Die Rendite für Kunst wird überschätzt

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15.06.2016 12:10

Die Rendite für Kunst wird überschätzt

Thomas Klein Communications department
Universität Luxemburg - Université du Luxembourg

    Anleger sollten Gemälde kaufen, wenn sie ihnen gefallen, aber nicht als Geldanlage. Zu diesem Ergebnis kommt eine neue Studie der Luxembourg School of Finance der Universität Luxemburg, die herausgefunden hat, dass die Rendite für Kunst erheblich überschätzt wird.

    Kunst hat sich mittlerweile als neue Anlageklasse für breit gefächerte Portfolios etabliert. Kunstberater berufen sich beim Verkauf von Kunstfonds auf den Index für Kunstverkäufe, der eine durchschnittliche Jahresrendite von 10 Prozent für die letzten vier Jahrzehnte vorweisen kann. Nun haben Prof. Dr. Roman Kräussl (Universität Luxemburg), Arthur Korteweg (Assistant Professor an der Marshall School of Business, University of Southern California) und Prof. Dr. Patrick Verwijmeren (Erasmus School of Economics an der Erasmus-Universität Rotterdam) jedoch nachgewiesen, dass die Erträge für Kunst eigentlich viel niedriger sind.

    Bei Ihrer Analyse des Blouin Art Sales Index (BASI), der vollständigsten verfügbaren Auktionsdatenbank, kamen sie zu dem Ergebnis, dass die tatsächliche Jahresrendite für Kunst als Geldanlage zwischen 1960 und 2013 bei etwa 6,3 Prozent lag. Ebenso erhöht die Aufnahme von Kunstwerken in ein Portfolio nicht die Chancen für eine überdurchschnittliche Wertentwicklung dieses Portfolios. Die Wissenschaftler weisen außerdem darauf hin, dass das Risiko bei Investitionen in Kunst über einen Fonds viel höher als erwartet ist. Die Autoren der Studie berechneten mit der Sharpe-Ratio-Methode die risikobereinigte Rendite auf Grundlage des BASI. Statt der zuvor angegebenen Kennzahl von 0,27, ergab sich dabei ein Wert von 0,11. Je größer die Sharpe-Ratio, desto attraktiver die risikobereinigte Rendite.

    Laut den Wissenschaftlern sind die Überschätzung der Rendite und die Unterschätzung des Risikos durch ein Phänomen begründet, das als Selektionsverzerrung (Selection Bias) bezeichnet wird. Im Kunstmarkt tritt Selektionsverzerrung zum Beispiel auf, weil stark nachgefragte Gemälde häufiger versteigert und zu höheren Preisen verkauft werden, sodass sich der Preis nach oben verzerrt. Außerdem verkaufen Eigentümer eher Gemälde, deren Wert sich seit ihrem Kauf erhöht hat. Für die Indizes werden die Daten aus dem Verkauf dieser überdurchschnittlich teuren Gemälde auch für die Bewertung von Gemälden herangezogen, die nie oder viel seltener verkauft werden.

    Um einen genaueren Wert für Kunstwerke der letztgenannten Kategorie zu ermitteln, werteten die Wissenschaftler Daten darüber aus, wie oft Gemälde verkauft werden und wie schnell ihr Preis steigt. So konnten sie sich ein klares Bild über Kunst als Geldanlage machen. Wenn man Rendite und Risiko für die Investition in Kunstwerke jeglicher Art mit einem reinen Anlageportfolio vergleicht, können Investitionen in Kunst das Risiko-/Gewinn-Profil eines Portfolios mit einer breiten Streuung herkömmlicher Anlageklassen, wie z. B. Aktien und Anleihen, nicht wesentlich verbessern.

    Diese Analyse gilt für Kunstwerke, die über einen Fonds gekauft werden. Aber wie verhält es sich mit Kunstgegenständen, die einmalig mit Blick auf ihren Wiederverkauf erstanden werden, um eine gute Rendite zu erzielen? Ein solcher Kauf lässt sich mit der Investition in eine einzelne Aktie oder eine kleine Anzahl von Aktien vergleichen: Einige Leute haben vielleicht den entsprechenden Sachverstand oder einfach das Glück, profitable Werke auszuwählen, andere jedoch nicht.

    „Wenn Sie ein Gemälde besitzen, tragen Sie die physischen Risiken und Kosten, einschließlich unter anderem Versicherung, Schäden und Diebstahl oder Fälschung“, sagte Prof. Dr. Kräussl und fügte hinzu: „Kurz gesagt sollten Sie Gemälde nur kaufen, wenn sie Ihnen gefallen. Sie können vielleicht hoffen, dass Ihre Kinder das eine oder andere später mit Gewinn verkaufen — aber Gemälde sind in erster Linie ästhetische Anlagen und keine finanziellen.“


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten
    Kulturwissenschaften, Kunst / Design, Mathematik, Wirtschaft
    überregional
    Forschungsergebnisse
    Deutsch


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