„Opioid-Abhängigkeit bei Schmerzpatienten ist ein überschätztes Problem“

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04.03.2016 09:49

„Opioid-Abhängigkeit bei Schmerzpatienten ist ein überschätztes Problem“

Nicole Zeuner Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin e.V.

    Der Einsatz von Opioiden bei nicht-tumorbedingten Schmerzen wird immer wieder kontrovers diskutiert. Der Grund: Ärzte und Patienten befürchten eine Abhängigkeit von diesen stark wirksamen Schmerzmedikamenten im Sinne von Sucht. Beim Deutschen Schmerz- und Palliativtag diskutierten Experten über die Wahrscheinlichkeit einer Opioid-Abhängigkeit mit dem Ergebnis: Das Risiko einer Abhängigkeit ist in der Praxis bedeutend weniger relevant als befürchtet. Viel wichtiger sei es, Patienten mit starken Schmerzen wirksame Therapien nicht vorzuenthalten.

    Laut Dr. Oliver Emrich, Facharzt für Allgemeinmedizin und Spezielle Schmerztherapie in Ludwigshafen sowie Vizepräsident der Deutschen Gesellschaft für Schmerzmedizin e.V. (DGS), ist die Opioid-Abhängigkeit in Deutschland ein überschätztes Problem. Aber selbst Schmerzexperten befürchten bei einem längerfristigen Einsatz die Abhängigkeit von stark wirksamen Schmerzmitteln.

    In der S3-Leitlinie „LONTS“ zur Langzeitanwendung von Opioiden bei nicht-tumorbedingten Schmerzen heißt es: „Um die möglichen Risiken einer Therapie mit opioidhaltigen Analgetika zu minimieren, sollen Kontraindikationen berücksichtigt sowie Wirksamkeit und Nebenwirkungen regelmäßig überprüft werden.“ Diesem Vorgehen stimmten auch die Experten beim Deutschen Schmerz- und Palliativtag zu, allerdings mit einer Priorisierung der Schmerzlinderung zur Verbesserung der Lebensqualität chronisch schmerzkranker Patienten.

    „Obwohl sich Opioide weltweit durch Wirksamkeit und Verträglichkeit gegenüber vielen Formen von Schmerzen etabliert haben, besteht eine weit verbreitete Opioidphobie“, sagte Dr. Johannes Horlemann, Facharzt für Innere Medizin und Allgemeinmedizin mit der Zusatzbezeichnung Spezielle Schmerztherapie und Palliativmedizin in Kevelaer und ebenfalls Vizepräsident der DGS. Konsens bestehe in der Anwendung und Dauertherapie von Opioiden bei Palliativpatienten, jedoch nicht bei der großen Zahl bei Patienten mit nicht-tumorbedingten Schmerzen. Einig sei man sich zudem darin, in der Langzeittherapie Retardopioide den schnell wirksamen Opioiden vorzuziehen.

    Der wichtigste Gesichtspunkt in der Langzeittherapie mit Opioiden besteht aus Sicht der Experten beim Deutschen Schmerz- und Palliativtag in der Berücksichtigung individueller Kriterien – im Sinne einer streng patientenorientierten und schmerzmedizinisch begleiteter Therapie.

    Der Deutsche Schmerz- und Palliativtag 2016 – Patientenversorgung im Mittelpunkt
    Der jährlich stattfindende Deutsche Schmerz- und Palliativtag ist mit 2.500 Teilnehmern der größte deutsche Versorgungskongress für den Bereich Schmerz. Veranstalter ist die Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin e.V. (DGS). Mitveranstalter sind die Patientenorganisation Deutsche Schmerzliga e.V. (DSL) und die Deutsche Gesellschaft für Interdisziplinäre Palliativversorgung e. V. Vorrangiges Ziel ist die Vermittlung besonders praxisnaher und alltagstauglicher schmerzmedizinischer Inhalte – am Patienten orientiert und direkt aus der Forschung in die tägliche Arbeit übersetzbar. Der Kongress dauert noch bis zum 05. März.

    Weitere Informationen unter www.schmerz-und-palliativtag.de


    Weitere Informationen:

    http://www.dgschmerzmedizin.de


    Anhang
    attachment icon Pressemeldung Deutscher Schmerz-und Palliativtag_030316_Opioidabhängigkeit bei Schmerzpatienten

    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten
    Ernährung / Gesundheit / Pflege, Medizin
    überregional
    Buntes aus der Wissenschaft, Wissenschaftliche Tagungen
    Deutsch


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