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23.09.2015 16:50

Knollenblätterpilz-Vergiftung: Lage bei Flüchtlingen entspannt – aber deutsche Pilzsammlerin stirbt

Stefan Zorn Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Medizinische Hochschule Hannover

    Nur noch fünf Flüchtlinge mit Vergiftung werden in der MHH behandelt / Plakataktion in Flüchtlingsunterkünften zeigt Erfolg/ Plakate zum Download unter http://bit.ly/1MpStC2

    Die Plakataktion der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) zeigt Erfolg: „Die Lage bei den vergifteten Flüchtlingen hat sich zum Glück entspannt. In den vergangenen 48 Stunden mussten wir nur einen Flüchtling mit einer Knollenblätterpilzvergiftung aus einer anderen Klinik übernehmen“, sagt Professor Dr. Michael Manns, Direktor der Klinik für Gastroenterologie, Hepatologie und Endokrinologie. In der vergangenen Woche gab es allein in einer Nacht 17 Fälle, bei denen sich Flüchtlinge und Asylsuchende am Knollenblätterpilz vergiftet hatten, insgesamt waren es mehr als 30 Fälle in Norddeutschland. „Knollenblätterpilzvergiftungen sind aber immer noch eine große Gefahr, es ist schließlich Pilzsaison!“, ergänzt Professor Manns. Eine deutsche Pilzsammlerin ist jetzt in der Hochschule an einer solchen Vergiftung gestorben.

    Nach Aussage von Oberarzt Dr. Elmar Jaeckel kann heute eine Gruppe von sechs Flüchtlingen die MHH verlassen, die sich in Osnabrück mit dem Pilz vergiftetet hatte. „Fünf Patienten werden noch in der MHH behandelt, aber auch ihnen geht es den Umständen entsprechend gut“, betont der Oberarzt.

    Um Flüchtlinge und Asylsuchende vor der Gefahr zu warnen, hatte die MHH über ihr Netzwerk Flüchtlingshilfe ein Plakat entworfen und in sieben Sprachen übersetzt, dass über das Landesgesundheitsamt und die Pilzberatungsstellen der Deutschen Gesellschaft für Mykologie an die Flüchtlingsunterkünfte verteilt und dort ausgehängt worden war. Die Plakate finden Sie zum Download auf der Internetseite der MHH unter http://bit.ly/1MpStC2.


    Der Knollenblätterpilz (Amanita phalloides) ist einer der giftigsten Pilze in Deutschland und für 90 Prozent aller tödlichen Pilzvergiftungen verantwortlich. Der Pilz ist sehr gefährlich, da sein Gift erst mehrere Stunden nach dem Verzehr wirkt und dann bereits im ganzen Körper aufgenommen ist. Zunächst treten Beschwerden wie Übelkeit, Erbrechen und Durchfall auf – ähnlich einer Magen-Darm-Infektion, nach ein bis zwei Tagen kommt es zur Schädigung der Leber, die von Blutgerinnungs- und Nierenfunktionsstörungen begleitet werden kann. Im schlimmsten Fall stellt die Leber ihre Funktion ein, so dass nur noch eine Lebertransplantation das Leben des Patienten retten kann.

    Daher fordert Professor Dr. Manns grundsätzlich alle Pilzsammler auf, die gefundenen Pilze vor dem Verzehr von einem Pilzsachverständigen bestimmen zu lassen. „Besteht der Verdacht einer Pilzvergiftung, sollte dringend der Notarzt gerufen werden. Zum Nachweis des Pilzgiftes und somit zur leichteren Diagnose sollten die Pilzreste und das Erbrochene aufgehoben werden“, erklärt Professor Dr. Manns. Einer Pilzsammlerin aus Niedersachsen konnten die MHH-Ärzte nicht mehr helfen, sie ist jetzt an einer Knollenblätterpilzvergiftung gestorben. Einen Pilzsammler, ebenfalls aus Niedersachsen, der in die MHH verlegt worden war, mussten die Ärzte heute für eine hochdringliche Lebertransplantation anmelden.

    Der Knollenblätterpilz wächst im Zeitraum von August bis Oktober in Laub- und Laubmischwäldern. Zu erkennen ist er an einem drei bis 15 Zentimeter breiten Hut, der glockig bis schirmartig ausgebreitet ist. An der Unterseite befinden sich weiße Lamellen. Die Farbe des Giftpilzes ist grün, grün-gelb oder weiß.



    Schnelle Hilfe bei Vergiftungen gibt auch das Giftinformationszentrum-Nord unter der Telefonnummer (0551) 19240.


    Weitere Informationen:

    http://bit.ly/1MpStC2


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, Lehrer/Schüler, Studierende, jedermann
    Medizin
    überregional
    Buntes aus der Wissenschaft, Organisatorisches
    Deutsch


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