idw – Informationsdienst Wissenschaft

Nachrichten, Termine, Experten

Grafik: idw-Logo
Medienpartner:
Wissenschaftsjahr


Teilen: 
28.06.2016 15:53

Astronomische Gesellschaft (AG) verleiht die Karl-Schwarzschild-Medaille an Robert Williams

Dr. Klaus Jäger Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der AG
Astronomische Gesellschaft

    Die Astronomische Gesellschaft (AG) verleiht die höchste Auszeichnung aus Deutschland im
    Bereich Astronomie und Astrophysik, die Karl-Schwarzschild-Medaille, dieses Jahr an Prof.
    Dr. Robert Williams vom Space Telescope Science Institute (STScI) in Baltimore. Die AG ehrt mit Robert Williams nicht nur einen herausragenden Wissenschaftler, sondern auch einen Menschen mit besonderem Engagement für die wissenschaftliche Ausbildung und die astronomische Öffentlichkeitsarbeit. Sein Name ist untrennbar verbunden mit dem wohl weltweit bekanntesten Beobachtungsziel des Hubble Weltraumteleskops – dem berühmten Hubble Deep Field.

    Robert Williams studierte und arbeitete an den Universitäten Kalifornien und Wisconsin, bevor er zwischen 1965 und 1983 als Professor an der Universität Arizona in Tucson tätig war. Zu den späteren Stationen zählt unter anderem auch ein einjähriger Aufenthalt in Deutschland am Hauptquartier der Europäischen Südsternwarte ESO in Garching bei München. Zwischen 1985 und 1993 leitete Robert Williams das Cerro Tololo Inter-American Observatory in Chile, bevor er schließlich zum Direktor des für das Hubble Weltraumteleskop verantwortlichen Instituts, des STScI, berufen wurde, das er fünf Jahre lang leitete.

    Der tiefste Blick ins All…

    Eines der auch in der allgemeinen Öffentlichkeit bekanntesten Projekte des Weltraumteleskops ist das mittlerweile schon legendäre Hubble Deep Field (HDF). Dazu wäre es wohl kaum gekommen, wenn nicht Robert Williams einen beträchtlichen Teil der ihm als Direktor des Instituts zugestandenen garantierten Beobachtungszeit genutzt hätte, etwas zu tun, was auf den ersten Blick seltsam und riskant erscheint: nämlich eine scheinbar völlig uninteressante, nahezu leere Stelle des Himmels insgesamt über 140 Stunden in verschiedenen Filtern zu belichten, um aus den 342 Einzelbildern eine Gesamtaufnahme herzustellen. Doch das entstandene Bild offenbarte uns einen bei weitem tieferen und schärferen Blick ins All, als jemals zuvor und zeigte in der auf bisherigen Bildern fast völlig objektlosen Himmelsregion Tausende von extrem weit entfernten lichtschwachen Galaxien. Wie ein Bohrkern, der aus den tiefsten Schichten der Erde Material aus der Frühzeit unseres Planeten zutage fördert, lieferte das HDF eine bis dato einzigartige Stichprobe aus der Frühzeit des Universums. Denn aufgrund der tiefen Belichtung konnten Galaxien entdeckt werden, deren Licht Milliarden Jahre unterwegs war, bis es uns erreichte. Und das HDF zeigt diese Galaxien folglich so, wie sie am Anfang ihrer Entstehung aussahen.

    „Mit den Daten des Hubble Deep Field lieferte Robert Williams für zahlreiche Astronomen und Kosmologen weltweit eine einzigartige, fantastische Stichprobe, um die Entwicklung von Galaxien über riesige Zeiträume zu studieren und theoretische Modelle und Vorhersagen zu überprüfen“, sagt Prof. Dr. Matthias Steinmetz, der Präsident der Astronomischen Gesellschaft, der sich auch selbst mit der Galaxienentwicklung befasst.

