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02.11.2015 10:48

18,7 Mio. Euro für zwei neue Langzeitforschungsprojekte der Nordrhein-Westfälischen Akademie

Dirk Borhart Presse und Kommunikation
Nordrhein-Westfälische Akademie der Wissenschaften und Künste

    In ihrer Sitzung am 30.10.2015 hat die Gemeinsame Wissenschaftskonferenz (GWK) des Bundes und der Länder die Aufnahme von neun Langzeitforschungsprojekten in das Akademienprogramm 2016 der Union der deutschen Akademien der Wissenschaften beschlossen. Für die Nordrhein-Westfälische Akademie der Wissenschaften und der Künste werden die zwei Forschungsvorhaben „Dialektatlas Mittleres Westdeutschland (DMW)“ und „Averroes (Ibn Rušd) und die arabische, hebräische und lateinische Rezeption der aristotelischen Naturphilosophie“ neu in das Akademienprogramm aufgenommen. Damit ist NRW im größten geisteswissenschaftlichen Forschungsprogramm Deutschlands mit insgesamt 16 Vorhaben vertreten.

    Die neuen Forschungsprojekte:
    1. Dialektatlas Mittleres Westdeutschland (DMW)“
    Das Projekt „Dialektatlas Mittleres Westdeutschland (DMW)“ wird mit 8,1 Millionen Euro gefördert und hat eine Laufzeit von 17 Jahren(2016 – 2032). Es wird durchgeführt an den Universitäten Siegen, Münster, Paderborn und Bonn. Sprecherin der Projektleiter ist
    Professorin Dr. Petra M. Vogel, Professorin für Germanistik/Linguistik an der Universität Siegen.

    Zum Projekt:
    Angesichts des rapiden Rückgangs mundartlicher Sprachkompetenz vor allem gen Norden des deutschen Sprachgebiets ist es das Ziel des DMW, mittels einer ersten systematischen Erhebung aktueller Daten noch fassbare Bestände der Dialekte bzw. der maximal standardfernen Sprechweisen zweier Sprechergenerationen im mittleren Westen Deutschland zu dokumentieren und zu analysieren. Durch Neuerhebungen sollen die bisher noch nicht durch moderne Sprachatlanten erfassten maximal standardfernen Sprachvarietäten in Nordrhein-Westfalen (auf Dialekte bezogen neben Westfälisch, Niederfränkisch und Ripuarisch auch kleinere Gebiete Moselfränkisch, Mittel- bzw. Zentralhessisch und Ostfälisch) sowie im Südwesten von Niedersachsen (Westfälisch) und im Norden von Rheinland-Pfalz (Moselfränkisch) systematisch und umfassend kartografisch dokumentiert werden (phonetisch-phonologisch, morphologisch, syntaktisch, lexikalisch). Geographisch und auch methodisch schließt der DMW an wichtige existierende Atlasprojekte an. Gleichzeitig ist dadurch die Vergleichbarkeit der Daten gewährleistet. Die Forschungsergebnisse werden auch digital via Internet für wissenschaftliche Forschungsaktivitäten Dritter sowie für die interessierte Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

    2. Averroes (Ibn Rušd) und die arabische, hebräische und lateinische Rezeption der aristotelischen Naturphilosophie
    Das Projekt „Averroes (Ibn Rušd) und die arabische, hebräische und lateinische Rezeption der aristotelischen Naturphilosophie“ wird am Thomas-Institut der Universität zu Köln angesiedelt. Es hat eine Laufzeit von 25 Jahren (2016-2040) und wird mit 10,6 Millionen Euro gefördert. Leiter ist Professor Dr. Dr. h.c. Andreas Speer, Direktor des Thomas-Instituts der Universität zu Köln und Mitglied der Klasse für Geisteswissenschaften der Nordrhein-Westfälischen Akademie der Wissenschaften und der Künste.

