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09.09.1998 00:00

14000 Jahre Blei in Schweizer Torfmoor

Prof. Dr. Annemarie Etter Corporate Communication
Universität Bern

    SPERRFRIST!!!
    Nicht veröffentlichen bevor:
    16:00 U.S. Ostzeit (22.00 MEZ), Donnerstag, den 10. September 1998

    14 000 JAHRE BLEIEMISSIONEN IN DIE ATMOSPHÄRE REGISTRIERT IM SCHWEIZER TORFMOOR WIE IM SCIENCE- MAGAZIN BERICHTET.

    Washington DC - Es wird oft angenommen, daß die Menschheit erst vor einer relativ kurzen Zeit mit Hilfe der modernen Technologie damit begonnen hat unsere Umwelt über weite Regionen hinaus zu verändern. Jetzt veranschaulichte eine Studie von Forschern der Universität Bern und auch der Universitäten von Liverpool, Kiew und Kopenhagen, wie die Menschheit schon seit Jahrtausenden ihre Umgebung dramatisch verändert hat und beschreibt den zunehmenden menschlichen Einfluß auf die atmosphärische Luftverschmutzung.

    Die Forscher rekonstruierten die Vorgänge in der Vergangenheit und zeigten, wie menschliche Aktivitäten den Anstieg des Bleigehalts in der Atmosphäre weit über den einst natürlichen Stand verursachten - und daß diese Aktivitäten schon vor 6000 Jahren begannen. William Shotyk von der Universität Bern und seine Kollegen analysierten die sich ändernden Werte und Quellen von Blei in der Atmosphäre im Verlauf der letzten 14000 Jahre durch das Studium der Torfschichten in einem uralten Moor im Schweizer Jura. Die Meßwerte zeigen, daß vom ersten Pflanzenanbau in Europa, dem Bergbau im Römischen Reich, mittelalterlichen Silberschmieden in Deutschland bis hin zu europäischen Petroleumfirmen in den 1970iger Jahren, alle mit der Abgabe von Blei oder bleihaltigem Staub in die Luft Spuren in diesem Torfmoor hinterlassen haben.

    In der Studie, die am 11. September im Science Magazin erscheint, verfolgten die Forscher natürliche Veränderungen von Blei und Staub in der Atmosphäre im Zusammenhang mit dem Zurückweichen der großen Eisplatten von Skandinavien.

    Obwohl Torfmoore und Eisbohrungen schon früher zur Analyse von atmosphärischen Bleiwerten für kurze Zeitspannen und bis zu mehreren Jahrtausenden zurück benutzt wurden, bieten Shotyk und seine Kollegen die erste vollständige Aufzeichnung einer circa 14000jährigen Zeitspanne - fast die gesamte Zeitspanne seit der letzten Eiszeit. Dadurch waren sie in der Lage, in den ersten 8000 Jahren natürliche Bleiemission mit dem Beitrag der Menschen während der folgenden Jahre zu vergleichen. Zur Lösung dieser Aufgabe machten die Forscher von der ungewöhnlichen Eigenschaft der meisten Torfmoore Gebrauch und zwar der Trennung der oberen Schichten vom Grund- und Oberflächenwasser. Daher wird angenommen, daß sich alle anorganischen Substanzen oder Staub in den Torfschichten aus der Atmosphäre angesammelt haben. Durch die Analyse der Schwermetalle und des Staubs, die sich auf der Oberfläche des Moors während seines Wachstums angesammelt haben, können die Wissenschaftler eine genaue Aufzeichnung der Luftqualität während der Lebensdauer des Moors erstellen. Außerdem konnten Shotyk und seine Kollegen den Ursprung der Bleiverschmutzung identifizieren - z.b. ob das Blei zum größten Teil vom Staub in Skandinavien, der während der zurückweichenden Gletscher ausgelöst wurde, oder aus Bleierz, das von Australien nach Europa kam und bei der industriellen Verarbeitung entwich.

    Die Forscher fanden, daß sich die natürlichen Meßwerte der Bleiabgabe in die Atmosphäre vor ungefähr 6000 Jahren veränderten, was wahrscheinlich durch die Erderosion bei der Flächenrodung für den Ackerbau früher Stämme verursacht wurde. (Baum- und Getreidepollen lassen darauf schließen, daß Menschen zu diesem Zeitpunkt mit der Rodung von Waldland und Pflanzenbau begannen.) Der Bericht zeigt auch große Schwankungen, die mit historischen Ereignissen, wie z.b. dem Aufstieg und Fall des Römischen Reichs und dem Beginn der industriellen Revolution in Europa, überstimmen.

    In einer Perspektive, die dem Bericht von Shotyk und seinen Kollegen beigefügt ist, deutet Jerome Nriagu darauf hin, daß Bleiablagerungen vielen Kulturen, inklusive den alten Griechen und Persern, als wertvolle Hilfsmittel gedient haben. "Da Blei eine so vielfältige gewerbliche Anwendung findet," schreibt Nriagu, "öffnen uns die Aufzeichnungen über seinen Abbau und Verwendungen ein Fenster, durch das wir alte Kulturen, Gebräuche, Handelsstraßen und sogar frühe Methoden der Massenproduktion einsehen können. Die Arbeit von Shotyk et al. ... wird unseren Horizont über die Geschichte des Bleis und seinen Einfluß auf die menschliche Kultur erweitern." Die Meßwerte des Torfmoors zeigen auch an, daß die Bleiwerte heute tatsächlich abzunehmen scheinen, da Benzin jetzt bleifrei und die Bleiemission der Industrie reduziert ist. Die Forscher bemerken jedoch, daß Bleiemissionen immer noch mehrere hundertmal höher sind als die natürlichen Werte, die in den über 6000 Jahre alten Proben festgestellt wurden.
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    Bestellung von Artikel Nr. 1: "Geschichte der Atmosphärischen Bleiablagerung seit 12370 14C Jahr BP von einem Torfmoor, Jura Gebirge, Schweiz," von W. Shotyk, D. Weiss, J. D. Kramers, S. Reese und W. O. Van Der Knaap an der Berner Universität, in Bern, Schweiz, P. G. Appleby an der Liverpool Universität in Liverpool, England, A. K. Cheburkin an der Ukrainischen Akademie der Wissenschaften in Kiew, Ukraine, R. Frei an der Kopenhagen Universität in Kopenhagen, Dänemark, M. Gloor am Schweizer Bundesforschungsinstitut für Forstwirtschaft, Schnee und Landschaftsforschung in Birmensdorf, Schweiz.
    Kontaktperson: William Shotyk, Telefon: 0041 31-631-8770 (Montag - Dienstag), 0041 31-631-8761 (Mittwoch - Freitag). Fax: 0041 31-631-4843, oder Email: shotyk@geo.unibe.ch

    Bestellung von Artikel Nr. 2: "Bleiproduktion und Emission in der Geschichte," von J. O. Nriagu an der Universität von Michigan in Ann Arbor, Michigan. Kontaktperson: Jerome O. Nriagu, Telefon: 001 734-936-0707, Fax: 001 734 764- 9424 oder Email: jnriagu@sph.umich.edu

    Bestellung von Kopien des Artikels oder einer Kopie der Umschlagsgestaltung durch Email scipak@aaas.org , Tel. 001 202-326-6440 oder per Fax 001 202-789-0455 des folgenden Formulars.

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    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Biologie, Geowissenschaften, Geschichte / Archäologie, Meer / Klima, Umwelt / Ökologie
    überregional
    Forschungsprojekte
    Deutsch


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