Seeadler – keine Konkurrenz für die Fischerei

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23.07.2015 14:54

Seeadler – keine Konkurrenz für die Fischerei

Karl-Heinz Karisch Pressestelle des Forschungsverbundes Berlin e.V.
Forschungsverbund Berlin e.V.

    Seeadler stellen keine Konkurrenz für die Fischerei dar. Dies zeigten Forscher des Berliner Leibniz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) anhand der ersten Freilandstudie über die Nahrungswahl des Seeadlers (Haliaeetus albicilla) im Norddeutschen Raum. Die Studie, die im „Journal of Ornithology“ veröffentlicht wurde, erlaubt zudem wichtige Einblicke in das Jagdverhalten dieser Tierart und dafür relevante Schutzmaßnahmen.

    Seeadler jagen hauptsächlich in Uferzonen von Seen. Ihre bevorzuge Beute sind Fische in der Größenklasse von 30 - 50 cm. Seeadler sind insbesondere auf den Fang von Brachsen spezialisiert, eine Fischart, die vom Menschen kommerziell nicht genutzt wird. Sie passen ihr Beutespektrum den Wetterbedingungen sowie dem Nahrungsvorkommen an. Neben Fischen gehören auch Wasservögel - insbesondere langsam fliegende Arten wie Blässrallen - und Aas von Wildtieren wie Rehen, Hirschen, Wildschweinen zu ihrem Nahrungsspektrum. Folglich stellen Seeadler keine Konkurrenz für die Fischerei dar.

    Seeadler jagen hauptsächlich durch die sogenannte Ansitzjagd: Sie sitzen und warten, bis sie die Beute entdecken und zuschlagen. Die aktuelle Studie zeigt, dass Seeadler etwa 80 % ihrer Zeit mit dieser Tätigkeit verbringen und nur 7 % ihrer Zeit für Flugaktivitäten aufwenden. Die Ansitzjagd ist für die großen und schweren Tiere die kostengünstigste und ökonomischste Art der Nahrungssuche, da es ihnen die höchste Trefferquote aufgrund von Überraschungsangriffen ermöglicht. Da die Tiere Sitzplätze für dieses Jagdverhalten benötigen, sind Uferwälder und Solitärbäume ein Schlüsselelement für die Nahrungssuche des Seeadlers. Diese neuen Erkenntnisse beinhalten wichtige Informationen für effektive Schutzmaßnahmen der Seeadlerpopulationen.

    „Unsere Ergebnisse legen nahe, dass eine 100 Meter breite Zone mit Uferbewaldung obligatorisch sein müsste, um Sitzmöglichkeiten und die Kernzonen der Jagdgründe des Seeadlers zu erhalten“, sagt Dr. Oliver Krone, Wissenschaftler am IZW. Auch künstliche Sitzstangen wie z. B. Pfähle können als effektives Managementwerkzeug eingesetzt werden, wenn sie nicht zu nahe an Rad- oder Wanderwegen aufgestellt sind.

    Der Seeadler ist eine der größten europäischen Greifvogelarten. Innerhalb der letzten zwei Jahrhunderte hat sich die Population aufgrund intensiver Schutzmaßnahmen vom Rand des Aussterbens erholen können. Dennoch gibt es eine Reihe von Gefährdungsursachen, die lokal zu erheblichen Verlusten unter den Adlern führen. Ursachen hierfür sind Bleivergiftung, Kollision mit Zügen und Stromleitungen.

    Bleivergiftungen stellen insbesondere im Winter ein erhöhtes Risiko für die Tiere dar. In dieser Jahreszeit sinkt die Erfolgsquote beim Beutefang aufgrund eines geringeren Nahrungsvorkommens und die Tiere müssen ihr Jagdgebiet und ihre Flugzeiten ausdehnen, um auf opportunistischen Konsum von Aas zurückgreifen zu können. Da das Wild jedoch häufig mit bleihaltiger Jagdmunition beschossen wurde, oder die Innereien mit den Resten der bleihaltigen Geschosse in der Natur liegengelassen werden, birgt der Konsum von Aas ein erhebliches Risiko für die Seeadler in sich. Die Erkenntnisse dieser neuen Studie bieten die Grundlage für effektivere Schutzmaßnahmen des Seeadlers.

    Publikation:
    Nadjafzadeh M, Hofer H, Krone O (2015): Sit-and-wait for large prey: foraging strategy and prey choice of white-tailed eagles. J Ornithol; DOI: 10.1007/s10336-015-1264-8

    Kontakt:

    Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW)
    Alfred-Kowalke-Str. 17
    10315 Berlin
    Dr. Oliver Krone
    Tel.: +49 30 5168-212
    krone@izw-berlin.de

    Mirjam Nadjafzadeh
    m.nadjafzadeh@web.de
    Steven Seet
    Tel.: +49 30 5168-125
    seet@izw-berlin.de

    Das Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) ist eine national und international renommierte Forschungseinrichtung, die anwendungsorientierte und interdisziplinäre Grundlagenforschung in den Bereichen Evolutionsökologie und -genetik, Wildtierkrankheiten, sowie Reproduktionsbiologie und -management bei Zoo- und Wildtieren betreibt. Aufgabe des IZW ist die Erforschung der Vielfalt der Lebensweisen, der Mechanismen evolutionärer Anpassungen und der Anpassungsgrenzen inklusive Krankheiten von Zoo- und Wildtieren in und außerhalb menschlicher Obhut sowie ihrer Wechselbeziehungen mit Mensch und Umwelt. Die gewonnenen Erkenntnisse sind Voraussetzung für einen wissenschaftlich begründeten Artenschutz und für Konzepte der ökologischen Nachhaltigkeit der Nutzung natürlicher Ressourcen. Das IZW gehört zum Forschungsverbund Berlin e.V. (FVB), einem Zusammenschluss von acht natur-, lebens- und umweltwissenschaftlichen Instituten in Berlin. In ihnen arbeiten mehr als 1.500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Die vielfach ausgezeichneten Einrichtungen sind Mitglieder der Leibniz-Gemeinschaft.


    Weitere Informationen:

    http://www.izw-berlin.de


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, jedermann
    Biologie, Meer / Klima, Tier / Land / Forst, Umwelt / Ökologie
    überregional
    Buntes aus der Wissenschaft, Forschungsergebnisse
    Deutsch


    Seeadler sitzen und warten, bis sie die Beute entdecken und zuschlagen.


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    Seeadler jagen hauptsächlich in Uferzonen von Seen.


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