    Zum Projekt:
    Die Aristoteleskommentare des Ibn Rušd oder Averroes (1126-1198) bilden eine Summe der spätantiken und der arabischen Rezeption der griechischen Philosophie. Als solche haben sie vor allem in ihren lateinischen und hebräischen Übersetzungen über Jahrhunderte einen prägenden Einfluss auf die jeweiligen Wissensdiskurse ausgeübt, insbesondere im Bereich der Naturphilosophie. Das Projekt hat einen noch unerschlossenen Ausschnitt aus Ibn Rušds Naturphilosophie zum Gegenstand, der zugleich einen Querschnitt durch die drei Sprachzweige der Überlieferung legt. Den vielfachen Verschränkungen in der arabischen, hebräischen und lateinischen Überlieferung dieser Texte wird durch die konsequente dreisprachige Ausrichtung der in fünf Teilprojekten organisierten Editionen Rechnung getragen. Thematisch geht es um die vollständige Edition aller Kommentare Ibn Rušds zur Naturphilosophie. Methodisch geht es darum, die Erforschung von Ibn Rušds erster Kommentarserie (die sogenannten Epitomai), die bisher nahezu keine kritische Edition erhalten hat, auf eine sichere Basis und in den Kontext ihrer Vorbilder aus der Hand Ibn Bāğğas (ca. 1075-1139) zu stellen. Hinsichtlich der lateinischen Überlieferung geht es um Vervollständigung und Abschluss der kritischen Edition aller Übersetzungen der naturphilosophischen Schriften Ibn Rušds aus dem 13. Jahrhundert. Für die Verknüpfung und den Vergleich der drei Sprachtraditionen und für die Aufbereitung der bestehenden Editionen und Vorarbeiten sowie für die Dokumentation aller Ergebnisse und Zwischenergebnisse des Projekts und die nachhaltige digitale Erschließung aller relevanten Materialien soll die bestehende digitale Plattform Digital Averroes Research Environment (DARE) Verwendung finden.


    Das Akademienprogramm
    Das Akademienprogramm ist ein seit 1979/80 von Bund und Ländern gemeinsam finanziertes Programm zur Förderung langfristig angelegter Forschungsvorhaben vornehmlich in den Geisteswissenschaften. Es dient der Erschließung, Sicherung und Vergegenwärtigung unseres kulturellen Erbes. Mit dem Akademienprogramm betreiben die deutschen Akademien der Wissenschaften das derzeit größte geistes- und sozialwissenschaftliche Forschungsprogramm der Bundesrepublik Deutschland. Es wird von der Union der deutschen Akademien der Wissenschaften koordiniert und hat 2016 ein Finanzvolumen von rund 62 Millionen Euro. Seit 2006 wird das Akademienprogramm jährlich ausgeschrieben. Um darin aufgenommen zu werden, müssen geisteswissenschaftliche Forschungsprojekte folgende Kriterien erfüllen: überregionale gesamtstaatliche Bedeutung, hohe wissenschaftliche Relevanz, eine Laufzeit zwischen 12 und 25 Jahren und ein finanzielles Mindestvolumen von 120.000 Euro im Jahr. Über den Haushalt des Akademienprogramms, die Aufnahme von Neuvorhaben und die Fortführung von laufenden Projekten entscheidet die Gemeinsame Wissenschaftskonferenz, in welcher der Bund und die Länder vertreten sind.

    Die 16 Akademienprojekte der Nordrhein-Westfälischen Akademie der Wissenschaften und der Künste:
    Universität Bielefeld
    • Niklas Luhmann – Theorie als Passion. Wissenschaftliche Erschließung und Edition des Nachlasses
    Universität Bochum
    • Herausgabe der Gesammelten Werke G. W. F. Hegels
    • Erforschung von jungen Sternen und Quasaren
    Universität Bonn
    • Deutsche Inschriften des Mittelalters
    • Ethik in den Biowissenschaften
    • Kulte im Kult
    • Rationalität im Lichte der experimentellen Wirtschaftsforschung
    • Herausgabe des Reallexikons für Antike und Christentum
    • Wörterbuch und Textdatenbank des klassischen Maya
    Universität Düsseldorf
    • Kleine und Fragmentarische Historiker der Spätantike
    Universität Köln
    • Sammlung, Kommentierung und Herausgabe von Papyrusurkunden
    • Edition der fränkischen Herrschererlasse
    • Averroes (Ibn Rušd) und die arabische, hebräische und lateinische Rezeption der aristotelischen Naturphilosophie (neu)
    Universität Münster
    • Novum Testamentum Graecum. Editio critica maior
    Universität Siegen
    • Dialektatlas Mittleres Westdeutschland (DMW) (neu)
    Universität Wuppertal
    • Arthur Schnitzler: Digitale historisch-kritische Edition (Werke 1905 bis 1931)


    Weitere Informationen:

    http://www.awk.nrw.de


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, Wissenschaftler, jedermann
    Geschichte / Archäologie, Philosophie / Ethik, Sprache / Literatur
    überregional
    Forschungsprojekte
    Deutsch


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