idw – Informationsdienst Wissenschaft

Nachrichten, Termine, Experten

Grafik: idw-Logo
Thema Corona

Science Video Project
idw-Abo

idw-News App:

AppStore

Google Play Store



Magazin
Teilen: 
30.12.2014 09:01

Keltische Männer assen mehr Fleisch als ihre Frauen

lic. phil. Nathalie Matter Corporate Communication
Universität Bern

    Berner Anthropologinnen untersuchten ein über 2000 Jahre altes keltisches Gräberfeld im Kanton Bern. Gemäss ihren Erkenntnissen nahmen Männer, gerade in sozial hohen Stellungen, öfters tierische Nahrung zu sich als Frauen.

    Forschende der Universität Bern haben neue Erkenntnisse über das Ernährungsverhalten der Kelten gewonnen. In einer Studie der Abteilung für Anthropologie am Institut für Rechtsmedizin untersuchten die Wissenschaftlerinnen Skelette aus dem 5. bis 3. Jahrhundert vor Christus. Die Ergebnisse zeigen deutliche Unterschiede in der Ernährung von Männern und Frauen: «Erwachsene Männer nahmen einen erhöhten Anteil an tierischen Proteinen zu sich», erklärt Doktorandin Negahnaz Moghaddam.

    Manchen Männern wurden Waffen mit ins Grab gelegt. Die Forschenden vermuten deshalb, dass es sich dabei um Krieger handelte. Diese Skelette wiesen besonders hohe Werte an tierischen Proteinen auf. Auch bei alten Menschen waren die Werte leicht erhöht. Grundsätzlich war die Basis der Ernährung allerdings für die gesamte Bevölkerung pflanzlich, Fisch wurde anscheinend nicht konsumiert.

    Die Skelette stammen aus dem keltischen Gräberfeld von Münsingen-Rain im Kanton Bern. Sie wurden bereits 1906 ausgegraben und befinden sich heute im Historischen Museum in Bern. Insgesamt fand man 220 reich ausgestattete Gräber. «Ziel des Projektes war es, Informationen über Ernährung, Migrationsverhalten und soziale Stellung der Menschen damals zu erhalten», sagt Sandra Lösch, Leiterin der Abteilung Anthropologie. Sie und ihr Team untersuchten die Skelette des Gräberfelds. Mittels Massenspektrometer konnten die Forschenden die Isotopenverhältnisse von Kohlenstoff, Stickstoff und Schwefel in den Knochen bestimmen. Laut Lösch waren auch Knochen von Kindern darunter, jedoch zu wenige, um über deren Ernährungsgewohnheiten statistisch signifikante Aussagen zu treffen.

    Die Kelten kamen bis Rom

    Das 4. und 3. Jahrhundert vor Christus sind durch Migrationen keltischer Gruppen aus dem Gebiet nördlich der Alpen gekennzeichnet. In dieser Zeit drangen keltische Kriegerverbände bis nach Rom vor, plünderten und verwüsteten die Stadt. Die in Münsingen bestatteten Männer könnten Teil einer Kriegerelite gewesen sein, wie Sandra Lösch sagt: «Die Produktion tierischer Nahrungsmittel verschlingt mehr Ressourcen als jene pflanzlicher Nahrung. Fleisch wurde deshalb vor allem von Individuen in höheren sozialen Stellungen konsumiert.» Die biochemische Analyse lasse somit den Schluss zu, dass die mit Waffen bestatteten Männer eine hohe Position innehatten.

    Klimawandel veränderte Nahrungszusammensetzung

    Den Erkenntnissen der Forschenden nach war die Münsinger-Gruppe eine relativ homogene Gemeinschaft, es gab nur wenige Zuzügler. Die Daten weisen auch auf eine Veränderung der Nahrungszusammensetzung in den späteren Phasen des Gräberfeldes hin. Klimatische Schwankungen könnten damals die Vegetation beeinflusst haben, was sich in der Ernährung der Bevölkerung bemerkbar machte. Als nächstes möchten die Wissenschaftler andere keltische Gräberfelder aus der Schweiz untersuchen. Unter anderem wollen sie Vergleiche zwischen verschiedenen Bevölkerungsgruppen durchführen und nach regionalen Unterschieden und Gemeinsamkeiten suchen. Die Analysen werden vom Schweizerischen Nationalfonds (SNF) gefördert.


    Bilder

    Grabbeigaben eines alten Mannes, darunter Schwert und Speerspitze, aus der keltischen Grabstätte Rain, Münsingen.
    Grabbeigaben eines alten Mannes, darunter Schwert und Speerspitze, aus der keltischen Grabstätte Rai ...
    Sandrain/Wikimedia Commons
    None


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten
    Geschichte / Archäologie
    überregional
    Forschungsergebnisse, Wissenschaftliche Publikationen
    Deutsch


     

    Grabbeigaben eines alten Mannes, darunter Schwert und Speerspitze, aus der keltischen Grabstätte Rain, Münsingen.


    Zum Download

    x

    Hilfe

    Die Suche / Erweiterte Suche im idw-Archiv
    Verknüpfungen

    Sie können Suchbegriffe mit und, oder und / oder nicht verknüpfen, z. B. Philo nicht logie.

    Klammern

    Verknüpfungen können Sie mit Klammern voneinander trennen, z. B. (Philo nicht logie) oder (Psycho und logie).

    Wortgruppen

    Zusammenhängende Worte werden als Wortgruppe gesucht, wenn Sie sie in Anführungsstriche setzen, z. B. „Bundesrepublik Deutschland“.

    Auswahlkriterien

    Die Erweiterte Suche können Sie auch nutzen, ohne Suchbegriffe einzugeben. Sie orientiert sich dann an den Kriterien, die Sie ausgewählt haben (z. B. nach dem Land oder dem Sachgebiet).

    Haben Sie in einer Kategorie kein Kriterium ausgewählt, wird die gesamte Kategorie durchsucht (z.B. alle Sachgebiete oder alle Länder).