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07.10.2015 10:19

Vor allem Kinder aus bildungsfernen Familien bekommen nach einer Trennung der Eltern Schulprobleme

Monika Wimmer Pressestelle
Sozio-oekonomisches Panel (SOEP)

    Bei Kindern aus bildungsferneren Elternhäusern verringert eine Trennung der Eltern die durchschnittlichen Chancen, dass sie den Schulwechsel auf ein Gymnasium schaffen. In höher gebildeten Familien hat eine Trennung der Eltern hingegen in der Regel keinen Einfluss auf die Schullaufbahn der Söhne und Töchter. Das sind die zentralen Ergebnisse einer Studie auf der Basis von Daten der Langzeitstudie Sozio-oekonomisches Panel (SOEP), die der Soziologe Michael Grätz vom Nuffield College der Universität von Oxford erstellt hat. „Familien aus höheren sozialen Schichten können den negativen Einfluss einer Trennung auf den Schulerfolg ihrer Kinder besser abfangen als andere“, erklärt Grätz.

    Die Studie wurde kürzlich in der renommierten Fachzeitschrift European Sociological Review veröffentlicht.

    Im analysierten Zeitraum besuchten etwa 40 Prozent der befragten Schüler nach der Grundschule ein Gymnasium. Der Besuch eines Gymnasiums entscheidet zu einem großen Teil über den späteren Bildungserfolg und damit auch über die Berufschancen von Kindern. Um herauszufinden, wie sich eine Trennung der Eltern auf die Schullaufbahn von Kindern unterschiedlicher sozialer Herkunft auswirkt, hatte Grätz Angaben aus dem SOEP-Jugendfragebogen ausgewertet. In die deutschlandweit repräsentative Untersuchung flossen zwischen 2000 und 2013 erhobene Daten von 1648 Jugendlichen im Alter von 17 Jahren ein. Grätz verglich in seiner Studie die Schullaufbahn von Jugendlichen, deren Eltern sich in deren Kindheit - also vor ihrem 15. Lebensjahr - getrennt haben, mit der ihrer älteren Geschwister, die die Trennung erst in einem höheren Alter erlebt haben.

    Im Detail zeigt die Analyse der SOEP-Daten: Für Kinder aus bildungsferneren Familien – das sind Familien, in denen weder Vater noch Mutter Abitur haben – verringert eine Trennung der Eltern die Wahrscheinlichkeit, dass sie ein Gymnasium besuchen, um fast 15 Prozentpunkte. Die Trennung führt zudem zu schlechteren Noten im Alter von 16 Jahren in den Fächern Deutsch und Mathematik.

    Für Kinder aus Elternhäusern, in denen zumindest ein Elternteil das Abitur gemacht hat, wird die Wahrscheinlichkeit, dass sie auf eine höhere Schule gehen, durch eine Trennung der Eltern hingegen nicht beeinflusst. Die Trennung der Eltern führt auch nicht zu schlechteren Bewertungen in den Fächern Deutsch und Mathematik.

    Vor allem der Bildungsgrad der Väter entscheidet darüber, inwieweit Eltern die Folgen einer Trennung auf den Schulerfolg der Kinder ausgleichen können. „In der Regel leben die Kinder nach der Trennung im Haushalt der Mutter“, erklärt Michael Grätz. „Väter mit Abitur verfügen jedoch über mehr finanzielle Mittel und Kontakte als Väter ohne dieses Zeugnis und können so ihren Nachwuchs auch nach einer Trennung gut unterstützen und fördern.“

    Die Studie ist ein weiterer Beleg für die soziologische Hypothese, dass Familien aus höheren sozialen Schichten die Folgen von negativen Lebensereignissen besser ausgleichen können als andere. Frühere Studien haben zum Beispiel gezeigt, dass ein junges Einschulungsalter und ein geringes Geburtsgewicht die Schullaufbahn von Kindern aus höheren sozialen Schichten weniger beeinflussen als die von Kindern aus niedrigeren sozialen Schichten.

    STICHWORT SOEP

    Das Sozio-oekonomische Panel (SOEP) ist die größte und am längsten laufende multidisziplinäre Langzeitstudie in Deutschland. Das SOEP im DIW Berlin wird als Teil der Forschungsinfrastruktur in Deutschland unter dem Dach der Leibniz-Gemeinschaft von Bund und Ländern gefördert. Für das SOEP werden seit 1984 jedes Jahr vom Umfrageinstitut TNS Infratest Sozialforschung mehrere tausend Menschen befragt. Zurzeit sind es etwa 30.000 Befragte in etwa 15.000 Haushalten. Die Daten des SOEP geben unter anderem Auskunft über Einkommen, Erwerbstätigkeit, Bildung, Gesundheit und Lebenszufriedenheit. Weil jedes Jahr dieselben Personen befragt werden, können nicht nur langfristige gesellschaftliche Trends, sondern auch die gruppenspezifische Entwicklung von Lebensläufen besonders gut analysiert werden.

    STICHWORT JUGEND-FRAGEBOGEN SOEP

    Mit Hilfe eines Jugendfragebogens werden im SOEP seit dem Jahr 2000 Daten zu kinder- und jugendspezifischen Themen erhoben. Diesen Fragebogen beantworten alle 17-jährigen Jugendlichen, die erstmals persönlich in einem SOEP-Haushalt befragt werden. Er enthält insbesondere rückblickende Fragen zur Schullaufbahn, zur Musikerziehung und zu sportlichen Aktivitäten und zur aktuellen Situation (schulische Leistung, Freizeitgestaltung, Jobben, Verhältnis zu den Eltern etc.). Darüber hinaus wird nach (Aus-)Bildungsplänen und Erwartungen an die berufliche und familiäre Zukunft gefragt. Die Jugenddaten sind mit den für den gesamten Haushalt erhobenen Daten verknüpfbar und ermöglichen so zahlreiche intergenerationale Analysen sowie Vergleiche mit jüngeren oder älteren Geschwistern. Die Anonymität der Befragten wird dabei voll gewahrt.

    Die Studie:

    When Growing Up Without a Parent Does Not Hurt: Parental Separation and the Compensatory Effect of Social Origin. European Sociological Review, 31, 546-557. DOI: 10.1093/esr/jcv057.

    http://esr.oxfordjournals.org/content/31/5/546.abstract

    Kontakt zum Wissenschaftler:

    Michael Grätz, E-mail: michael.gratz@EUI.eu


    Weitere Informationen:

    http://www.diw.de/soep Das Sozio-oekonomische Panel (SOEP)
    http://www.facebook.com/soepnet.de Das Sozio-oekonomische Panel (SOEP) auf Facebook


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten
    Ernährung / Gesundheit / Pflege, Gesellschaft, Pädagogik / Bildung, Psychologie
    überregional
    Forschungsergebnisse, Wissenschaftliche Publikationen
    Deutsch


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