DGE: Schilddrüsenkrebs – Wenn Radiojod nicht mehr wirkt, helfen neue Medikamente

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10.03.2015 12:19

DGE: Schilddrüsenkrebs – Wenn Radiojod nicht mehr wirkt, helfen neue Medikamente

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    Ein differenzierter Schilddrüsenkrebs, bei dem die Tumorzellen dem normalen Schilddrüsengewebe noch ähneln, lässt sich meist durch Operation und Radiojod heilen. Manche Schilddrüsenkrebszellen nehmen das Radiojod jedoch nicht auf. Wenn der Krebs sich dann ausbreitet, können neue Wirkstoffe wie der Multikinase-Hemmer Lenvatinib die Erkrankung erneut kontrollieren. Wie diese neuen Medikamente die Aktivität von Signalmolekülen und dadurch das Wachstum von Tumorzellen bremsen, wann die Therapie indiziert ist und welche Nebenwirkungen auftreten können, erläutern Experten auf der Pressekonferenz der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie (DGE) am 18. März 2015 in Lübeck.

    In Deutschland diagnostizieren Ärzte pro Jahr bei etwa 7 200 Menschen Schilddrüsenkrebs. „Bei den meisten Patienten werden die Tumoren rechtzeitig bemerkt, sodass die Heilungschancen exzellent sind“, berichtet Professor Dr. Dr. med. Dagmar Führer, Direktorin der Klinik für Endokrinologie und Stoffwechselerkrankungen am Universitätsklinikum Essen. Todesfälle sind insgesamt selten. Im Jahr 2010 starben etwa 700 Menschen an Schilddrüsenkrebs.

    „Bei Patienten mit einem progressiven, also fortschreitenden Schilddrüsenkarzinom, das mit Radiojod nicht behandelt werden kann, waren die Behandlungsoptionen der Patienten bislang sehr begrenzt“, sagt Professor Führer. Klassische, traditionelle Chemotherapien, die bei anderen Krebsformen gute Ergebnisse erzielen, seien bei Schilddrüsenkrebs nahezu wirkungslos.
    Mit der Entwicklung von sogenannten Multikinase-Inhibitoren, die sowohl im Tumor als auch in der Tumorumgebung Wachstumssignale ausschalten, habe sich die Situation wesentlich geändert. Der Arzneistoff Sorafenib, 2006 zur Behandlung von Nierenkrebs eingeführt, hat kürzlich in einer klinischen Studie bei Patienten mit Schilddrüsenkrebs das sogenannte progressionsfreie Überleben, das heißt der Zeitraum, in dem eine definierte Tumorläsion nicht wächst, auf durchschnittlich 10,8 Monate verlängert, gegenüber 5,8 Monaten unter Placebo und ist seit Sommer 2014 auch zur Behandlung von Patienten mit radiojodrefraktärem Schilddrüsenkrebs zugelassen. Unter Lenvatinib, ebenfalls ein Multikinase-Inhibitor, nahm das sogenannte progressionsfreie Überleben sogar von 3,6 auf durchschnittlich 18,3 Monate zu. Zudem zeigten 65 Prozent der Patienten ein Ansprechen auf die Lenvatinib Therapie, in zwei Prozent der Fälle kam es zu einer vollständigen Rückbildung aller Tumorabsiedlungen. „Dies ist in der Krebstherapie ein beachtliches Ergebnis“, sagt DGE-Mediensprecher Professor Dr. med. Dr. h. c. Helmut Schatz aus Bochum. Der Experte rechnet noch in diesem Sommer mit der Einführung von Lenvatinib in Europa. In den USA wurde das Mittel bereits im Februar zugelassen.

    Der breite Angriffspunkt der Multikinase-Inhibitoren hat eine Kehrseite: Die Behandlung geht mit einer Reihe von Nebenwirkungen einher: Bluthochdruck, Durchfälle, Erschöpfung, Appetitlosigkeit, Übelkeit und Gewichtsabnahme sind häufig, und wie bei anderen Kinase-Inhibitoren kann es zu schmerzhaften Schwellungen und Rötungen der Hände und Füße kommen. Diese Nebenwirkungen lassen sich jedoch beherrschen „Wichtig ist, dass die Indikation richtig gestellt ist und die Therapie gut kontrolliert wird. Deshalb sollten die Patienten von einem Spezialisten, am besten von einem Endokrinologen mit onkologischem Schwerpunkt, behandelt werden“, empfiehlt Professor Schatz. Bei richtiger Indikationsstellung sehen die Experten die neuen Multikinase-Inhibitoren als wichtigen Fortschritt für die Behandlung des radiojodrefraktären Schilddrüsenkarzinoms, zumal weitere Substanzen in der Entwicklung sind.

    M. Schlumberger et al.: Lenvatinib versus placebo in radioiodine-refractory thyroid cancer. New Engl. J. Med. 2015. 372:621-630.
    http://www.nejm.org/doi/full/10.1056/NEJMoa1406470#t=article

    Endokrinologie ist die Lehre von den Hormonen, Stoffwechsel und den Erkrankungen auf diesem Gebiet. Hormone werden von endokrinen Drüsen, zum Beispiel Schilddrüse oder Hirnanhangdrüse, aber auch bestimmten Zellen in Hoden und Eierstöcken, „endokrin“ ausgeschüttet, das heißt nach „innen“ in das Blut abgegeben. Im Unterschied dazu geben „exokrine“ Drüsen, wie Speichel- oder Schweißdrüsen, ihre Sekrete nach „außen“ ab.

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    Terminhinweise:
    Pressekonferenz anlässlich des 58. Symposiums der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie (DGE)
    Termin: Mittwoch, 18. März 2015, 11.00 bis 12.00 Uhr
    Ort: Musik- und Kongresshalle Lübeck, Willy-Brandt-Allee 10, 23554 Lübeck,
    Raum: 5-6
    Thema u.a.
    Knoten, Kropf und Krebs: Wann sollte man die Schilddrüse untersuchen lassen?
    Professor Dr. med. Dagmar Führer
    Vorläufiges Programm der Pressekonferenz: http://www.dge2015.de/download/programm-pressekonferenz.pdf

    Termin: Mittwoch, 18.03.2015, 14.35 bis 15.20 Uhr
    Meet The Expert
    Was ändert sich in der Betreuung von Patienten mit Schilddrüsenkarzinom 2015?
    Vorsitz: Dagmar Führer, Essen
    Ort: Musik- und Kongresshalle Lübeck, Willy-Brandt-Allee 10, 23554 Lübeck,
    Raum: 5-6

    Termin: Freitag, 20.03.2015, 16.30 bis 18.00 Uhr
    Symposium Sektion Schilddrüse
    Vorsitz: Joachim Feldkamp, Bielefeld und Matthias Schott, Düsseldorf
    Ort: Musik- und Kongresshalle Lübeck, Willy-Brandt-Allee 10, 23554 Lübeck,
    Raum: Konzertsaal

    Weitere Informationen zur Tagung und das Programm finden Sie im Internet unter http://www.dge2015.de.

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    Kontakt für Journalisten:
    Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie (DGE)
    Dagmar Arnold
    Postfach 30 11 20
    70451 Stuttgart
    Telefon: 0711 8931-380
    Fax: 0711 8931-167
    arnold@medizinkommunikation.org


    Weitere Informationen:

    http://www.dge2015.de
    http://www.endokrinologie.net


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten
    Medizin
    überregional
    Forschungs- / Wissenstransfer
    Deutsch


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