Frauen zeigen ihr Gesicht, Männer ihre Filme [1]

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08.05.2016 16:39

Frauen zeigen ihr Gesicht, Männer ihre Filme [1]

Jette Beyer Presse und Öffentlichkeitsarbeit
Hochschule für Fernsehen und Film München

    HFF München initiiert Studie zur Untersuchung der Repräsentanz von Filmwerken von Frauen im Programm deutscher Filmfestivals / Tanja C. Krainhöfer legt Pilotstudie in Kooperation mit Verband der Bayerischen Filmfestivals vor / Initiiert von HFF-Frauenbeauftragter Maya Reichert / Aufbauend auf Gender-Forschung von HFF-Professorin Michaela Krützen / Studien-Fazit: Nur eins von 19 untersuchten Filmfestivals weist ausgeglichenes Geschlechterverhältnis im Filmprogramm auf / Ansonsten sind Frauen im Programm deutscher Filmfestivals deutlich unterrepräsentiert / Tanja C. Krainhöfer am 08. Mai 2016 bei Pro Quote Regie Veranstaltung im Rahmen des 31. DOK.fest in der HFF München

    08. Mai 2016 – Auf Initiative der Frauenbeauftragten der Hochschule für Fernsehen und Film (HFF) München Maya Reichert hat Strategieberaterin und Medienwissenschaftlerin Tanja C. Krainhöfer die Repräsentanz von Filmwerken von Frauen auf 19 deutschen Filmfestivals untersucht. Fazit: Frauen sind dort deutlich unterrepräsentiert – lediglich auf einem Festival lag ein ausgeglichenes Geschlechterverhältnis im Filmprogramm vor. Die Pilotstudie in Kooperation mit dem Verband der Bayerischen Filmfestivals trägt den Titel Frauen zeigen ihr Gesicht, Männer ihre Filme. Krainhöfer schließt damit an die Gender-Forschung am Lehrstuhl von HFF-Professorin Michaela Krützen für Kommunikations- und Medienwissenschaft an, die zuletzt mit der Analyse FILME.MACHERINNEN die Karrierewege von HFF Absolventinnen untersuchte.
    HFF-Präsidentin Prof. Bettina Reitz: „Mit Blick auf unsere aktuellen Studierenden- und Absolventenjahrgänge sehe ich: Wir bilden ebenso viele Studentinnen wie Studenten für das Filmemachen aus. Umso alarmierender ist es, dass sich die schlechteren Chancen für Filmemacherinnen im Kino und Fernsehen in der Filmfestivallandschaft fortsetzen. Dies gilt umso mehr, da allein das rasant wachsende Netz an deutschen Filmfestivals für eine Vielzahl von Filmen eine sehr wichtige Publikums- und Branchenplattform für die Wahrnehmung von Filmemacherinnen und -machern ist und dank mitunter hoch dotierter Preise und Aufführungsgebühren auch eine ernstzunehmende Einnahmequelle darstellt.“

