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15.04.2003 08:42

Strohfeuer oder Forschungsschub?

Petra Dhein Pressereferat
Alexander von Humboldt-Stiftung

    05. Pressemitteilung, 14. April 2003

    Wolfgang Paul- und Sofja Kovalevskaja-Preise
    Strohfeuer?
    Oder Vitaminstoß für die Wissenschaft?

    Zwischenauswertung der Humboldt-Stiftung über Erfolg der höchstdotierten Wissenschaftspreise Deutschlands

    Eine überwiegend positive Bilanz zieht die Alexander von Humboldt-Stiftung im Anschluss an das Arbeitstreffen der 43 Preisträger des Wolfgang Paul- und Sofja Kovalevskaja-Programms in Bonn/Siegburg. Begleitet von hohen Erwartungen sind die mit jeweils bis zu 2,3 Millionen Euro dotierten Preise vor rund 18 Monaten vergeben worden, um Wissenschaftler und Nachwuchswissenschaftler aus der internationalen Elite für einen dreijährigen Forschungsaufenthalt in Deutschland zu gewinnen.
    Die Auswertung der Arbeitsberichte aller Preisträger offenbart auch Kritik. Sie macht aber deutlich, dass der erhoffte Impuls für den Forschungsstandort Deutschland erfolgt ist. Gefordert wird vor allem, das Programm fortzusetzen und jährlich zwei bis drei solcher Preise zu verleihen. Nur so könne das internationale Signal der Programme einen nachhaltigen Schub für die Wissenschaft hervorbringen.

    Ziel beider Programme ist es, neue Forschungsansätze zu etablieren und Forschungseinrichtungen fester in internationale Kooperationen zu vernetzen. Auch langfristig soll der Forschungsstandort davon profitieren, dass die Arbeitsgruppen der Preisträger den wissenschaftlichen Nachwuchs einbinden.

    Seit Beginn ihrer Forschung haben die Preisträger das Preisgeld überwiegend in Menschen, an zweiter Stelle in Geräte investiert. So gelang es etwa Kovalevskaja-Preisträger Joachim Schultze an der Universität zu Köln, weitere Drittmittel einzuwerben und für die Erforschung von Impfstoffen gegen Krebs die größte Arbeitsgruppe mit 16 Mitarbeitern und 18 medizinischen Doktoranden aufzubauen. Zusammen umfassen die Arbeitsgruppen 299 Wissenschaftler. Rund 40 Prozent der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter stammen aus Deutschland, rund zwei Drittel konnten aus dem Ausland gewonnen werden.

    Insbesondere die deutschen Kooperationspartner betonen die internationale Signalwirkung und den Image-Gewinn ihrer Forschungsinstitute. "Bei Berufungsverhandlungen mit Wissenschaftlern aus den USA erhöht der Preis die Attraktivität des Wissenschaftsstandortes Deutschland", so z. B. die Beobachtung von Kovalevskaja-Preisträger Michael Gotthardt, der am Berliner Max-Delbrück-Centrum am Proteingerüst von Herz- und Skelettmuskeln forscht.

    Von einigen Preisträgern wurde allerdings kritisiert, dass sie ihre Arbeitsgruppen auch deshalb international besetzen müssen, weil es schwer sei, adäquat qualifizierte Mitarbeiter in Deutschland zu finden. "In unserer Arbeitsgruppe sind wir dazu übergegangen, die Mehrzahl der Studenten zu Beginn für ein halbes Jahr zur Weiterbildung nach Moskau zu schicken", erklärte etwa Paul-Preisträger Alexei Khokhlov, der an der Universität Ulm an Flüssigkristallen und Makromolekülen forscht.

    Mit dem Stand der Forschung zeigten sich die Preisträger und ihre Kooperationspartner an deutschen Instituten zufrieden. Die Verschaltung von Nervenzellen für künftige Bio-Computer, Werkstoffe für Wasserstoffmotoren und intelligente Antennen mit stark reduzierter Handystrahlung sind nur einige Beispiele für die laufenden Arbeiten.

    Fünf neue Institute oder Firmen gründeten Preisträger in Köln, Leipzig München und Ulm. Bislang konnten sich elf Preisträger dauerhaft in Deutschland etablieren, sechs mit einer Professur und vier als wissenschaftliche Mitarbeiter mit Dauerstellen. Drei weitere Preisträger stehen in Berufungsverhandlungen, ein Preisträger warb eine Honorarprofessur ein. Elf Preisträger möchten gern in Deutschland bleiben und bemühen sich um eine Weiterfinanzierung aus anderen Mitteln.

    Kurzfassung der Auswertung:
    www.humboldt-foundation.de/presse/schwerpunkte

    Wolfgang Paul- und Sofja Kovalevskaja-Preis
    Bei dem Wolfgang Paul- und dem Sofja Kovalevskaja-Preis handelt es sich um die höchst dotierten Auszeichnungen in der Wissenschaftsgeschichte Deutschlands. Das Besondere: Beide Preise wurden bislang nur ein einziges Mal vergeben.

    Mit einer Dotierung von bis zu 2,3 Millionen Euro entspricht die Preissumme des Paul-Preises dem doppelten Finanzvolumen des Nobelpreises. Er wurde am 6. November 2001 an 14 Wissenschaftler verliehen. 29 herausragende Nachwuchswissenschaftler erhielten den Sofja Kovalevskaja-Preis mit einer Dotierung von bis zu 1,2 Millionen Euro pro Person. Bei der Preisverleihung am 31. Januar 2002 waren die jüngsten Preisträger gerade 27 Jahre alt.

    Die Programme werden mit rund 36 Millionen Euro durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung im Rahmen des Zukunftsinvestitionsprogramms der Bundesregierung (ZIP) finanziert. Die Mittel stammen aus Erlösen, die die Versteigerung der UMTS-Lizenzen einbrachte.

    50 Jahre Alexander von Humboldt-Stiftung
    Jährlich ermöglicht die Humboldt-Stiftung über 1.800 Forschern aus aller Welt einen wissenschaftlichen Aufenthalt in Deutschland. 1953 wurde die Stiftung in Bonn wiedererrichtet. Heute verbindet das Humboldt-Netzwerk weltweit 23.000 Humboldtianer aller Fachgebiete in 130 Ländern.

    Presse-Kontakt
    Florian Klebs
    Antonia Petra Dhein
    Humboldt-Stiftung
    Fon: +49 (0)228.833258
    presse@avh.de


    Weitere Informationen:

    http://www.humboldt-foundation.de/presse/schwerpunkte


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    fachunabhängig
    überregional
    Wissenschaftspolitik
    Deutsch


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