idw – Informationsdienst Wissenschaft

Nachrichten, Termine, Experten

Grafik: idw-Logo
Medienpartner:
Wissenschaftsjahr


Teilen: 
23.10.2015 15:36

Den Schulweg durch Kinderaugen sehen. Eyetracking-Projekt zum Verbessern der Sicherheit am Schulweg

Mag. Mark Hammer Marketing und Unternehmenskommunikation
Fachhochschule St. Pölten

    Was sehen Kinder im Straßenverkehr oder auf ihrem Schulweg? Und noch viel wichtiger: Was können sie alles nicht sehen? Das Forschungsprojekt „Augen auf!“ untersuchte die Wahrnehmung der „schwächsten“ VerkehrsteilnehmerInnen und ermöglicht, deren Blick mit eigenen Augen zu sehen und zu verstehen.

    Das Projekt „Augen auf“ macht Problempunkte auf Schulwegen sichtbar und bietet damit Städten und Gemeinden sowie Familien und Schulen Hilfe, um die Verkehrssicherheit im Schulumfeld zu erhöhen. Im Projekt wurden Schulwege analysiert, Gefahrenstellen auf diesen identifiziert und der Blickverlauf von Kindern mittels mobilem Eyetracking nachvollzogen und ausgewertet.

    „Kinder können erlebte Situationen am Schulweg und die Gefahren noch nicht ausreichend verbalisieren und reflektieren. Mittels instrumenteller Beobachtung des Blickverlaufs können wir aber für Erwachsene die Welt aus Kinderaugen sichtbar machen und so neue Erkenntnisse über die größten Gefahren am Schulweg gewinnen“, erklärt Johanna Grüblbauer, Leiterin des Projekts an der FH St. Pölten und stellvertretende Leiterin des dort angesiedelten Österreichischen Instituts für Medienwirtschaft.

    Hindernisse und fehlende Gehsteige
    So ergab die Analyse des Blickverlaufs zum Beispiel, dass 90 Prozent der Kinder nicht nach hinten sehen, bevor sie ein am Straßenrand geparktes Auto umgehen und die Fahrbahn betreten. Besonders gefährlich sind für Kinder auch Hauseinfahrten: Egal, ob die Tore wahrnehmbar offen oder geschlossen sind. Jedes zweite Kind lässt sich beispielsweise bei offenen Hauseinfahrten ablenken und denkt nicht an möglicherweise den Gehsteig überquerende Autos.

    Auch die Untersuchung der Hindernisse auf Schulwegen gab ein aufschlussreiches Bild: Auf jeder vierten untersuchten Strecke sind Gehsteige durch parkende Autos, Mülltonnen oder andere Gegenstände blockiert und bei 40 Prozent der Schulwege müssen die Kinder zumindest auf Abschnitten ohne Gehsteig auskommen, weil keiner vorhanden ist.

    Erwachsene sensibilisieren
    „Um die Schulwege sicherer zu machen, müssen aber auch die Erwachsenen und vor allem Eltern im Hinblick auf die ‚Sichtweisen‘ der Kinder sensibilisiert werden und es muss Grundwissen zur Wahrnehmung und des Verhaltens von Kindern vermittelt werden“, sagt Grüblbauer. Dazu werden im Projekt entstandene Videos und Publikationen verwendet.

    Im Projekt wurden mehrere Schulen eingebunden sowie PädagogInnen und Mitarbeitende im Bereich der Verkehrserziehung informiert. Den SchülerInnen und allen Beteiligten wurden zudem Grundlagen der Sichtfeldforschung vermittelt.

    Dabei wurde das sogenannte Buddy-Konzept angewendet: In einem ersten Schritt wurde älteren SchülerInnen Wissen über ihr eigenes Sehverhalten und die Blickmessung vermittelt. Nach dem Prinzip „Lernen durch Lehren“ haben die SchülerInnen dann Patenschaften für Volksschulkinder übernommen und sie nicht nur beim Eyetracking begleitet, sondern ihnen auch Wissenswertes zum „richtigen Schauen“ beibringen können.

    Somit wurde gewährleistet, dass nicht nur Erwachsene durch Messergebnisse neues Wissen generieren, sondern auch bei den SchülerInnen selbst ein Verständnis darüber geschaffen wurde, wie Sehen funktioniert und was Kinder warum sehen oder eben nicht sehen können (Blinder Fleck).

    Bautechnikpreis NÖ
    Zwei Schüler der HTL Krems wurden für ihre Arbeiten in dem Projekt mit dem zweiten Platz beim NÖ Bautechnikpreis 2015 ausgezeichnet. Am Projekt teilgenommen haben die Schulen VS Hafnerplatz Krems, HTL Krems, VS Grafenwörth, VS Fels und NNöMS Fels-Grafenwörth.