    Weitreichendes wissenschaftliches Engagement

    Natürlich sticht das HDF auch wegen seiner öffentlichen Popularität aus den Arbeiten des
    Preisträgers hervor. Doch Robert Williams´ Forschungsaktivitäten überdecken einen viel größeren Bereich, wovon auch die etwa 150 referierten Publikationen in Fachjournalen zeugen. Neben Galaxien sind auch Novae oder Überreste von Sternen Ziele seiner Arbeit, wobei ihn insbesondere die Spektroskopie als Quelle detaillierter Erkenntnisse über die physikalischen Zustände von Himmelsobjekten fasziniert. Darüber hinaus zeichnet sich Robert Williams durch sein hohes Engagement für die wissenschaftliche Ausbildung aus und er erkannte früh die Bedeutung der Öffentlichkeitsarbeit für die Forschung, um so auch junge Menschen für die Naturwissenschaften zu begeistern. Hervorzuheben ist zudem sein Wirken in zahlreichen bedeutenden Organisationen und Ämtern, wie beispielsweise als Präsident der Internationalen Astronomischen Union (IAU) zwischen 2009 und 2012. Für sein Schaffen wurde er mit zahlreichen Preisen geehrt, darunter der Beatrice Tinsley Preis der American Astronomical Society oder die NASA Distinguished Public Service Medal.
    Neben seinen wissenschaftlichen Aktivitäten arbeitet Prof. Williams mit seiner Frau
    zusammen in einer von ihr mitgegründeten gemeinnützigen Organisation zur Unterstützung von Menschen mit Autismus.

    Die Astronomische Gesellschaft verleiht die Karl Schwarzschild Medaille, zu deren
    bisherigen Ausgezeichneten auch fünf Nobelpreisträger zählen, an Robert Williams am Dienstag, dem 13. September 2016 im Rahmen der Eröffnungsveranstaltung der Herbsttagung der AG in Bochum (12. bis 16. September, siehe http://ag2016.de). Die Auszeichnung ist nach dem deutschen Physiker und Astronomen Karl Schwarzschild (1863-1916) benannt, einem der Pioniere der modernen Astrophysik.

    Kontakt:

    Dr. Klaus Jäger (Pressesprecher der Astronomischen Gesellschaft)
    Max-Planck-Institut für Astronomie, Heidelberg
    Tel.: +49 (0) 6221 – 528 379, Email: jaeger@mpia.de

    ------------------------------------------------------------------------------------------
    Die 1863 gegründete Astronomische Gesellschaft (AG) (www.astronomische-gesellschaft.de) ist eine moderne astronomische Organisation mit mehr als 800 Mitgliedern zur Förderung von Astronomie und Astrophysik und der wissenschaftlichen Vernetzung. Zu ihren wichtigsten Aktivitäten zählen die Durchführung von wissenschaftlichen Tagungen, die Herausgabe von Publikationen, die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses, die Auszeichnung hervorragender
    WissenschaftlerInnen, sowie Öffentlichkeitsarbeit und Bildung.


    Weitere Informationen:

    http://www.astronomische-gesellschaft.de


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, Lehrer/Schüler, Studierende, Wissenschaftler, jedermann
    Physik / Astronomie
    überregional
    Buntes aus der Wissenschaft, Wettbewerbe / Auszeichnungen
    Deutsch


    Prof. Dr. Robert Williams vom Space Telescope Science Institute (STScI) in Baltimore.


    Zum Download

    x

    Das berühmte Hubble Deep Field. Siehe auch: http://hubblesite.org/newscenter/archive/releases/1996/01/ mit Bildern in voller Auflösung)


    Zum Download

    x

    Hilfe

    Die Suche / Erweiterte Suche im idw-Archiv
    Verknüpfungen

    Sie können Suchbegriffe mit und, oder und / oder nicht verknüpfen, z. B. Philo nicht logie.

    Klammern

    Verknüpfungen können Sie mit Klammern voneinander trennen, z. B. (Philo nicht logie) oder (Psycho und logie).

    Wortgruppen

    Zusammenhängende Worte werden als Wortgruppe gesucht, wenn Sie sie in Anführungsstriche setzen, z. B. „Bundesrepublik Deutschland“.

    Auswahlkriterien

    Die Erweiterte Suche können Sie auch nutzen, ohne Suchbegriffe einzugeben. Sie orientiert sich dann an den Kriterien, die Sie ausgewählt haben (z. B. nach dem Land oder dem Sachgebiet).

    Haben Sie in einer Kategorie kein Kriterium ausgewählt, wird die gesamte Kategorie durchsucht (z.B. alle Sachgebiete oder alle Länder).