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13.03.2015 14:37

20 Jahre idw mit Blick nach vorn: Die Zukunft der Wissenschaftskommunikation und die Rolle des idw

idw-Team idw Bochum
idw-Team

    Workshops, ein Fachvortrag, eine Podiumsdiskussion, die Verleihung des idw-Preises, die Mitgliederversammlung des idw e. V. und ein Rückblick auf 20 Jahre idw: Die Jubiläumsveranstaltung des Informationsdienstes Wissenschaft bot in den Worten von Vorstandsmitglied Marco Finett (DFG) „drei sehr inhaltsreiche und ergiebige Tage“ zum Thema Wissenschaftskommunikation. 180 Teilnehmer hatten sich dazu in der Humboldt-Universität und bei der Leibniz-Gemeinschaft in Berlin versammelt und tauschten sich insbesondere zu drei Schwerpunkten aus: Qualität, Rollen der Beteiligten und Impulse für die Weiterentwicklung der traditionsreichsten Online-Plattform für deutschsprachige Wissenschaftsnachrichten.

    Unter dem Titel „Partizipation, Interaktion und Transparenz – wie das Internet die Wissenschaftskommunikation verändert“ stellte Prof. Dr. Christoph Neuberger (Institut für Kommunikationswissenschaft und Medienforschung an der Ludwig-Maximilians-Universität München) am 12. März zehn Thesen vor. Er forderte, PR müsse als solche erkennbar sein: Für Qualität in der Wissenschaftskommunikation sei es „unerlässlich, dass jeder Akteur auch online die eigene Rolle offenlegt“ – ob Wissenschaftler, Pressesprecherin oder Journalist. Im Internetzeitalter sei der schnelle Direktzugriff auf aktuelle Informationen nicht mehr das Privileg der Journalisten; ihnen komme dafür zunehmend die Rolle zu, für ihre Abnehmer Navigations- und Moderationsdienstleistungen zu erbringen.

    Podiumsdiskussion

    Thematisch passend schloss sich eine Podiumsdiskussion über „Rollenbewusstsein und Qualität in der Wissenschaftspressearbeit“ an. Moderator Jens Rehländer (VolkswagenStiftung) ging auf die Kritik insbesondere von Wissenschaftlern an der Wissenschaftskommunikation ein. Sie besagt, die Grenzen zwischen Information und Marketing verschwämmen immer mehr und es stelle sich die Frage, was das der Wissenschaft nütze.

    Elisabeth Hoffmann, Pressesprecherin der TU Braunschweig, sagte: „Die Pressearbeit ist nicht schlechter geworden. Aber es gibt sehr unterschiedliche Qualitäten, was z. T. am Zeitdruck liegt.“

    Joachim Müller-Jung (FAZ) urteilte: „Die Pressearbeit ist besser geworden; ich glaube, sie wird immer noch besser. Die Fähigkeit, Themen interessant zu machen, gibt es in den Pressestellen. Aber es werden Interessen vertreten, das muss uns Journalisten natürlich klar sein. Die Interessen der einzelnen Hochschulen spielen eine immer größere Rolle – auch, um sich abzugrenzen von den anderen.“ Die PR bekomme ein Übergewicht in der Wahrnehmung. „Dennoch haben die Medien nach wie vor eine Funktion als ,Vierte Gewalt‘. Und die müssen wir besonders gut erfüllen und unabhängig arbeiten. Um den Wissenschaftsjournalismus mache ich mir gar keine Sorgen.“

    Prof. Dr. Annette Leßmöllmann bildet am Karlsruher Institut für Technologie sowohl Wissenschaftsjournalisten als auch PR-Fachleute aus. Sie sprach sich gegen jede Freund-Feind-Diskussion zwischen Journalismus und PR aus: „Das sind Subsysteme, die eine antagonistische Rolle spielen. Die sollte man sportlich sehen. Wissenschaftskommunikation wird dann spannend, wenn’s in den Diskurs geht, auch wenn’s dann schon mal wehtun kann.“ Wichtig sei, sich stets bewusst zu machen, welche Rolle man habe.

    Die Rolle des idw beschrieb idw-Teamleiter Dr. Josef König als „Mittler und Informationsmakler“. Der idw transportiere die Inhalte seiner Mitgliedseinrichtungen. Die rund 100 Pressemitteilungen pro Tag redaktionell zu gewichten oder zu bearbeiten könne das Team nicht leisten, ohne dass zusätzliche Einnahmen zur Verfügung stünden. „Aber das Gute am idw ist doch, dass jeder Empfänger selbst entscheiden und über die idw-Rubriken filtern kann, welche Inhalte für ihn persönlich relevant sind und welche er nicht beziehen möchte.“

    Einig war sich die Runde in dem Befund, dass das Wissenschaftssystem an sich zu selten in der Berichterstattung thematisiert werde. Müller-Jung: „Bei Wissenschaftlern gibt es ein gigantisches politisches Interesse. Aber sie verbrennen sich ungern die Finger mit ihrer politischen Meinung. Die Pressestellen sollten sie darin bestärken, politische Bühnen zu schaffen.“

