Verlagskorrespondenz der Brüder Grimm künftig in der Universitätsbibliothek Kassel

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25.05.2016 14:58

Verlagskorrespondenz der Brüder Grimm künftig in der Universitätsbibliothek Kassel

Sebastian Mense Kommunikation, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Universität Kassel

    Mit der Unterstützung der Kulturstiftung der Länder und der Hessischen Kulturstiftung ist es der Stadt Kassel gelungen, eine wertvolle Grimm-Autographensammlung zu erwerben. Die Schriftstücke lagern künftig in der Universitätsbibliothek Kassel und werden für die Forschung erschlossen.

    Es handelt sich um eine über vierzig Jahre reichende Verlagskorrespondenz von Jacob und Wilhelm Grimm mit der Dieterich’schen Buchhandlung Göttingen aus dem Zeitraum 1819 bis 1862. Die 88 Briefe, Schriftstücke und Billets, Verträge und Abrechnungen liefern detailreiche Informationen zur Entstehungsgeschichte der Hauptwerke der beiden Forscher sowie wichtige Hinweise zu ihrer Arbeitsweise.

    Zusammen mit den über 700 im Eigentum von Stadt und Universitätsbibliothek Kassel befindlichen Briefen besitzt Kassel eine der bedeutendsten Grimm-Briefsammlungen. „Dieser Ankauf unterstreicht, dass sich Kassel mit der neuen GRIMMWELT Kassel, der Grimm-Forschung an der Universität Kassel sowie den Grimm-Beständen der Universitätsbibliothek und der Stadt Kassel zu einem neuen Grimmzentrum entwickelt hat. Wir sind den Förderern des Ankaufs dankbar für die finanzielle Unterstützung, der Universität für die fundierte Beratung“, sagte Kassels Oberbürgermeister und Kulturdezernent Bertram Hilgen.

    Professor Dr. Frank Druffner, stellvertretender Generalsekretär der Kulturstiftung der Länder, sagte: „Verlagskorrespondenzen sind hoch bedeutende Quellen für die Forschung, geben sie doch über handfeste Geschäftsaspekte wie Honorare, Buchgestaltung oder Auflagenhöhe ebenso Auskunft wie über Inhaltliches. Im Fall der Korrespondenz der Brüder Grimm mit der Dieterich’schen Buchhandlung Göttingen darf man sich Aufschluss über die konkrete Entstehungs- und Publikationsgeschichte ihrer Hauptwerke erwarten. Die Kulturstiftung der Länder, die ein besonderes Augenmerk auf die Bewahrung des schriftlichen Kulturguts in Deutschland legt, freut sich mit der Stadt Kassel und der Grimm-Welt über diese glückliche Erwerbung.“

    Eva Claudia Scholtz, Geschäftsführerin der Hessischen Kulturstiftung, ergänzte: „Seit 2012 und bis 2019 erinnert Hessen in seinen Grimm-Jahren an die vor 200 Jahren entstandenen, wirkmächtigen Werke der Brüder Wilhelm und Jakob Grimm: An die Hausmärchen, das Wörterbuch, die Deutschen Sagen. So bedeutend wie die Verlebendigung des geistigen Erbes dieser beiden frühen Germanisten, so notwendig ist die wissenschaftliche Aufarbeitung all desjenigen Quellenmaterials, das heute noch erhalten ist. Es ist daher ein großer Glücksfall für die germanistische und literatursoziologische Forschung in Kassel, dass ein Bestand von 88 Autografen vornehmlich zwischen den Brüdern und ihrem Verlagshaus, der Dieterich‘schen Buchhandlung in Göttingen, nun für die Murhardsche Bibliothek gesichert werden konnte. Der Hessischen Kulturstiftung ist ein wichtiges Anliegen, Sammlungsbestände in Hessen gezielt zu ergänzen, sie erschließen zu lassen und für kulturelle Bildung zugänglich zu machen. Wir freuen uns, dass wir mit unserem Engagement die Stadt Kassel in ihren vielfältigen Aktivitäten um die Brüder Grimm in optimaler Weise unterstützen können."

    Zusammenarbeit von Stadt und Universität Kassel

    Die Verbundenheit mit und Bedeutung der Brüder Grimm für Kassel zeigt sich in der Positionierung einer internationalen Grimm-Forschung an der Universität Kassel sowie in der kontinuierlichen Pflege der städtischen Grimm-Sammlung. Sie bildet für die beiden anderen Grimm-Säulen der Stadt - Ausstellung und Forschung – eine wichtige Grundlage.

    Dr. Axel Halle, leitender Bibliotheksdirektor der Universität Kassel: „Mit dem Erwerb der Verlegerkorrespondenz ist durch das Engagement der Stadt eine wertvolle Ergänzung der nordhessischen Grimm-Sammlungen gelungen. Die UB Kassel bietet beste Bedingungen für die Grimm-Forschung. Mit der digitalen Bereitstellung der Originale auf höchstem Niveau und nach den Regeln der Deutschen Forschungsgemeinschaft noch in diesem Jahr unterstützt sie deren weltweite Zugänglichkeit für die Wissenschaft.“

    Professor Dr. Holger Ehrhardt, Inhaber der Brüder-Grimm-Stiftungsprofessur an der Universität Kassel, erläuterte: „Die derzeit nachweisbaren 250 Briefe des Briefwechsels der Brüder Grimm mit ihrem wichtigsten Verleger liegen weltweit an 20 verschiedenen Orten, u. a. in Innsbruck, London, New York und Philadelphia. Mit dem Ankauf dieses umfangreichen Konvoluts können nun große Lücken der Korrespondenz geschlossen, und die Publikationsgeschichte vieler Werke der Brüder Grimm kann neu erforscht werden.“

    Das Grimm-Konvolut schließt eine Lücke zwischen den überlieferten Briefwechseln der Brüder Grimm mit Gelehrten, die vor allem fachliche Fragen in den Mittelpunkt stellen, und den Briefwechseln mit Freunden und Verwandten, die private Aspekte der Biographie thematisieren. Gleichzeitig bildet es das Gegenstück zur in der Staatsbibliothek zu Berlin befindlichen Korrespondenz der Dieterich’schen. Verlagsbuchhandlung an die Brüder Grimm und ermöglicht somit eine ganzheitliche Erschließung der Zusammenhänge.

    Die Korrespondenz wird in der Abteilung Sondersammlungen der Universitätsbibliothek Kassel aufbewahrt. Die Originale können dort nach Voranmeldung im Lesesaal der Sondersammlungen eingesehen werden. Die Digitalisierung der Briefe wird voraussichtlich bis Ende 2016 erfolgt sein. Danach können sie über das Onlinearchiv ORKA der Universität Kassel weltweit kostenfrei abgerufen werden.

    Kontakt:
    Dr. Axel Halle,
    Universitätsbibliothek Kassel, Landesbibliothek und Murhardsche Bibliothek
    Telefon: 0561/804-2117 oder -3726
    E-Mail: halle@bibliothek.uni-kassel.de

    Petra Bohnenkamp
    documenta-Stadt Kassel
    Pressestelle


    Weitere Informationen:

    http://www.uni-kassel.de


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, Wissenschaftler
    Geschichte / Archäologie, Sprache / Literatur
    überregional
    Forschungs- / Wissenstransfer, Kooperationen
    Deutsch


    Zuoberst: Ein Schreiben Wilhelm Grimms an die Dieterich'sche Buchhandlung aus dem Jahr 1843.


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