Heidelberger Wissenschaftler haben ein Infrarot-Mikroskop entwickelt, das in wenigen Minuten bessere Bilder liefert als herkömmliche Geräte. Von dem neuen Verfahren könnte vor allem die medizinische Diagnostik enorm profitieren. Die Erfinder gehören zu den acht Finalisten für den Innovationspreis der Leibinger-Stiftung, der heute in Ditzingen verliehen wird.
Stuttgart, 9. September 2016 – Alle zwei Jahre steigt die Spannung bei Wissenschaftlern und Entwicklern, die an neuen Anwendungsperspektiven von Laserlicht arbeiten: Mit dem Berthold Leibinger Innovationspreis würdigt und fördert die gleichnamige Stiftung drei herausragende Ideen mit Geldpreisen von insgesamt 60.000 Euro. Am heutigen 9. September ist es wieder einmal soweit. Zu den acht Finalisten, die die Jury in die engere Auswahl für die drei Preise gewählt hat, zählt ein Team vom Kirchhoff-Institut für Physik der Universität Heidelberg, dessen Forschungsarbeiten maßgeblich von der Baden-Württemberg Stiftung finanziert werden: Postdoktorand Dr. Niels Kröger-Lui und Gastprofessor Dr. Wolfgang Petrich haben ein „schnelles Infrarot-Laser-Mikroskop“ entwickelt.
Das Besondere an der Technologie: Dank Infrarotmikroskopie können die Wissenschaftler Biomoleküle in Gewebeproben identifizieren, ohne sie vorher mit Farbstoffen zu markieren. Das ist zunächst einmal noch nichts Neues – allerdings geht konventionelle Infrarotspektroskopie mit tagelangen Messdauern einher und verlangt häufig den Einsatz von mit flüssigem Stickstoff gekühlten Detektoren. Die Innovation von Petrich und Kröger-Lui besteht nun darin, dass sie als Strahlungsquelle leistungsstarke Quantenkaskadenlaser einsetzen. Auf diese Weise erreichen sie innerhalb von fünf Minuten eine Infrarotbildgebung mit ausreichendem Kontrast.
Damit eignet sich das neue bildgebende Verfahren sogar für den Einsatz während einer Operation. So könnte ein Chirurg, der gerade dabei ist einen Tumor zu entfernen, Proben aus dem umgebenden Gewebe unter das Infrarot-Laser-Mikroskop legen und analysieren, ob dieses ebenfalls tumorös ist. Das versetzt ihn in die Lage schnell zu entscheiden, ob er weiteroperieren sollte oder nicht. Darüber hinaus ermöglicht das neue Verfahren auch eine Tumorklassifizierung, die langfristig sogar automatisiert werden soll. „Damit leistet die infrarotbasierte Lasermikroskopie einen echten Mehrwert für die digitale Histopathologie“, so die Erfinder.
Anfang 2017 sollen die ersten Geräte auf den Markt kommen, die in der Anschaffung mit herkömmlichen Infrarotmikroskopen vergleichbar sein werden. Anfragen nehmen Petrich und Kröger-Lui bereits entgegen.
Für einen Platz auf dem Siegertreppchen bei der heutigen Preisverleihung hat es für die beiden Erfinder leider doch nicht gereicht. Aber bereits die Nominierung für den Innovationspreis bedeutet viel für die Wissenschaftler, könnte sie ihnen doch dabei weiterhelfen, die Erfindung bekannter zu machen und bei potenziellen Kunden Interesse zu wecken. „Mehrere andere Nominierte haben schon erfolgreiche Firmen gegründet“, sagt Kröger-Lui. „Das hat mich sehr beeindruckt. Aus diesem Grund war bereits die Nominierung für den Innovationspreis eine große Ehre für uns“.
Hinweis:
Mehr Informationen zum Berthold Leibinger Innovationspreis und zu den Finalisten der diesjährigen Preisverleihung finden Sie hier:
http://www.leibinger-stiftung.de/de/foerderaktivitaeten/laser-forschungs-innovat...
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