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18.08.2015 09:40

„Medien-Doktor“ der TU Dortmund prüft Stärken und Schwächen des Umweltjournalismus

Martin Rothenberg Referat Hochschulkommunikation
Technische Universität Dortmund

    „Der Klimawandel bedroht die Gesundheit“, „Intensive Landwirtschaft lässt die Artenvielfalt schwinden“, „Wölfe breiten sich in Deutschland aus“ – Nachrichten zu Umweltthemen sind täglich zu hören und zu lesen. Doch wie zuverlässig informieren die Medien wirklich über Umweltprobleme und Lösungsansätze? Sind alle Aussagen ausreichend belegt, werden sie verständlich vermittelt und eingeordnet? Über erste Ergebnisse nach der Analyse von 50 journalistischen Beiträgen berichtet ein soeben erschienener Artikel in der Fachzeitschrift „Public Understanding of Science“.

    Autoren der Analyse, wie gut die Qualität der Umweltberichterstattung ist, sind die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Projekts „Medien-Doktor UMWELT“ am Institut für Journalistik der TU Dortmund. Basis sind dabei Gutachten von einem Team erfahrener Umweltjournalistinnen und -journalisten. Der Artikel in dem Fachmagazin beschreibt, wie Kriterien für die Bewertung entwickelt wurden und wo Stärken und Schwächen des Umweltjournalismus liegen könnten.

    In mancher Hinsicht ist die Berichterstattung demnach besser, als oft vermutet: Ein eher geringer Teil – neun der 50 zufällig ausgewählten Beiträge – neigt dazu, Umweltprobleme aufzubauschen oder aber zu verharmlosen. Nur in sechs Artikeln fanden sich klare Faktenfehler, wie etwa falsche Zahlen. In anderen Punkten dagegen klaffen Anspruch und Wirklichkeit auseinander. So wird in der Mehrzahl der untersuchten Beiträge nicht deutlich, wie groß die Aussagekraft („Evidenz“) der berichteten Ereignisse und Fakten ist. Und obwohl Umweltthemen oft für Kontroversen sorgen, werden die verschiedenen Positionen häufig nicht angemessen berücksichtigt. Vor allem aber gelingt es selten, die Ergebnisse der Umweltforschung angemessen in den wirtschaftlichen, sozialen und politischen Kontext einzuordnen und damit die Relevanz für Leserinnen und Leser, Fernseh- und Hörfunkpublikum deutlich zu machen. In 42 Beiträgen wurde dieses Qualitätskriterium als nicht erfüllt gewertet.

    „Das ist schon ein erstaunliches Ergebnis“, sagt Dr. Wiebke Rögener, leitende Redakteurin des Medien-Doktor UMWELT und Erstautorin des Papers. „Als wir bei der Entwicklung unseres Kriterienkatalogs Umweltjournalistinnen und -journalisten befragt hatten, was für sie die Qualität eines Beitrags ausmacht, wurde gerade die Einordnung in den Kontext mit am häufigsten genannt.“

    Auch wenn diese Ergebnisse noch auf einer begrenzten Zahl von Fallbeispielen beruhen, deuten sie doch auf entscheidende Schwächen hin – und damit auf wichtige Ansatzpunkte für die Aus- und Weiterbildung im Umweltjournalismus. „Wenn man zudem erste Ergebnisse aus unseren Analysen von Pressemitteilungen aus der Wissenschafts-PR berücksichtigt, erscheint kritischer Wissenschafts- und Umweltjournalismus nötiger denn je“, betont der Leiter des Medien-Doktor-Projekts, Prof. Holger Wormer. „Und eine wesentliche Voraussetzung dafür, dass unabhängiger Journalismus sich behaupten kann, ist eine hohe Qualität der Berichterstattung.“

    Ermöglicht wird der Medien-Doktor UMWELT durch die Förderung der Casper Ludwig Opländer Stiftung.


    Weitere Informationen:

    http://www.medien-doktor.de/umwelt


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten
    Gesellschaft, Kulturwissenschaften, Medien- und Kommunikationswissenschaften
    überregional
    Forschungsprojekte, Wissenschaftliche Publikationen
    Deutsch


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