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31.05.2016 10:02

Arbeitsengagement von Teams ist ansteckend für Führungskräfte

Dr. Anne Klostermann Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Deutsche Gesellschaft für Psychologie (DGPs)

    Eine aktuelle Studie zeigt, dass sich das Arbeitsengagement von Teams auf die Führungskraft übertragen kann. Das berichten Psychologinnen und Psychologen in der Fachzeitschrift „Journal of Occupational Health Psychology“. Sie befragten 315 Teammitglieder und die zugehörigen 67 Führungskräfte zweimal in einem Zeitraum von acht Monaten zu ihrem Arbeitsengagement und ihrer emotionalen Erschöpfung.

    Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass der emotionale Zustand der Führungskraft einen wichtigen Einfluss auf das Wohlergehen der Mitarbeiter hat. Wie aber sieht es umgekehrt aus? Kann sich der psychische Zustand von Arbeitsteams auch auf die Führungskraft übertragen? Welche Eigenschaften der Führungskraft beeinflussen diese Übertragungsprozesse?
    Diesen Fragen ist ein internationales Forscherteam (Johannes Gutenberg-Universität Mainz, Philipps-Universität Marburg, Mälardalen Universität, Schweden) nachgegangen. „Wir haben untersucht, wie sich psychische Zustände von Mitarbeitern - positive wie negative - auf die Führungskraft auswirken“, sagt Nina Wirtz, Psychologin und Hauptautorin der Studie. „Um mehr darüber zu erfahren, wie dieser Prozess funktioniert, haben wir untersucht, ob das Erleben emotionaler Selbstwirksamkeit der Führungskraft hierbei eine Rolle spielt.“

    Die Studie

    Im Rahmen eines internationalen Projektes zum Thema „gesundheitsförderliche Führung“ wurden branchenübergreifend Führungskräfte und ihre Teams in Deutschland und Schweden gebeten, zu zwei Zeitpunkten im Abstand von acht Monaten einen Fragebogen auszufüllen. 67 Führungskräfte und 315 Teammitglieder beantworteten einen Online- oder Papierfragebogen. Die Mitarbeiter-Teams bestanden im Schnitt aus vier Personen. Zum ersten Erhebungszeitpunkt wurden die Mitarbeiter-Teams zu ihrer emotionalen Erschöpfung (negativer Zustand), zu ihrem Arbeitsengagement (positiver Zustand) und zur Dauer der Zusammenarbeit mit ihrer Führungskraft befragt. Die Führungskräfte wurden zum ersten Zeitpunkt zu ihrem emotionalen Selbstwirksamkeitserleben befragt. Dieses Konzept beschreibt die Überzeugung einer Person, dass sie eigene Stimmungen und auch die von anderen Menschen verstehen, beeinflussen und regulieren kann. Die emotionale Erschöpfung und das Engagement der Führungskräfte wurden zu beiden Erhebungszeitpunkten gemessen, sodass die Ergebnisse die Veränderung der Erschöpfung und des Engagements der Führungskräfte über den Befragungszeitraum hinweg (acht Monate) widerspiegeln.

    Engagement ist ansteckend

    Die Analysen zeigen einen positiven Zusammenhang zwischen dem Arbeitsengagement der Teams und dem ihrer Führungskräfte acht Monate später. Das Arbeitsengagement von Teams hatte sich über einen Zeitraum von acht Monaten hinweg auf die jeweilige Führungskraft übertragen. Dieser Übertragungsprozess war unabhängig von der emotionalen Selbstwirksamkeit der Führungskraft.
    Die emotionale Erschöpfung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hingegen hatte keinen direkten Einfluss auf das Ausmaß der Erschöpfung der Führungskräfte acht Monate später. Indirekt gab es jedoch trotzdem einen Einfluss: Wenn sich die Führungskraft als sehr einfühlsam beschrieb, dann war sie durch das emotionale Erschöpfungserleben ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter stärker tangiert, als wenn dies nicht der Fall war.

    Ressourcen im Umgang mit negativen Emotionen aufbauen

    Diese Ergebnisse lassen vermuten, dass Arbeitsengagement direkt übertragbar, sozusagen ansteckend ist. Emotionale Erschöpfung hingegen überträgt sich nur auf besonders einfühlsame Führungskräfte. „Unsere Daten zeigen, dass emotionales Selbstwirksamkeitserleben das Übertragen negativer Emotionen begünstigen kann. Das mag daran liegen, dass Führungskräfte mit hohem Selbstwirksamkeitserleben den emotionalen Zuständen ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mehr Aufmerksamkeit schenken und dadurch auch eher mit negativen Emotionen konfrontiert sind“, vermutet Nina Wirtz. „Natürlich sollten Führungskräfte auch weiterhin auf die (negativen) Emotionen ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eingehen, da dies zu einem konstruktiven und gesunden Arbeitsklima beiträgt. Dabei ist jedoch wichtig, dass sie sich der Möglichkeit eines Übertragungsprozesses bewusst sind und genug persönliche Ressourcen aufbauen, um diesem entgegenzuwirken. “
    Neben der Erschöpfung und dem Engagement der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter analysierten die Forscher auch die Autonomie, das Arbeitspensum, Alter, Geschlecht und Dauer der Zusammenarbeit von Führungskraft und Team. Keine dieser Kontrollvariablen hatte einen Effekt auf die Erschöpfung oder das Engagement der Führungskräfte.

    Kontakt bei Rückfragen:
    Nina Wirtz (M.Sc. Psych.)
    Johannes Gutenberg-Universität Mainz
    Psychologisches Institut
    Arbeits-, Organisations- und Wirtschaftspsychologie
    Wallstraße 3
    55122 Mainz
    E-Mail: niwirtz@uni-mainz.de
    Tel. : 06131 3939235

    Die Originalstudie finden Sie hier:
    Wirtz, N., Rigotti, T., Otti, K., & Loeb, C. (2016). What About the Leader? Crossover of Emotional Exhaustion and Work Engagement From Followers to Leaders. Journal of Occupational Health Psychology, online first publication
    http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/26938080

    DGPs-Pressestelle:
    Dr. Anne Klostermann
    Referentin für Öffentlichkeitsarbeit
    Marienstr. 30
    10117 Berlin
    Tel.: 030 28047718
    E-Mail: pressestelle@dgps.de

    Über die DGPs:
    Die Deutsche Gesellschaft für Psychologie (DGPs e.V.) ist eine Vereinigung der in Forschung und Lehre tätigen Psychologinnen und Psychologen. Die über 3900 Mitglieder erforschen das Erleben und Verhalten des Menschen. Sie publizieren, lehren und beziehen Stellung in der Welt der Universitäten, in der Forschung, der Politik und im Alltag.
    Die Pressestelle der DGPs informiert die Öffentlichkeit über Beiträge der Psychologie zu gesellschaftlich relevanten Themen. Darüber hinaus stellt die DGPs Journalisten eine Datenbank von Experten für unterschiedliche Fachgebiete zur Verfügung, die Auskunft zu spezifischen Fragestellungen geben können.
    Wollen Sie mehr über uns erfahren? Besuchen Sie die DGPs im Internet: www.dgps.de


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, Wirtschaftsvertreter
    Gesellschaft, Psychologie, Wirtschaft
    überregional
    Forschungsergebnisse, Wissenschaftliche Publikationen
    Deutsch


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