Die Personalausstattung einer Hochschule, d.h. die Zahl der Professuren und wissenschaftlichen Mitarbeiterstellen ist der zentrale Eckpfeiler für gute Lehr- und Forschungsleistungen. Sie beeinflusst die Zahl der Absolventen an Hochschulen, die Zahlen der Studierenden in der Regelstudienzeit und das Drittmittelaufkommen. Das ist das Ergebnis einer Studie des Forschungsinstituts für Bildungs- und Sozialökonomie zum Potenzial der leistungsorientierten Mittelzuweisungssysteme in den Bundesländern, die heute veröffentlicht wird.
Die Wirksamkeit und Gerechtigkeit der leistungsorientierten Mittelzuweisungssysteme (LOM) und die wesentlichen Faktoren für gute Lehr- und Forschungsleistungen hat das Berliner Forschungsinstitut für Bildungs- und Sozialökonomie (FiBS) in einer länderübergreifenden Analyse der Hochschulsteuerung unter die Lupe genommen. Die Ergebnisse der Studie, die vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert wurde, überraschen in ihrer Deutlichkeit: Die Leistungen, die Hochschulen in Lehre und Forschung erbringen, werden maßgeblich durch die Personalausstattung determiniert. Fachbereiche mit einer größeren Zahl von Professoren und Professorinnen sowie wissenschaftlichen Fachkräften haben sowohl mehr Absolventen, mehr Studierende in der Regelstudienzeit und mehr Doktoranden und Habilitanden. Den Professuren kommt dabei die größte Bedeutung zu. Nur bei der Beschaffung von Drittmitteln sind die Wissenschaftlerstellen wichtiger, während die Lehrstuhlinhaber sogar einen leicht negativen Einfluss auf diese Einkünfte haben – oder anders formuliert: Fachbereiche mit mehr Professoren haben nicht automatisch höhere Drittmitteleinnahmen.
Darüber hinaus zeigt sich auch, dass höhere Drittmitteleinnahmen zu negativen Effekten bei den Lehrindikatoren führen, also höhere Drittmitteleinnahmen zu geringeren Absolventenzahlen und zu weniger Studierenden in der Regelstudienzeit führen.
Die Analyse der unterschiedlichen Einflussfaktoren auf die Mittelzuweisungen vom Land an die Hochschulen macht deutliche Gegensätze sichtbar zwischen den Geistes- und Sozialwissenschaften, die günstige Voraussetzungen für gute Ergebnisse bei den Lehrindikatoren haben, und den Ingenieur- und Naturwissenschaften, die bei den Forschungsindikatoren punkten.
„Unsere Ergebnisse sprechen eine deutliche Sprache“, fasst Dr. Dieter Dohmen, der Direktor des Forschungsinstituts, die Studie zusammen. „Es kommt auf die Betreuungsrelationen an. Mehr Professuren und zusätzliche Wissenschaftlerstellen sind die zentrale Stellschraube für gute Lehr- und Forschungsleistungen. Somit dürfte die massive Verschlechterung der Betreuungsrelationen in den Ingenieur- und Naturwissenschaften maßgeblich für die hohen Abbrecherquoten in diesen Fächern verantwortlich sein. Es gibt in den Ingenieur- und Naturwissenschaften unter sonst gleichen Voraussetzungen wie bei anderen Disziplinen weniger Absolventen und Studierende in der Regelstudienzeit, dafür verfügen diese Fachbereiche meist über höhere Drittmitteleinnahmen,“ erläutert der Bildungsökonom.
Seiner Ansicht nach müssen und können die Länder sorgsam darauf achten, dass die leistungsorientierte Mittelzuweisung ausgewogen ist. „Sonst kann es zu Ungerechtigkeiten bei der Hochschulfinanzierung auf der Basis unterschiedlicher Lehr- und Forschungsindikatoren kommen, etwa wenn die von den Ingenieurwissenschaften eingeworbenen Drittmittel überproportional stark bewertet werden. Hochschulen mit großen geistes- oder sozialwissenschaftlichen Fachbereichen können dies unter Umständen trotz guter oder sogar sehr guter Lehrleistungen nicht kompensieren.“
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Originaltitel: „Anreize und Steuerung in Hochschulen – Welche Rolle spielt die leistungsbezogene Mittelzuweisung?“ in: Sabine Naumann (Hrsg.), Wege zu einer höheren Wirksamkeit des Qualitätsmanagements. Tagungsband der 14. Jahrestagung des Arbeitskreises Evaluation und Qualitätssicherung der Berliner und Brandenburger Hochschulen am 23./24. September 2013 an der Humboldt-Universität zu Berlin, Berlin.
Die Studie kann zudem als FiBS-Forum Nr. 54 von der Website des FiBS (www.fibs.eu) heruntergeladen werden.
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Merkmale dieser Pressemitteilung:
Journalisten, Studierende, Wirtschaftsvertreter, Wissenschaftler
fachunabhängig
überregional
Forschungsergebnisse, Wissenschaftspolitik
Deutsch

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