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15.06.2015 10:13

Rostocker Matthias Beller mit ERC Advanced Grant 2015 ausgezeichnet

Dr. Barbara Heller Pressestelle
Leibniz-Institut für Katalyse e. V. an der Universität Rostock

    Prof. Matthias Beller, Direktor des Leibniz-Instituts für Katalyse in Rostock (LIKAT), erhält zirka 2,5 Millionen Euro Forschungsgelder vom European Research Council. Der Europäische Forschungsrat (European Research Council - ERC) unterstützt Grundlagenforschung und vergibt dazu millionenschwere Grants an außergewöhnliche Forscher mit hohem wissenschaftlichem Renommee.

    ERC Advanced Grants (max. 2,5 und in Ausnahmefällen 3,5 Millionen Euro für bis zu fünf Jahre) richten sich an etablierte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aller Fachbereiche, deren hochinnovative Forschung erheblich über den bisherigen Forschungsstand hinausgeht und neue Forschungsgebiete erschließt. Ein ERC Advanced Grant belohnt exzellente wissenschaftliche Leistungen, die auch internationale Bedeutung haben. Ziel der Advanced Grants (ERC–AdG), die seit 2007 vom Europäische Forschungsrat vergeben werden, ist es, die Arbeitsbedingungen der klügsten Köpfe Europas zu verbessern und ihre Forschungsmöglichkeiten zu erweitern. In einem hochkompetitiven Auswahlprozess werden jedes Jahr herausragende Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler mit Forschungsvorschlägen ausgewählt. 2015 gehört auch Matthias Beller als erster Wissenschaftler aus Mecklenburg-Vorpommern zu diesen Spitzenforschern.
    Matthias Beller war nach seiner Promotion und einem Forschungsaufenthalt am Massachusetts Institute of Technology in den USA zunächst einige Jahre bei der Hoechst AG tätig. 1996 wechselte er als Professor für Anorganische Chemie an die Technische Universität München. Seit 1998 ist er Inhaber der Professur für Katalyse an der Universität Rostock und Direktor des Leibniz-Instituts für Katalyse (LIKAT) in Rostock. Beller ist außerdem Vize-Präsident der Leibniz-Gemeinschaft und Träger vielfältiger Auszeichnungen, so des Leibniz-Preises der DFG, des Verdienstordens am Bande der Bundesrepublik Deutschland und der der Emil-Fischer-Medaille. Beller ist Mitglied der Deutschen Akademie der Naturwissenschaften Leopoldina, der Akademie der Wissenschaften in Hamburg und ab Herbst 2015 auch Mitglied der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften.
    Der Chemiker Matthias Beller beschäftigt sich seit Jahren mit einer der Schlüsseltechnologien des neuen Jahrtausends: der Katalyse. Dabei sucht er mit seinen Mitarbeitern nach neuen Wegen für die Herstellung von verschiedensten chemischen Substanzen, wie etwa nach neuen Wirkstoffen für Arzneimittel oder auch nach Zusatzstoffen für Farben und Lebensmittelzwischenprodukte. Ziel seiner Forschungsarbeiten ist die Entwicklung von Katalyseverfahren, die ohne umweltbelastende Abfallprodukte auskommen und gleichzeitig kostengünstig sind. Katalysatoren senken den zur Trennung oder Herstellung von Substanzgemischen erforderlichen Energieaufwand, sie beschleunigen chemische Reaktionen, sind unverzichtbare Helfer bei der Herstellung reiner Substanzen in allen Bereichen der Chemie, fügen zusammen, was sich ohne sie nie oder nur langsam verbinden würde oder helfen beim Abbau von Schadstoffen. Im Idealfall tun sie das, ohne sich zu verändern – „zu altern“. Heute basieren ca. 90 Prozent aller chemischen Verfahren auf Katalysen, dieser hohe Prozentsatz unterstreicht die Bedeutung von katalytischen Prozessen.
    Matthias Beller gehört zu jenen Forschern, die davon überzeugt sind, dass die Ergebnisse der Grundlagenforschung durch ihre praktische Anwendung an Bedeutung gewinnen und dass umgekehrt Probleme aus der Praxis die Grundlagenforschung beflügeln, da die Optimierung von Industrieverfahren oft wertvolle Beobachtungen für die Wissenschaft liefert. So sieht er sich und seine wissenschaftlichen Arbeiten als Dienstleister für Forschung und Industrie gleichermaßen. Jeder Katalyseprozess ist mit Produkten aus den Bereichen Grundchemikalien, Feinchemie, Gesundheit, Molekularbiologie, Ernährung, Energietechnik, Umwelttechnologie und neue Materialien verknüpft. Trotz, oder gerade wegen der Praxisnähe all dieser Bereiche der Katalyse, sind Matthias Beller und das Leibniz-Institut für Katalyse auch der Grundlagenforschung stark verhaftet.
    In seinem vom Europäischen Wissenschaftsrat geförderten Projekt mit dem Acronym „NaNaCat“ geht es um die Entwicklung besser verfügbarer Nicht-Edelmetall-Katalysatoren für chemische Prozesse. Viele heute verwendete Katalysatoren nutzen als zentralen Baustein sogenannte Edelmetalle wie Palladium und Rhodium. Diese werden für eine große Zahl von Prozessen in der chemischen und pharmazeutischen Industrie genutzt, finden aber auch Anwendung im Autoabgas-Katalysator. Ziel von Matthias Beller ist es, diese Katalysatoren durch einfachere und kostengünstigere Systeme auf Basis von Eisen, Cobalt und Mangan zu ersetzen. Die Forschungsgruppe um Beller hat in den letzten Jahren mit Pionierarbeiten zur Entwicklung dieses wichtigen Gebietes beigetragen. Mit den neuen Forschungsgeldern wollen die Rostocker Forscher, solche Systeme jetzt praxisreif machen. Darüber hinaus sollen neue Anwendungen zur Nutzung nachwachsender Rohstoffe entwickelt werden. Ein Ziel ist es, analog der Photosynthese, aus Kohlendioxid nutzbare chemische Stoffe zu produzieren.


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten
    Chemie
    überregional
    Buntes aus der Wissenschaft
    Deutsch


    Matthias Beller im Labor


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