    Workshops

    Mit dem Thema „Qualitätskriterien für gute Pressearbeit“ befassten sich wegen der großen Nachfrage gleich zwei Workshops. Kann man journalistische Qualitätskriterien wie Faktentreue, gute Themenauswahl und Offenlegung von Interessenskonflikten an Pressemitteilungen anlegen? Dieser Kernfrage gingen die Teilnehmer anhand der Kriterien des „Medien-Doktors“ nach, den das Team um Prof. Holger Wormer vom Lehrstuhl Wissenschaftsjournalismus an der TU Dortmund entwickelt hat. Die Teilnehmer erprobten, diesen journalistischen Qualitätsmaßstab auf Pressemitteilungen anzuwenden. Lebhaft debattiert wurde insbesondere, ob eine Pressestelle in ihrer Mitteilung zum Forschungsergebnis aus dem eigenen Hause realistischerweise die zweite, abweichende Meinung aus einer anderen Institution nennen könne. Auf mehrere Quellen zurückzugreifen, Pro und Contra darzustellen, das ist eine der Grundlagen guter wissenschaftlicher und journalistischer Praxis, bringt aber Pressestellen in einen Konflikt, der laut Wormer „in der Wissenschafts-PR nicht zu lösen ist“.

    Der Medien-Doktor lässt sich somit nicht 1:1 übertragen, doch bietet er in Wormers Worten „ein Geländer an, an denen man sich bei der Arbeit in der Pressestelle entlanghangeln kann“. Zu den aktuellen Debatten um Qualität in der Wissenschaftskommunikation sagte idw-Teamleiter König: „Der idw prüft, ob daraus ein Kriterienkatalog hervorgeht, den wir für Veröffentlichungen im idw verbindlich machen oder zumindest empfehlen können.“ Bisher sichert der idw die Qualität der veröffentlichten Inhalte durch sorgfältige Auswahl der Mitgliedseinrichtungen, Schulung der Pressesprecher, stichprobenartige Kontrolle der Pressemitteilungen und den positiven Anreiz durch den idw-Preis für die besten Pressemitteilungen.

    Ein weiterer Workshop beschäftigte sich mit der Expertenvermittlung im idw. Der idw stellt Journalisten für ihre Recherche Werkzeuge bereit, um Fachleute als Interviewpartner zu finden. Bei aller Konkurrenz der wissenschaftlichen Einrichtungen untereinander waren sich die Pressesprecher einig, dass sie Journalisten auch auf Experten anderer Einrichtungen hinweisen wollen – dieses uneigennützige Handeln zahlt sich indirekt auch für die eigene Einrichtung aus, weil es dem Dialog Wissenschaft-Öffentlichkeit insgesamt nutzt und das Netzwerk der 923 am idw beteiligten Pressestellen stärkt. Die Teilnehmer - Journalisten und Pressesprecher - brachten eine Reihe von Detailoptimierungs-Wünschen ein, mit denen sich das idw-Team nun befassen wird.

    Auch ein Workshop zu den Social Media-Aktivitäten des idw brachte viele Anregungen mit hohem Praxisbezug, die der idw möglichst bald umsetzen will.

    Rückblick, Preisverleihung und Mitgliederversammlung

    Am Abend zuvor warf Josef König als einer der idw-Mitbegründer von 1994 einen Blick zurück auf 20 Jahre Geschichte des idw. Die Verleihung des idw-Preises für die besten Pressemitteilungen des Jahres beschloss den Tag. Am 13. März endete die dreitägige Veranstaltung mit der jährlichen Mitgliederversammlung des idw e. V.

    Der idw

    Neben Pressemitteilungen veröffentlicht der idw auf seiner Website idw-online.de jährlich mehrere tausend Terminhinweise auf Wissenschaftsveranstaltungen. Für die Empfänger sind die Inhalte kostenlos, sie können sie ganz nach ihren individuellen thematischen und geografischen Interessen filtern. Speziell für die journalistische Recherche betreibt der idw überdies eine Expertenvermittlung. Mehr als 33.000 Abonnenten, darunter 7.300 Journalisten, nutzen die kostenlosen Angebote des idw regelmäßig. Dem idw e. V. als Betreiber von idw-online.de gehören aktuell 923 Einrichtungen aus der Wissenschaft an: Hochschulen, Forschungsinstitute, Ministerien und andere wissenschaftliche, forschende oder forschungsfördernde Institutionen.

    Bei Fragen steht Ihnen das idw-Team unter service@idw-online.de oder telefonisch unter der Tel. +49 (0) 921 34 899 89 70 gern zur Verfügung.


    Weitere Informationen:

    https://idw-online.de/de/invitation Programm der Jubiläumsveranstaltung „20 Jahre idw“ vom 11.-13. März 2015
    https://idw-online.de/de/news627264 Über die Verleihung des idw-Preises für Wissenschaftskommunikation
    https://idw-online.de/de/news620337 Über die Geschichte des idw
    http://www.medien-doktor.de Website des Medien-Doktors an der TU Dortmund


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, Wissenschaftler
    fachunabhängig
    überregional
    Buntes aus der Wissenschaft, Wissenschaftliche Tagungen
    Deutsch


    idw-Vorstandssprecher Dr. Markus Zanner, Kanzler der Universität Bayreuth, eröffnete die Jubiläumsveranstaltung.


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