    PartnerInnen des Projekts waren neben der FH St. Pölten das Ziviltechnikbüro Retter & Partner als Konsortialführer (Volker Alberts) sowie Walk-Space.at – der österreichische Verein für FußgängerInnen (Dieter Schwab). Die Eyetracking-Analysen hat Johanna Grüblbauer gemeinsam mit Georg Neubauer durchgeführt, einem Studenten des Masterstudiums Digitale Medientechnologien an der FH St. Pölten.

    Projekt „Augen auf! Die Welt aus Kinderaugen sehen“
    Das Projekt „Augen auf! Die Welt aus Kinderaugen sehen“ wurde durch das Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie über die Österreichische Forschungsgesellschaft FFG im Rahmen des Programms „Talente entdecken: Nachwuchs – Talente regional“ gefördert.
    https://www.fhstp.ac.at/de/forschung/projekte/augen-auf-die-welt-aus-kinderaugen...

    Über die Fachhochschule St. Pölten
    Die Fachhochschule St. Pölten ist Anbieterin praxisbezogener und leistungsorientierter Hochschulausbildung in den sechs Themengebieten Medien & Wirtschaft, Medien & Digitale Technologien, Informatik & Security, Bahntechnologien & Mobilität, Gesundheit und Soziales. In mittlerweile 17 Studiengängen werden rund 2.300 Studierende betreut. Neben der Lehre widmet sich die FH St. Pölten intensiv der Forschung. Die wissenschaftliche Arbeit erfolgt zu den oben genannten Themen sowie institutsübergreifend und interdisziplinär. Die Studiengänge stehen in stetigem Austausch mit den Instituten, die laufend praxisnahe und anwendungsorientierte Forschungsprojekte entwickeln und umsetzen.

    Wissenschaftliche Kontakte:
    FH-Prof. Mag. (FH) Dr. Johanna Grüblbauer
    Stellvertretende Leiterin des Österreichischen Instituts für Medienwirtschaft
    Department Medien und Wirtschaft
    T: +43/2742/313 228 422
    E: johanna.grueblbauer@fhstp.ac.at
    I: https://www.fhstp.ac.at/de/uber-uns/mitarbeiter-innen-a-z/grublbauer-johanna

    DI (FH) Volker Alberts
    Innovation & E-Mobility
    AustriaTech – Gesellschaft des Bundes für technologiepolitische Maßnahmen GmbH
    T: +43/1/26 33 444-69
    M: +43/676/614 00 27
    E: Volker.Alberts@austriatech.at
    I: www.austriatech.at

    Pressekontakt:
    Mag. Mark Hammer
    Marketing und Unternehmenskommunikation
    T: +43/2742/313 228 – 269
    M: +43/676/847 228 – 269
    E: mark.hammer@fhstp.ac.at
    I: https://www.fhstp.ac.at/de/presse
    Pressetext und Fotos zum Download verfügbar unter: https://www.fhstp.ac.at/de/presse
    Allgemeine Pressefotos zum Download verfügbar unter: https://www.fhstp.ac.at/de/presse/pressefotos-logos
    Natürlich finden Sie uns auch auf Facebook und Twitter: www.facebook.com/fhstp, https://twitter.com/FH_StPoelten


    Anhang
    attachment icon Presseaussendung

    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, Lehrer/Schüler, Wissenschaftler
    Informationstechnik, Medien- und Kommunikationswissenschaften, Pädagogik / Bildung
    überregional
    Forschungsprojekte, Schule und Wissenschaft
    Deutsch


    Schülerin mit Eyetracking-Brille


    Zum Download

    x

    Stationäres Eyetracking (Blickverlaufsmessung) in der VS Fels


    Zum Download

    x

    Hilfe

    Die Suche / Erweiterte Suche im idw-Archiv
    Verknüpfungen

    Sie können Suchbegriffe mit und, oder und / oder nicht verknüpfen, z. B. Philo nicht logie.

    Klammern

    Verknüpfungen können Sie mit Klammern voneinander trennen, z. B. (Philo nicht logie) oder (Psycho und logie).

    Wortgruppen

    Zusammenhängende Worte werden als Wortgruppe gesucht, wenn Sie sie in Anführungsstriche setzen, z. B. „Bundesrepublik Deutschland“.

    Auswahlkriterien

    Die Erweiterte Suche können Sie auch nutzen, ohne Suchbegriffe einzugeben. Sie orientiert sich dann an den Kriterien, die Sie ausgewählt haben (z. B. nach dem Land oder dem Sachgebiet).

    Haben Sie in einer Kategorie kein Kriterium ausgewählt, wird die gesamte Kategorie durchsucht (z.B. alle Sachgebiete oder alle Länder).

    Cookies optimieren die Bereitstellung unserer Dienste. Durch das Weitersurfen auf idw-online.de erklären Sie sich mit der Verwendung von Cookies einverstanden. Datenschutzerklärung
    Okay