    Fragestellung, Forschung, Fazit – Filmemacherinnen auf Festivals unterrepräsentiert
    In ihrer Untersuchung der Repräsentanz von Filmwerken von Frauen im Programm deutscher Filmfestivals stellt Tanja C. Krainhöfer die Ausgangsfrage: Inwieweit weichen die für die Programme bayerischer Filmfestivals ausgewählten Filmewerke von Frauen im Vergleich zu denen von Männern quantitativ ab und inwiefern unterscheiden sich die Filmwerke von Frauen und Männern in Bezug auf spezifische Merkmale wie z.B. Lauflänge, Gattung, Herstellungsjahr. Sie prüfte dafür die Programme von 19 Filmfestivals im Jahr 2015. Die Analyse zeigt, dass die Geschlechterverteilung gemittelt über alle untersuchten Filmfestivalprogramme 27 Prozent für den Anteil von Frauen inszenierter Filme zu 73 Prozent von Männern inszenierter Filme beträgt. Dies entspricht annähernd einem Verhältnis von 1:3. Auf den deutschen Programmteil beschränkt, erreichen Produktionen von Frauen 32 Prozent, womit sich das Verhältnis in Richtung 1:2 anhebt.
    Selbst wenn man berücksichtigt, dass sich der wie durch diverse Studien nachgewiesen geringere Produktionsoutput von Regisseurinnen zwangsläufig auf den Pool an selektierbaren Produktionen von Frauen und infolge auf den Programmumfang von Filmfestivals auswirken muss, demonstrieren weiterführende Quoten‐Vergleiche dennoch Abweichungen, die weit über diese Korrelation hinausgehen.
    Während deutsche Regisseurinnen auch nur 22 Prozent des jährlichen Produktionsvolumens an abendfüllenden Spielproduktionen (Prommer/ Loist: 2015) für sich verbuchen können, reduziert sich der Anteil an langen Spielfilmen im Programm der Filmfestivals jedoch nochmals um fast die Hälfte auf nur noch 12 Prozent und zieht somit ein Geschlechterverhältnis von nahezu 1 : 9 nach sich. Auch dieses Ergebnis deutet darauf hin, dass Festivalbeiträge von Frauen zum Großteil Produktionen von geringerem Budget darstellen, wie Kurz‐ oder mittellange Filme sowie Dokumentar- und Animationsfilme.
    Hinzu kommt noch, dass die Höhe der Preise deutlich zugunsten von Filmen von Regisseuren ausfallen. In der vorliegenden Stichprobe erzielen die vier höchst dotierten Preise und damit auch den höchsten Preis im Wert von 50.000 Euro Filme von Männern.
    FAZIT: Auch wenn EINES unter den 19 untersuchten Filmfestivals ein ausgeglichenes Geschlechterverhältnis in seinem Programm aufweist, sind Frauen im Programm deutscher Filmfestivals deutlich unterrepräsentiert.
    Auch wenn sich der nachweislich geringere Produktionsoutput von Regisseurinnen folgerichtig im Programm der Filmfestivals niederschlägt, besteht jedoch in der Korrelation zwischen dem Umfang an jährlichen Produktionen von Frauen und deren Präsenz im Programm der Festivals eine erhebliche Diskrepanz.
    Darüber hinaus legen die aufgezeigten Trends nahe, dass von Frauen inszenierte Filmwerke qualitativ betrachtet keineswegs hinter Filmen von Männern zurückstehen. Deutlich wird dies in den Zahlen der Geschlechterverteilung unter den Wettbewerbsgewinnern sowie der Festival-Hits (Filme, die bei mehreren Festivals programmiert wurden).
    In Gesprächen mit einigen der untersuchten Filmfestivals wurde deutlich, dass diese größtenteils eine Geschlechter‐Gleichstellung befürworten – sich zum Teil sogar der Initiative Pro Quote Regie angeschlossen haben – jedoch aufgrund der hohen Komplexität und starken Zwängen bei der Programmgestaltung eine ausgeglichene Geschlechterverteilung nicht konsequent umsetzen.
    Als einziges Ausnahmebeispiel erweisen sich derzeit auf dem deutschen Filmfestivalmarkt die Internationalen Kurzfilmtage Oberhausen, die sich in einer Selbstverpflichtung auferlegt haben, Wettbewerbe genderausgeglichen zu programmieren.
    Mit dem Wissen, dass Filmfestivalprogramme selbst hinsichtlich des Kurzfilms – als ausgewiesenes Nachwuchs‐Format – keine Genderausgeglichenheit aufweisen, während gleichzeitig an deutschen Filmhochschulen eine ausgewogenen Geschlechterverteilung unter den Studierenden angestrebt wird, zeigt sich eine Benachteiligung der Regisseurinnen, die bereits vor dem Einstieg ins Berufsleben ihren Anfang nimmt.
    [Die gesamte Studie steht ab 09. Mai zum Download zur Verfügung unter www.filmfestival-studien.de]

    HFF-Präsidentin Bettina Reitz und Tanja Krainhöfer bei Pro Quote Regie beim DOK.fest
    Auch auf dem DOK.fest München ging es am heutigen 08. Mai um die Frauenquote. „Warum nur ein Drittel der Mittel, wenn Frauen der halbe Himmel gehört? – Zur Lage der Dokumentarfilm-regisseurinnen“ – dazu hatte Pro Quote Regie in die HFF München geladen. Nach Begrüßungen des DOK.fest-Leiters Daniel Sponsel und HFF-Präsidentin Prof. Bettina Reitz diskutierten auf dem Podium: Dr. Klaus Schäfer, Geschäftsführer FFF Bayern, Petra Felber, Redaktionsleiterin Dokumentarfilm Bayerischer Rundfunk, Dr. Prisca Bronsi, Lehrstuhl für Strategie und Organisation an der TU München, Ingo Fliess, Produzent if...Productions Vertrieb DocCollection und Tanja C. Krainhöfer.

    [1] Frei nach Fanny Cottençon, Virginie Despentes, Coline Serreau
    „A Cannes, les femmes montrent leurs bobines, les hommes, leurs films“ In: Le Monde (11.05.2012)


    Weitere Informationen:

    http://www.filmfestival-studien.de
    http://www.hff-muenchen.de


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten
    Medien- und Kommunikationswissenschaften
    überregional
    Wissenschaftliche Publikationen
    Deutsch


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