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10.11.2015 16:12

Neues Buch: Mittelalter, wohin man blickt

Marco Bosch Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Julius-Maximilians-Universität Würzburg

    Was haben das Bürgerliche Gesetzbuch, die deutschen Autobahnen und das Logo einer italienischen Automarke mit dem Mittelalter zu tun? Darauf gab eine Ringvorlesung Antwort, deren Vorträge jetzt in einem Buch erschienen sind: „Überall ist Mittelalter“.

    Das Mittelalter ist überall: Es gibt massenhaft Romane, die von dieser Epoche erzählen, und Sommer für Sommer werben zahlreiche Ritterspiele und Mittelalterfeste um Besucher. Aber nicht alles, was es heute zu lesen oder zu erleben gibt, ist „Mittelalter pur“. Oft werden zum Beispiel die Hexenverfolgungen mit dem Mittelalter in Verbindung gebracht – dabei fanden sie erst in der Frühen Neuzeit statt, vom 16. bis ins 18. Jahrhundert. Das Mittelalter dagegen dauerte ungefähr von 500 bis 1500.

    Was also gehört wirklich zum Mittelalter? Darüber konnten sich die Besucher der Ringvorlesung „Überall ist Mittelalter“ im Wintersemester 2014/15 an der Uni Würzburg schlau machen. Organisiert wurde die Vortragsreihe von Professorin Dorothea Klein (Germanistik) und Professor Franz Fuchs (Geschichte). „Das Mittelalter ist heute wirklich noch überall“, sagt Fuchs, „es steckt in Institutionen und Strukturen des politischen, wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Lebens, im Wortschatz, in der Kunst und der Literatur. Das wollten wir mit der Reihe zeigen.“

    Grußformeln mit alten Wurzeln

    Beispiele gefällig? Professor Fuchs kann jede Menge aufzählen: Das süddeutsche „Grüß Gott“ hat einen mittelalterlichen Ursprung; es leitet sich vom Lateinischen ab und bedeutet „Gott möge dich gesund bewahren“. Auch wenn man sich zur Begrüßung die Hand gibt, ist das Mittelalter im Spiel: „Die Geste sollte ursprünglich zeigen, dass man unbewaffnet ist und keine bösen Absichten hat“.

    Autobahnnetz spiegelt Königswege wider

    Über 90 Prozent der deutschen Städte und Dörfer sind im Mittelalter entstanden, und die Anordnung ihrer Straßenzüge ist bis heute im Wesentlichen mittelalterlich geprägt. „Sogar der Verlauf des modernen Autobahnnetzes entspricht noch in frappierender Weise dem der mittelalterlichen Königswege“, sagt Fuchs: Auf diesen Wegen waren damals die Herrscher unterwegs, denn sie hatten keine festen Residenzen und regierten „vom Sattel aus“, bewegten sich in ihren Reichen also ständig auf bestimmten Routen hin und her.

    Mittelalter im Gesetz und in der Werbung

    Romane sind ebenso eine Erfindung des Mittelalters wie die Räderuhren, die aufs 13. Jahrhundert zurückgehen: Mit ihrem mechanischen Uhrwerk aus Zahnrädern ermöglichten sie erstmals eine Zeitmessung unabhängig von Naturbeobachtungen. Auch im Bürgerlichen Gesetzbuch steckt noch sehr viel Mittelalter drin. Nicht zuletzt ist diese Epoche „omnipräsent in der Werbung, allein schon durch den Gebrauch von Wappen“, so Fuchs. Das Logo der Automarke Alfa Romeo zum Beispiel enthält das Wappen der alten italienischen Adelsfamilie Visconti.

    Buch zur Vortragsreihe erschienen

    Wer mehr darüber erfahren will, wo das Mittelalter heute noch präsent ist: Dorothea Klein hat mit Franz Fuchs ein Buch herausgegeben, in dem alle Vorträge der Reihe „Überall ist Mittelalter“ abgedruckt sind. Das Buch ist in diesen Tagen in der Reihe des interdisziplinären „Kollegs Mittelalter und Frühe Neuzeit“ der Uni Würzburg erschienen.
    „Überall ist Mittelalter. Zur Aktualität einer vergangenen Epoche“, Würzburger Ringvorlesungen, Bd. 11, Verlag Königshausen & Neumann, Würzburg 2015, 38,00 Euro, ISBN: 978-3-8260-5832-5


    Weitere Informationen:

    http://www.presse.uni-wuerzburg.de Pressestelle der Uni Würzburg


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, Lehrer/Schüler, Studierende, Wissenschaftler, jedermann
    Geschichte / Archäologie, Gesellschaft, Kulturwissenschaften, Medien- und Kommunikationswissenschaften
    überregional
    Buntes aus der Wissenschaft, Forschungs- / Wissenstransfer
    Deutsch


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