TU Berlin: Kriegsbeute aus Belgien, Frankreich und der Ukraine

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01.10.2015 16:39

TU Berlin: Kriegsbeute aus Belgien, Frankreich und der Ukraine

Stefanie Terp Stabsstelle Presse, Öffentlichkeitsarbeit und Alumni
Technische Universität Berlin

    Forschungsprojekt an der Universitätsbibliothek der TU Berlin untersuchte die Bücher aus der Luftkriegsakademie Berlin-Gatow auf NS-Raubgut

    Das Forschungsprojekt „Untersuchung der 1945 aus der ehemaligen Luftkriegsakademie Gatow an die UB der TU Berlin übernommenen Bücher und Zeitschriften auf NS-Raubgut" sollte klären, ob sich unter den Büchern und Zeitschriften sogenanntes NS-Raubgut befindet. „200 Bücher und Zeitschriftenbände wurden tatsächlich gefunden, die dringend verdächtig sind, Kriegsbeute zu sein und zwar aus Belgien, Frankreich und der Ukraine“, sagt Projektleiterin Angelika von Knobelsdorff von der Universitätsbibliothek der TU Berlin.

    Der Bibliotheksbestand der ehemaligen Technischen Hochschule Berlin, der heutigen TU Berlin, war im und kurz nach dem Zweiten Weltkrieg fast vollständig verlorengegangen. Bei der nach Kriegsende wiederbeschafften Literatur ging man lange davon aus, dass sich darin kein NS-Raubgut befindet. Doch auch noch im Rahmen des Wiederaufbaus der Literaturbestände gelangte solches Gut in deutsche Bibliotheken.

    Verdächtig in dieser Hinsicht war an der Universitätsbibliothek, wie Stichproben ergaben, der Teilbestand „Luftkriegsakademie Berlin-Gatow“. Dabei handelte es sich um Bücher und Zeitschriften, die auf dem Gelände der ehemaligen Luftwaffenschulen in Berlin-Gatow lagerten und im November 1945 von der britischen Besatzungsbehörde der Bibliothek der Technischen Hochschule Berlin überstellt wurden.

    In einem von der Arbeitsstelle für Provenienzforschung (seit Januar 2015 Deutsches Zentrum Kulturgutverluste) geförderten und von der Universitätsbibliothek der TU Berlin getragenen Projekt identifizierten seit 2012 Provenienzforscherinnen die damals übernommenen Bücher und Zeitschriftenbände und versuchten, deren Herkunftsgeschichte zu entwirren und festzustellen, ob es sich um NS-Raubgut handelt. Das Projekt endet am 31.10.2015.

    Laut Akten wurden 1945 etwa 10.000 Bücher und Zeitschriftenbände aus Gatow von der Universitätsbibliothek übernommen. Davon konnten aber nur noch 2.000 gefunden werden. Vermutlich waren die anderen Bände bei Umstrukturierungen des Bibliothekssystems als Dubletten, also mehrfach vorhandene Titel, aussortiert worden.

    Von diesen 2.000 erwiesen sich circa 200 Bücher und Zeitschriftenbände als NS-raubgutverdächtig. Dabei handelt es sich nicht um materiell wertvolle, sondern zu damaliger Zeit aktuelle technisch-wissenschaftliche Literatur. Es zeichnet sich ab, dass die Motivation für den Raub darin lag, wissenschaftliche Literatur im Interesse sogenannter „kriegswichtiger“ Forschung zu beschaffen. Dafür wurden in den besetzten Gebieten gewachsene Sammlungen zerstört und zerstreut. Diese Zusammenhänge aufzuklären und auch Teilaspekte der Geschichte der Technischen Hochschule Berlin in der Nazizeit auszuleuchten, gehört zu den wesentlichen Ergebnissen des Projektes. So zum Beispiel die Zusammenarbeit der Hochschule mit den Berliner Luftwaffeninstitutionen, ihr Schwerpunkt auf militärtechnischer Ausbildung sowie die Tatsache, dass neben zivilen Studenten auch Studienoffiziere und zukünftige Ingenieuroffiziere eingeschrieben waren. Dies sollte jedoch an der TU Berlin weiter erforscht werden.

    „Auch um endgültig nachweisen zu können, ob die 200 Titel tatsächlich NS-Raubgut sind, bedarf es weiterer Recherchen in Kooperation mit den Nachfolgeinstitutionen der damals Geschädigten“, sagt die wissenschaftliche Projektmitarbeiterin Dr. Cornelia Briel. Kontakte zur belgischen und französischen Botschaft und dem Königlichen Meteorologischen Institut von Belgien wurden aufgenommen. Ziel ist die Rückgabe.

    Die Ergebnisse werden ausführlich in der Ausstellung „KRIEGSWICHTIG! Die Bücher der Luftkriegsakademie Berlin-Gatow“ und dem dazugehörigen Katalog der Öffentlichkeit präsentiert. Beides wurde in Kooperation mit dem Militärhistorischen Museum der Bundeswehr Flugplatz Berlin Gatow erstellt.

    Ausstellung:
    Zeit: 1. Oktober bis 14. November 2015, Mo–Fr 9–22 Uhr, Sa 10–18 Uhr
    Ort: Universitätsbibliothek der TU Berlin im VOLKSWAGEN-Haus, Fasanenstr. 88, 10623 Berlin, Ausstellungsforum

    Katalog:
    Cornelia Briel, Regine Dehnel, Jürgen Ruby (Hg.) : Kriegswichtig! Die Bücher der Luftkriegsakademie Berlin-Gatow. Veröffentlichung des Militärhistorischen Museums der Bundeswehr – Flugplatz Berlin-Gatow in Kooperation mit der Universitätsbibliothek der Technischen Universität, Texte und Materialien, Band 15. Berlin 2015.
    ISBN: 978-3-00-050515-7

    Der Katalog wird ab 1.Oktober 2015 über den Webshop des Universitätsverlages der TU Berlin und in der Ausstellung kostenlos erhältlich sein:
    http://www.ub.tu-berlin.de/universitaetsverlag-und-hochschulschriften/verlagspro...

    Er wird außerdem parallel online auf dem Digitalen Repositorium der TU Berlin zur Verfügung stehen:
    URN urn:nbn:de:kobv:83-opus4-70032
    http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:kobv:83-opus4-70032

    Weitere Informationen erteilt Ihnen gern:
    Angelika von Knobelsdorff
    TU Berlin
    Universitätsbibliothek
    Tel.: 030/314–76117
    E-Mail: angelika.vonknobelsdorff@tu-berlin.de


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten
    Geschichte / Archäologie, Kulturwissenschaften, Medien- und Kommunikationswissenschaften
    überregional
    Forschungsergebnisse, Kooperationen
    Deutsch


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