenen Chirurgen ist es gelungen, den Klinikaufenthalt und die Wartezeiten im Krankenhaus zu reduzieren, wie Silke Auer, Pflegeleitung des ZPM, berichtete. "Diagnostische Untersuchungen werden möglichst vor der Aufnahme in die Klinik gemacht. Sämtliche Kapazitäten, Betten, OP-Zeiten und Personal werden zentral erfasst und gesteuert." Der Rücklauf von mehr als 3.000 Patientenfragebögen zeigte, dass mehr als 80 Prozent der Patienten mit dem Klinkaufenthalt zufrieden waren.

    Gerade in der Onkologie können aller Effektivität Grenzen gesetzt sein: "Krebskranke Patienten leiden oft an Müdigkeit, Übelkeit, Schmerzen und einem gravierenden Gewichtsverlust. Wie stark diese Beschwerden sind und in welchem Umfang sie den Patienten belasten, lässt sich oft nicht vorhersagen", erklärte Burkhard Lebert, Leiter der onkologischen Fachweiterbildung am Universitätsklinikum Heidelberg. Seit 1991 bietet das Heidelberger Klinikum als staatlich anerkannte Weiterbildungsstätte regelmäßig Symposien und Weiterbildungskurse für Pflegepersonal in der Onkologie an. Die in der kommenden Woche stattfindende Tagung befasst sich mit den Zeitproblemen bei Krebspatienten und Pflegepersonal; 400 Teilnehmer werden erwartet.

    Zeitgewinn durch Lebensverlängerung nicht um jeden Preis

    "Zeit ist ein zentraler Faktor bei der psychosozialen Betreuung schwerkranker Menschen, möglicherweise wichtiger als manche spezielle psychotherapeutische Methode", sagte Dr. Monika Keller, Leiterin der Psychosozialen Nachsorge der Chirurgischen Universitätsklinik Heidelberg. Gerade den Patienten mit einer ungünstigen Prognose würden Ärzte und Pflegepersonal immer weniger Zeit widmen. Frau Dr. Keller plädierte dafür, dass sie in einem Kommunikationstraining lernen, die Bedürfnisse ihrer Patienten einzuschätzen und auf sie einzugehen. Sie wies darauf hin, dass auf politischer Ebene klar gemacht werden müsse, dass die Zeit, die kranken Menschen, die am Ende ihres Lebens stünden, nicht beliebig verringert werden könne. Dies gebiete der Respekt vor der Würde des einzelnen Menschen.

    Auch die medizinische Betreuung muss sich an den Bedürfnissen des Patienten orientieren. Wenn Heilung nicht mehr möglich ist, dann ist ihr Ziel die Schmerzlinderung und eine möglichst hohe Lebensqualität. "Gemeinsam mit dem Patienten muss abgewogen werden, welcher Eingriff vorgenommen werden sollte", sagte Prof. Dr. Thomas Lehnert, Chirurgische Universitätsklinik Heidelberg. Eine Lebensverlängerung, also ein "Zeitgewinn" um den Preis einer schlechten Lebensqualität, sei nur selten im Interesse des Patienten.


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    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Ernährung / Gesundheit / Pflege, Gesellschaft, Medizin
    überregional
    Buntes aus der Wissenschaft, Forschungsprojekte
    Deutsch


     

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