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12.09.2016 17:40

Saarbrücker Max-Planck Direktor Th. Lengauer wird Präsident von Internationaler Bioinformatik Ges.

Bertram Somieski Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Max-Planck-Institut für Informatik

    Thomas Lengauer, Direktor am Max-Planck-Institut für Informatik in Saarbrücken ist zum zukünftigen Präsidenten der International Society for Computational Biology (ISCB), der größten internationalen wissenschaftlichen Gesellschaft für Bioinformatik gewählt worden.

    Die Bioinformatik ist ein interdisziplinäres Forschungsgebiet, das die Funktion von lebenden Organismen auf molekularem Niveau mit der Hilfe von mathematischen Modellen und Algorithmen zu erschließen sucht. Die Bioinformatik gewann zentrale Bedeutung mit der Verfügbarkeit von Techniken der Molekularbiologie, deren Entwicklung im Vorfeld und im Zuge der Sequenzierung des ersten menschlichen Genoms in den neunziger Jahren begann und die heute die Biomedizin revolutionieren. Die in den entsprechenden Experimenten anfallenden Daten liefern zellweite Informationen über die Erbsubstanz, also den Bauplan der Zelle (Genomik), die in der Zelle abgelesenen Gene (Transkriptomik), die in der Zelle produzierten Eiweißmoleküle (Proteomik) und die von ihr benutzten Stoffwechselprodukte (Metabolomik) sowie deren Wechselwirkungen (Interaktomik). Im Zentrum der aktuellen Forschung stehen unter anderem die Aufklärung der Regulierung der molekularen Prozesse in der Zelle (Epigenomik) sowie die molekularen Grundlagen von Krankheiten. Die zentrale Rolle der Bioinformatik ist, die Konfiguration der hochkomplexen molekularbiologischen Experimente mathematisch zu unterstützen, die anfallenden umfangreichen Daten hinsichtlich biologisch relevanter Muster zu analysieren (Data Mining) und darauf aufbauend mathematische Modelle für biologische Strukturen und Prozesse zu entwickeln. In der Bioinformatik werden umfangreiche Softwaresysteme entwickelt, um diese Aufgaben zu bewältigen.
    "Ich sehe diese Wahl gleichermaßen als Ehre und Verpflichtung", stellt Professor Lengauer fest. Er knüpft an sein Präsidentenamt in der ISCB die Hoffnung für eine nachhaltige Weiterentwicklung der ISCB: "Die Bioinformatik hat sich in den letzten zwanzig Jahren zu einer zentralen und unverzichtbaren Komponente der Lebenswissenschaften entwickelt. Nach den Zeiten rasanten Wachstums aus kleinsten Anfängen geht es jetzt darum, die dynamischen Entwicklungen sowohl auf der experimentellen als auch auf der bioinformatischen Seite nachhaltig weiterzuführen". Bereits heute werden bioinformatische Methoden als Hightech-Entwicklungsinstrument verwendet, z.B. in der Pharmaforschung, Tier- oder Saatgutzucht. Genaueres Verständnis für das komplexe Zusammenspiel der verschiedenen Biomoleküle, in Organismen ist durch die Verfügbarkeit von Rechenleistung und effizienten Analysealgorithmen überhaupt erst zugänglich geworden. Professor Lengauer ergänzt, was er als nächste Aufgaben sieht: "Zentrale Herausforderungen bestehen im Unterscheiden der Messfehlern von biologischer Variation, ein Prinzip, das die Evolution bei Bildung und Verbesserung von biologischen Systeme einsetzt. Als nächstes müssen wir, statt nur rein assoziative Studien durchzuführen, Wirkzusammenhänge erkennen, also den Schritt von der Beschreibung von Korrelationen zum Verständnis von Kausalitäten gehen. Des Weiteren ist der translationale Aspekt, mit dem Ergebnisse der Grundlagenforschung zum Wohl von Patienten angewandt werden, eine wichtige Forschungsrichtung. Die ISCB wird diese Entwicklung begleiten und im Sinne von Forschern und Patienten zu fördern suchen."
    Thomas Lengauer wird der siebte Präsident der ISCB sein; er ist deren Gründungsmitglied, aktueller Vizepräsident und seit 2015 einer der "Fellows" der Gesellschaft. Lengauer promovierte im Jahr 1976 im Fach Mathematik an der Freien Universität Berlin und im Jahr 1979 im Fach Informatik an der Stanford University. Nach mehr als zwei Jahrzehnten Forschung in der theoretischen Informatik und über den Entwurf integrierter Schaltkreise wandte er sich Anfang der neunziger Jahre der Bioinformatik zu und war einer der Begründer dieser wissenschaftlichen Disziplin in Deutschland und darüber hinaus. Im Jahr 2001 wählte ihn die Max-Planck-Gesellschaft zum wissenschaftlichen Mitglied und sandte ihn als Direktor ans Max-Planck-Institut für Informatik, wo er die Abteilung Bioinformatik leitet. Darüber hinaus ist er Honorarprofessor an den Universitäten Saarbrücken und Bonn. Thomas Lengauer forschte zunächst unter anderem über die computer-gestützte Analyse und Vorhersage von dreidimensionalen Strukturen von Proteinen und über rechnergestützten Entwurf von Medikamenten. Aus den Arbeiten im letzteren Gebiet ging 2001 die BioSolveIT GmbH in Sankt Augustin hervor, die Software zum Medikamentenentwurf entwickelt und vertreibt und deren Mitgründer Lengauer ist. Derzeit konzentriert sich seine Forschung auf die Bioinformatik für Epigenomik, also für die Aufklärung der Regulierung der Zelle, sowie auf die Analyse von Resistenz bei viralen Infektionen. Zum letzteren Gebiet wurde in der Abteilung von Lengauer Software entwickelt, mit der die Medikamentenkombinationen für HIV Patienten ausgewählt werden.

    Professor Lengauer wird ab Januar 2017 zunächst für ein Jahr als designierter Präsident der ISCB fungieren, parallel zum letzten Amtsjahr des derzeit amtierenden Präsidenten Alfonso Valencia vom Nationalen Krebsforschungszentrum in Madrid, Spanien. Ab Januar 2018 bekleidet Lengauer dann für drei Jahre das Präsidentenamt; daran schließt sich ein weiteres Jahr als Altpräsident an.


    Weitere Informationen:

    http://Webseite Thomas Lengauer: http://people.mpi-inf.mpg.de/~lengauer
    http://Webseite ISCB: http://www.iscb.org


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten
    Biologie, Informationstechnik
    überregional
    Personalia
    Deutsch


    Professor Thomas Lengauer


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