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13.12.2015 16:42

Kulturwissenschaft mit hybridologischer Perspektive: Festschrift für Elka Tschernokoshewa erschienen

Friedrich Pollack Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Sorbisches Institut / Serbski Institut

    Vor 15 Jahren erschien am Sorbischen Institut in Bautzen der erste Band der Schriftenreihe „Hybride Welten“. Mit ihm begann die vertiefende Auseinandersetzung mit der hybridologischen Forschungsperspektive, die mehrkulturelle Beziehungsgeflechte von Minderheiten wie den Lausitzer Sorben vergleichend untersucht. In einer Festschrift, die der langjährigen Leiterin der Abteilung Empirische Kulturforschung/Volkskunde am Sorbischen Institut PD Dr. Elka Tschernokoshewa gewidmet ist, werden die von ihr gesetzten Forschungsimpulse von mehr als 30 Gratulantinnen und Gratulanten nun gewürdigt.

    Seit dem Erscheinen der empirischen Untersuchung „Das Reine und das Vermischte – Die deutschsprachige Presse über Andere und Anderssein am Beispiel der Sorben“ in der Reihe „Hybride Welten“ sind 15 Jahre vergangen. Die Autorin der Studie Elka Tschernokoshewa, zugleich Begründerin und Herausgeberin der Reihe „Hybride Welten“ im Waxmann Verlag, feierte Anfang dieses Jahres ihren 65. Geburtstag und verabschiedete sich damit nach mehr als 20-jähriger Forschungstätigkeit am Sorbischen Institut in Bautzen von Kolleginnen und Kollegen sowie zahlreichen Wegbegleiterinnen und Wegbegleitern.

    Die diesem Anlass gewidmete Festschrift versammelt mehr als 30 Beiträge von Autorinnen und Autoren aus Deutschland, Großbritannien, Russland, Bulgarien, Slowenien, Taiwan, der Schweiz und Österreich, darunter namhafte Vertreterinnen und Vertreter der Europäischen Ethnologie wie Christine Burckhardt-Seebass, die sich mit der Hybridologie Tschernokoshewas anhand der Patchwork-Metapher und eines aus Soldatenuniformen genähten Flickenteppichs auseinandersetzt. Ullrich Kockel beleuchtet hybride Ethnologien des Eigenen, Fremden und Dritten und begibt sich zusammen mit Máiréad Nic Craith auf toposophische Erkundungen bei den Pfälzern in Irland. Konrad Köstlin verortet die Hybridität als beredete Moderne, wo er die Herrschaft der Eindeutigkeit von Codes nicht nur bei den Sorben an ihrem Ende angekommen sieht. Dieter Kramer konstatiert den Gewinn aus Hybridität in verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen durch die Anerkennung und Bestätigung des Rechts auf Vielfalt. Für Kasper Maase ist die Hybridologie Anlass, sich der kulturwissenschaftlichen Theoretisierung des Populären zu widmen und Bernd-Jürgen Warneken inspiriert sie zur Formulierung idealtypischer Phasen bei der Beilegung von Moscheekonflikten.

    Diese und weitere Themenfelder widerspiegeln die Vielseitigkeit von Elka Tschernokoshewas Forschungs- und Beziehungsgeflecht in exemplarischer Weise: So beschäftigt sich ein großer Teil der Beiträge philosophisch mit hybriden Weltbildern. Tradierte dichotomisierende Paradigmen in der Gesellschaft werden infrage gestellt und die Hybridologie vergleichend mit anderen transkulturellen Forschungsansätzen dazu genutzt, um Alternativen zu diesen dualistischen Weltentwürfen im wissenschaftlichen Diskurs voranzutreiben. Weitere Artikel bündeln sinnesübergreifend Überlegungen aus ästhetisch-künstlerischer Perspektive, wenn etwa hybride Phänomene in der Musik Österreichs und Bulgariens beschrieben werden.

    Schließlich werden auch zu überwindende Dichotomien in der Gender-Problematik thematisiert. Die Gesamtschau ergibt ein Kaleidoskop an Denkanstößen und neuem Wissen durch transdisziplinäre Dialoge, transkulturelle Vergleiche sowie anwendungsorientierte Interpretationen des hybridologischen Theoriegebäudes.

    Gemäß der Konzeption der Reihe „Hybride Welten“ zeichnet sich auch deren achter Band durch den schöpferischen Dialog von Wissenschaft und Kunst aus – in sprachlicher Verdichtung durch Gedichte der sorbischen Lyrikerin Róža Domašcyna sowie durch die bildliche Illustration der Diskussion um Hybridität mit Grafitzeichnungen von Maja Nagel.

    Veröffentlichung:
    INES KELLER, FABIAN JACOBS (Hrsg.): Das Reine und das Vermischte – 15 Jahre danach. Münster: Waxmann 2015, 396 Seiten, br., mit Grafiken von Maja Nagel, 39,90 €, ISBN 978-3-8309-3255-0. E-Book: 35,99 €, ISBN 978-3-8309-8255-5.

    Das Sorbische Institut/Serbski Institut mit Sitz in Bautzen und Cottbus ist eine außeruniversitäre wissenschaftliche Einrichtung, die sich der Erforschung von Sprache, Geschichte und Kultur der Lausitzer Sorben in interdisziplinärer und vergleichender Absicht widmet. In der vom Institut begründeten Schriftenreihe „Hybride Welten“ sind seit 2000 acht Bände erschienen.

    Kontakt:
    si@serbski-institut.de

    SORBISCHES INSTITUT - SERBSKI INSTITUT
    Bahnhofstraße 6
    D-02625 Bautzen

    http://www.serbski-institut.de


    Weitere Informationen:

    http://www.serbski-institut.de/cms/de/710/Hybride-Welten-8


    Anhang
    attachment icon Inhaltsverzeichnis des Bandes

    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, Studierende, Wissenschaftler, jedermann
    Gesellschaft, Kulturwissenschaften, Kunst / Design, Medien- und Kommunikationswissenschaften, Pädagogik / Bildung
    überregional
    Personalia, Wissenschaftliche Publikationen
    Deutsch


    Cover: Hybride Welten, Bd. 8


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