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09.11.2015 11:55

Wolfenbütteler Luther-Psalter und Septembertestament sind Weltdokumentenerbe

Antje Dauer Pressestelle
Herzog August Bibliothek

    Unter den 14 Luther-Schriften die von der UNESCO für das Dokumentenregister „Memory of the World“ ausgewählt wurden, befinden sich auch zwei Wolfenbütteler Stücke: Luthers „1. Psalmenvorlesung 1513 – 1515“ mit Marginalien und Glossen und „Das Neue Testament Deutsch“, gedruckt 1522 in Wittenberg. Die Liste mit ausgewählten Schriften Martin Luthers, darunter Manuskripte, Drucke, Flugschriften und Briefe, lassen sich als Meilensteine der Reformation verstehen, so die Vertreter des Leibniz-Instituts für Europäische Geschichte (IEG) in Mainz, die die Auswahl der Schriften in Kooperation mit internationalen Lutherforschern vorgenommen hatten.

    Das in nur einem einzigen Exemplar erhaltene lateinische Psalterium bildete die Grundlage für die erste Psalmenvorlesung Martin Luthers, die dieser von 1513 bis 1515 als Professor in Wittenberg hielt. Luther versah jede Seite des Psalters mit einer Vielzahl handschriftlicher Anmerkungen, die sein Verständnis des Textes widerspiegeln. Er stellt auch den frühesten gedruckten Luther-Text überhaupt dar. Mit einem weiten Zeilenabstand und einem breiten Rand versehen, boten die Psaltertexte, die Luther kommentierte, viel Raum für umfangreiche Ergänzungen und Notizen. Die zahlreichen handgeschriebenen Zeilen- und Randglossen Luthers lassen noch heute seine Theologie zu Beginn seiner Lehrtätigkeit Schritt für Schritt nachvollziehen.

    Die Erstausgabe der Übersetzung des Neuen Testaments durch Martin Luther erschien am 20. September 1522 ohne Verfassername. Daher ist sie unter dem Namen Septembertestament bekannt. Auf der Wartburg hatte Luther in elf Wochen das Neue Testament als Erster aus dem griechischen Urtext ins Deutsche übersetzt. Das Werk ist mit 21 Holzschnitten illustriert, die anschließend handkoloriert wurden. Das Septembertestament verleugnete seine Entstehung in einer Zeit der Auseinandersetzungen mit dem Papst nicht. So ist etwa in der Holzschnittillustration von Lucas Cranach dem Älteren die Hure Babylon auf dem siebenköpfigen Drachen (Offenbarung Johannis, Kapitel 17) mit der päpstlichen Tiara bekrönt.

    Der Wolfenbütteler Psalter ist derzeit in einer Sonderausstellung der Herzog August Bibliothek zu sehen: Im Mittelpunkt der Ausstellung „[HAB]: Gedanken am Rande. Marginalien in Bild und Text 800-1800“ stehen die am Rande von Handschriften und Drucken platzierten Bemerkungen, deren Funktionen im Zusammenhang mit Texten und Bildern veranschaulicht werden sollen. Die Ausstellung in der Augusteerhalle und im Kabinett der Herzog August Bibliothek ist noch bis zum 15. November 2015, Dienstag bis Sonntag von 10 bis 17 Uhr, zu sehen.

    Die Schriften Luthers werden in der Liste der deutschen Beiträge für das Memory oft the World-Register der UNESCO unter dem Titel „Frühe Schriften der Reformationsbewegung“ geführt. Das UNESCO-Weltregister „Memory of the World“ ist ein weltumspannendes digitales Netzwerk mit ausgewählten herausragenden Dokumenten: wertvollen Buchbeständen, Handschriften, Partituren, Unikaten, Bild-, Ton- und Filmdokumenten. Deutschland, das bereits mit 22 Einträgen vertreten ist, macht über das seit 1999 bestehende Nationale Nominierungskomitee alle zwei Jahre Vorschläge zur Aufnahme in das Register. Ziel ist es, dokumentarische Zeugnisse von außergewöhnlichem Wert in Archiven, Bibliotheken und Museen zu sichern und auf neuen informationstechnischen Wegen zugänglich zu machen.


    Weitere Informationen:

    http://www.hab.de


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, Wissenschaftler, jedermann
    Geschichte / Archäologie, Kunst / Design, Philosophie / Ethik, Religion, Sprache / Literatur
    überregional
    Buntes aus der Wissenschaft, Wettbewerbe / Auszeichnungen
    Deutsch


    Martin Luther Psalter, Auslegung zu Psalm 6


    Zum Download

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    Septembertestament, Holzschnittillustration von Lucas Cranach


    Zum Download

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