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02.06.2003 14:27

Geburtshelfer der modernen Theologie

Axel Burchardt Abteilung Hochschulkommunikation/Bereich Presse und Information
Friedrich-Schiller-Universität Jena

    Theologen der Universität Jena präsentieren Buch zum 250. Geburtstag von Johann Philipp Gabler am 4. Juni

    Jena (02.06.03) Bis ins 19. Jahrhundert war Theologie ein ungeteiltes Fach, war die Bibel ein einziges Buch. Mit Johann Philipp Gabler setzte "ein Umbruch der Wissenschaftsorganisation der Theologie des 19. Jahrhunderts ein", sagt Prof. Dr. Christfried Böttrich - "es war die Geburtsstunde der modernen Theologie". Gabler war im Protestantismus formbildend bei der Fächeraufspaltung. "Er gehört zu den ersten Theologen, die das Neue und das Alte Testament als eigenständige Teildisziplinen gesehen haben", ergänzt Prof. Dr. Karl-Wilhelm Niebuhr. Die beiden Jenaer Theologen haben nun das Buch "Johann Philipp Gabler (1753-1826) zum 250. Geburtstag" herausgegeben, das pünktlich zum Jubiläum am 4. Juni 2003 erscheint. Zur Präsentation lädt die Theologische Fakultät der Universität Jena am Mittwoch (04.06.) um 15 Uhr in die Jenaer Universitätsbuchhandlung (Schloßgasse 3/4) ein.

    "Gabler ist in den biblischen Disziplinen der Theologie eine der wichtigsten Gestalten des 19. Jahrhunderts", sagt Prof. Niebuhr. Gabler verantwortet die Loslösung von biblischer und dogmatischer Theologie. Seine Bedeutung für die theologische Wissenschaftskultur in Europa wurde bisher kaum wahrgenommen. Sie kann in dem in der Evangelischen Verlagsanstalt Leipzig erscheinenden Buch aus den hier erstmals publizierten Akten des Jenaer Universitätsarchivs deutlich belegt werden. Diese neuen Wissenschaftsstrukturen präsentierte der Aufklärungstheologe - was nach damaliger Meinung mit "unfrommer Typ" gleichzusetzen war, erklärt Niebuhr - bereits in seiner berühmten Altdorfer Antrittsrede am 30. März 1787. Die dort vorgenommene Unterscheidung zwischen Biblischer Theologie und Dogmatik hatte weitreichende Folgen. Bis heute besteht ein Konflikt zwischen Universitätstheologie und kirchlicher Lehre, der bei Gabler "erstmals in aller Klarheit zu Tage tritt", so Niebuhr.

    Doch neben fachspezifischer hat Gabler auch regionale und universitätshistorische Bedeutung. Seit 1804 lehrte er für 22 Jahre als Theologie-Professor an der Jenaer Universität. Dort machte er Karriere, war 19 Semester Dekan und fünfmal Prorektor. So verhandelte der Theologe u. a. 1806 mit Napoleon über die Wiederaufnahme des Lehrbetriebs und betrieb die Auflösung der Jenaer Burschenschaften mit. Er war eine der prägenden Persönlichkeiten jener Ära, die die Blütezeit der Jenaer Universität mit bewirkten. "Wenn man Theologie studierte, ging man damals nach Jena, was Gabler mit zu verdanken ist", sagt Böttrich.

    Doch bereits Gablers Studium, das der gebürtige Frankfurter 1772 in Jena aufnahm, endete außergewöhnlich. Er schloss es 1778 mit einer "Habilitationspromotion" ab, deren ungewöhnliche Geschichte Dr. Ulrich Rasche im neuen Band darstellt. Neben historischen Arbeiten präsentiert Böttrich eine Sammlung aller erhaltenen Gabler-Porträts. "Bilder schaffen ein besseres Verständnis für die Zeit", begründet Böttrich seinen kunsthistorischen Ausflug, "und machen eine Publikation anschaulicher". Einige biographische Notizen aus der Feder von Zeitgenossen sowie eine vollständige Bibliographie der Schriften Gablers runden den Band ab.

    Somit bildet das Buch der Jenaer Neutestamentler nicht nur eine wichtige Grundlage für die Geschichte der Theologie. Der Band ist eine Aufarbeitung des theologischen Erbes der Jenaer Fakultät und hat damit universitätshistorische Bedeutung - auch mit Blick auf die neue Universitätsgeschichte, die 2008 zum 450. Jubiläum der Universität Jena erscheinen wird. Nicht zuletzt wird eine Persönlichkeit der Jena-Weimarer Region, denn Gabler war auch Großherzoglich-Weimarischer Kirchenrat, in ihrer "Thüringer" Prägung und Wirkung dargestellt.

    Kontakt:
    Prof. Dr. Karl-Wilhelm Niebuhr
    Theologische Fakultät der Universität Jena
    Fürstengraben 6, 07743 Jena
    Tel.: 03641 / 941120
    Fax: 03641 / 941112
    E-Mail: Karl-Wilhelm.Niebuhr@uni-jena.de

    Hinweis für die Redaktionen:
    Bilder von Gabler können bei der Pressestelle der Universität Jena angefordert werden unter Tel. 03641 / 931030 oder per Mail an: presse@uni-jena.de.


    Bilder

    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Geschichte / Archäologie, Philosophie / Ethik, Religion
    überregional
    Wissenschaftliche Publikationen
    Deutsch


     

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