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25.06.2003 11:52

Förderpreis für RUB-Frauenarzt: Gebärmutter-Infektionen fördern Hirnschäden

Dr. Josef König Dezernat Hochschulkommunikation
Ruhr-Universität Bochum

    In die Gebärmutter aufsteigende Infektionen lösen häufig die Geburt zu früh aus - das ist seit langem bekannt. Jetzt belegen experimentelle Studien, dass sich auf diesem Wege auch die Rate der Hirnschäden deutlich erhöht. Daraus ergeben sich zwingende Konsequenzen für die Diagnostik und Therapie von Infektionen während der Schwangerschaft. Für seine komplexen Untersuchungen zur "Infektions-assoziierten perinatalen Hirnschädigung" an der Universitätsfrauenklinik der RUB erhielt Dr. med. Yves Garnier vor kurzem den mit 3.000 Euro dotierten Förderpreis der Arbeitsgemeinschaft für Infektionen und Infektionsimmunologie.

    Bochum, 25.06.2003
    Nr. 194

    Wenn schon eine Wehe schadet ...
    Gebärmutter-Infektionen fördern Hirnschäden
    AGII-Förderpreis für RUB-Frauenarzt

    In die Gebärmutter aufsteigende Infektionen lösen häufig die Geburt zu früh aus - das ist seit langem bekannt. Jetzt belegen experimentelle Studien, dass sich auf diesem Wege auch die Rate der Hirnschäden deutlich erhöht. Daraus ergeben sich zwingende Konsequenzen für die Diagnostik und Therapie von Infektionen während der Schwangerschaft. Für seine komplexen Untersuchungen zur "Infektions-assoziierten perinatalen Hirnschädigung" an der Universitätsfrauenklinik der RUB (Direktor: Prof. Dr. med. Arne Jensen) erhielt Dr. med. Yves Garnier vor kurzem den mit 3.000 Euro dotierten Förderpreis der Arbeitsgemeinschaft für Infektionen und Infektionsimmunologie (AGII), verliehen durch die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe.

    Risikofaktor "unreif und infiziert"

    Im Extremfall reicht schon eine ganz normale Wehe aus - die mit einem kurzen Sauerstoffmangel im Gehirn verbunden ist - und das Kind trägt einen Hirnschaden davon. Den Extremfall stellen zu früh geborene, unreife Kinder unter 1500 Gramm Geburtsgewicht und das Auftreten von Infektionen dar - meist ausgelöst durch Bakterien aus dem Darm-Bereich (z.B. E. coli). Immerhin kommen acht Prozent aller Kinder in Deutschland zu früh zur Welt. Eine bakterielle Gebärmutter-Infektion während der Schwangerschaft kann einen natürlichen Schutzmechanismus außer Kraft setzen: Wenn dem Gehirn ein Sauerstoffmangel droht, werden normalerweise die zu den peripheren Organen (z.B. Haut, Muskeln, Knochen) führenden Gefäße eng gestellt, was den Blutfluss und damit den zur Verfügung stehenden Sauerstoff zum Gehirn und Herzen lenkt (Kreislaufzentralisation).

    Schutzlos: Das Blut "versackt" in der Peripherie

    Wenn die Infektion über den geöffneten Muttermund in das Fruchtwasser vordringt, besiedeln die Bakterien bald auch die Plazenta und das ungeborene Kind. Spezielle Entzündungsfaktoren stellen dann die Plazentagefäße eng, was die Durchblutung des Mutterkuchens drosselt. Im Feten selbst schränkt die bakterielle Infektion über freigesetzte Endotoxine den natürlichen Schutzmechanismus ein, d.h. der Blutstrom kann nicht mehr im erforderlichen Maße zum Gehirn umgelenkt werden. Es kommt zur Dezentralisation des Kreislaufs. Zum Beispiel wird die Lunge unnötig stark durchblutet. Dort zurückbleibende Entzündungszellen können dann die Ursache dafür sein, dass sich die Lunge nach der Geburt nicht entfaltet und die frühgeborenen Kinder über längere Zeit beatmet werden müssen. All diese Prozesse hat Dr. Garnier in seinen experimentellen Studien beleuchtet und dabei außerdem festgestellt, dass das kindliche Gehirn durch die Infektion gegenüber einem nachfolgenden Sauerstoffmangel sensibilisiert wird.

    Vorsorge muss Standard werden

    Im Tierexperiment an unreifen Schaf-Feten nutzt Garnier gleich die durch Bakterien freigesetzten Endotoxine. Bereits bei geringen Infektionsdosen weist er eine Schädigung der weißen Hirnsubstanz nach, wie sie bei Frühgeborenen nach einer Infektion auftritt. Die Ergebnisse sprechen für sich - und für ein Vorsorgeprogramm zur Früherkennung von Infektionen, das Standard werden sollte. Dabei muss die Vorsorge nicht an kostspielige Laboruntersuchungen gebunden sein. Meist genügt es schon, wenn der behandelnde Frauenarzt den Scheiden-Abstrich mikroskopisch auf eine bakterielle Infektion überprüft, auch können sich schwangere Frauen mithilfe eines Teststreifens regelmäßig selbst kontrollieren (Anstieg des pH-Wertes begünstigt bakterielle Infektionen).

    Weitere Informationen

    Universitäts-Frauenklinik im Knappschaftskrankenhaus Bochum Langendreer - Klinikum der Ruhr-Universität Bochum, Tel. 0234/299-3300, E-Mail: yves.garnier@ruhr-uni-bochum.de


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Ernährung / Gesundheit / Pflege, Medizin
    überregional
    Forschungsergebnisse, Personalia
    Deutsch


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