Kinder kosten vor allem Zeit: Finanzieller Stress fällt für Eltern subjektiv kaum ins Gewicht

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05.02.2015 10:32

Kinder kosten vor allem Zeit: Finanzieller Stress fällt für Eltern subjektiv kaum ins Gewicht

Mark Fallak Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Institut zur Zukunft der Arbeit

    Kinder machen viel Freude, doch sie sind für ihre Eltern auch eine erhebliche finanzielle Belastung. Staatliche Programme gleichen nur einen Teil dieser Kosten aus. Subjektiv empfinden die meisten Eltern den zusätzlichen finanziellen Druck jedoch als überraschend gering. Stressfaktor Nummer eins ist vielmehr die zeitliche Belastung, die mit der Kinderbetreuung verbunden ist. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Studie, die das Bonner Institut zur Zukunft der Arbeit (IZA) veröffentlicht hat.

    Die Studie wertet Befragungsdaten des deutschen Sozio-oekonomischen Panels (SOEP) und des australischen HILDA-Datensatzes für die Jahre 2001 bis 2012 aus. „Obwohl wir für Deutschland und Australien sehr unterschiedliche Daten heranziehen, sind die Ergebnisse in beiden Ländern erstaunlich deckungsgleich“, sagt IZA-Preisträger Daniel S. Hamermesh, der die Studie gemeinsam mit seinen australischen Kollegen Hielke Buddelmeyer und Mark Wooden verfasst hat.

    Demnach empfinden Eltern den zeitlichen Stress im Vergleich zur finanziellen Belastung als weit gravierender. Diese Wahrnehmung geben insbesondere Mütter zu Protokoll, denen in den ersten Lebensjahren des Kindes zumeist die Hauptlast der Betreuung und der Vereinbarung von Familie und Beruf zufällt. Aber auch die Mehrzahl der Väter sieht sich der Untersuchung zufolge stärker zeitlich als finanziell unter Druck.

    Dies kann als Teilerfolg verbreiteter finanzieller Förderprogramme für Familien interpretiert werden, verdeutlicht aber erst recht den hohen Stellenwert einer auf die Bedürfnisse der Familien zugeschnittenen außerhäuslichen Kinderbetreuung und flexibler Arbeitszeitmodelle, mit denen eine zeitliche Entlastung erreicht werden kann. Denn mit mehr Geld ist es nicht getan: Die Studie ermittelt einen extrem hohen Wert, den eine monetäre Unterstützung erreichen müsste, um den Zeitstress im subjektiven Empfinden auszugleichen.

    Neben der Familienpolitik sieht Hamermesh aber auch die Eltern selbst in der Pflicht: „Im internationalen Vergleich steht Deutschland bei der Familienförderung schon sehr gut da. Von einer ausgedehnten, bezahlten Auszeit vom Job können Eltern in anderen Teilen der Welt nur träumen. Allerdings mangelt es in vielen Familien nach wie vor an einer ausgewogenen Aufgabenverteilung bei der Kinderbetreuung.“

    Die Forscher untersuchen nicht allein Daten zu jungen Eltern, sondern ermitteln auch, dass Eltern, deren Kinder bereits volljährig sind und einen eigenen Haushalt gegründet haben, weiterhin eine zeitliche und finanzielle Mehrbelastung verspüren. Das empfundene Stressniveau geht zwar zurück, erreicht aber nicht den Wert vor der Geburt der Kinder, sondern bleibt im Vergleich zu kinderlosen Paaren deutlich höher – auch wenn das empfundene Familienglück und die damit einhergehende Lebenszufriedenheit das subjektive Stressempfinden in aller Regel wieder ausgleichen.

    Die englischsprachige Studie ist über die IZA-Homepage abrufbar:
    Hielke Buddelmeyer, Daniel S. Hamermesh, Mark Wooden: The Stress Cost of Children
    IZA Discussion Paper No. 8793 - http://ftp.iza.org/dp8793.pdf

    Pressekontakt:
    Mark Fallak
    fallak@iza.org
    (0228) 3894-223


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, Lehrer/Schüler, Studierende, Wirtschaftsvertreter, Wissenschaftler, jedermann
    Gesellschaft, Politik, Psychologie, Wirtschaft
    überregional
    Forschungsergebnisse, Wissenschaftliche Publikationen
    Deutsch


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