10 Jahre Gewebebank Schwerin: Einsatz für die Augenhornhautspende und Forschung

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13.10.2016 15:01

10 Jahre Gewebebank Schwerin: Einsatz für die Augenhornhautspende und Forschung

Tino Schaft Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Deutsche Gesellschaft für Gewebetransplantation gGmbH (DGFG)

    Die Kornea- und Gewebebank Schwerin feiert ihr zehnjähriges Jubiläum. Ein Geburtstag, der eng verbunden ist mit dem Aufbau der Gewebespende im Gesundheitsland Mecklenburg-Vorpommern und der Versorgung tausender Patienten. Seit 2006 versorgt die gemeinnützige Gewebebank Patienten in Mecklenburg-Vorpommern und in ganz Deutschland mit Augenhornhäuten und Amnion. Sie gehört zu den bedeutendsten Gewebebanken der Bundesrepublik. Sie hat seit 2006 über 3.500 Hornhäute und über 7.000 Amnionpräparate zur Transplantation abgegeben. Der AmnioClip+, ein Produkt jahrelanger Forschung, eröffnet der Behandlung von oberflächlichen Erkrankungen der Augenhornhaut künftig neue Möglichkeiten.

    „Die Kornea- und Gewebebank Schwerin ist das Beispiel für den gelungenen Aufbau einer regionalen Gewebebank“, sagt Martin Börgel, einer der Geschäftsführer der Gewebebank und der Deutschen Gesellschaft für Gewebetransplantation (DGFG). Gemeinsam mit den Gewebebanken in Rostock und Greifswald stelle die Bank mehr Hornhauttransplantate in Mecklenburg-Vorpommern zur Verfügung als transplantiert werden. „Dadurch hat die Gewebebank auch überregional für die Versorgung von Patienten in ganz Deutschland eine herausragende Bedeutung.“ Die Transplantationsrate der gespendeten Hornhäute, die aus Mecklenburg-Vorpommern und aus HELIOS Kliniken aus ganz Deutschland stammen, liegt mit über 70 Prozent weit über dem Durchschnitt vergleichbarer Banken. „Die Wartezeit auf ein Transplantat ist in den vergangenen zehn Jahren von mehr als sechs Monaten auf wenige Wochen zurückgegangen“, sagt Börgel.

    Hornhauttransplantationen retten das Augenlicht

    „Eine Hornhauttransplantation ist immer die letzte Möglichkeit, um Patienten das Augenlicht zu retten“, sagt Prof. Dr. Frank Wilhelm, der die Gewebebank maßgeblich als verantwortliche Person mitaufgebaut hat. Die Verpflanzung der Hornhaut sei die älteste und häufigste Transplantation. Sie wird seit über 100 Jahren erfolgreich praktiziert. Auch Brillen- oder Kontaktlinsenträger sowie Menschen mit einer Augenerkrankung oder einer Augenoperation kommen als Spender in Frage. Selbst die meisten Krebserkrankungen stellen keinen Ausschlussgrund dar. „Die älteste Hornhautspende kam von einem über hundertjährigen Menschen“, sagt Börgel. Die Entnahme sei bis zu 72 Stunden nach dem Tod möglich.

    HELIOS und DGFG: Gemeinsam für die Versorgung der Patienten

    Die Kornea- und Gewebebank Schwerin wurde 2006 gemeinsam von den HELIOS Kliniken Schwerin und der DGFG gegründet. Beide bundesweit tätige Einrichtungen entschieden sich bewusst für den Aufbau der modernen und zukunftsweisenden Gewebebank am Standort in Mecklenburg-Vorpommern. „Ziel war die bessere Versorgung der Bevölkerung mit Augenhornhäuten und Amnionpräparaten“, sagt Franzel Simon, Regionalgeschäftsführer der HELIOS Region Nord und weiterer Geschäftsführer der Gewebebank. Voraussetzung für jede Hornhauttransplantation sei jedoch nach wie vor die Gewebespende eines verstorbenen Menschen, ergänzt Dr. Nico Negraszus, Chef der Augenheilkunde an den HELIOS Kliniken Schwerin, und: „Fast jeder in einem Krankenhaus Verstorbene kann seine Augenhornhaut spenden“, so der Mediziner. Pro Jahr transplantieren Ärzte in Deutschland etwa 6.000 Hornhäute.

    Fast jedes zweite Amnionpräparat kommt aus Schwerin

    Die Kornea- und Gewebebank Schwerin ist neben der Spezialisierung auf Hornhauttransplantate eine der deutschlandweit wichtigsten Banken zur Bereitstellung von Amnionpräparaten. Die Amnionmembran ist die innere Eihaut der Plazenta. Ärzte verwenden die hauchdünne Membran u.a. für die Behandlung der Hornhautoberfläche. Die Amnionmembran beeinflusst die Wundheilung positiv. Sie wird vom Körper nicht abgestoßen und wirkt antientzündlich. Die Mitarbeiter der Gewebebank bereiten nicht nur gespendete Augenhornhäute und Amnion für die Transplantation vor, sie sind auch stark in die Entwicklung neuer wissenschaftlicher Methoden involviert. Um den Einsatz zu erleichtern hat eine interdisziplinäre Arbeitsgruppe einen speziellen Ring entwickelt, mit dem Amniontransplantate wie eine Kontaktlinse auf die Augenoberfläche gelegt werden können. Der sogenannte AmnioClip+ eröffnet der Behandlung von oberflächlichen Erkrankungen der Augenhornhaut künftig neue Möglichkeiten. Die Zulassung wird für 2017 erwartet. Regelmäßige interne und Kontrollen der Behörde stellen die hohe Qualität der Gewebetransplantate sicher.

    Die Kornea- und Gewebebank Schwerin ist eine gemeinnützige Gesellschaft der HELIOS Kliniken Schwerin und der Deutschen Gesellschaft für Gewebetransplantation. Sie wurde mit dem Ziel gegründet, die Versorgung der Patienten mit sicheren Hornhauttransplantaten und Amnionpräparaten zu verbessern und dauerhaft im gemeinnützigen Sektor zu verankern.

    Gewebespende ist eine öffentliche Aufgabe

    Die Gewebespenden stammen aus dem Netzwerk der DGFG. Die gemeinnützige Gesellschaft organisiert zusammen mit der Mehrheit der Häuser der Maximal- und Regelversorgung die Gewebespende in Mecklenburg-Vorpommern. Jede medizinische Einrichtung in Deutschland kann Gewebe von der DGFG beziehen. Gesellschafter sind vier Universitäten – Anstalten des öffentlichen Rechts: das Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden, das Universitätsklinikum Leipzig, die Medizinische Hochschule Hannover sowie die Universitätsmedizin Rostock. Mehr als 60 Krankenhäuser unterstützen das Netzwerk der DGFG durch die Meldung möglicher Gewebespender. Koordinatoren der DGFG betreuen die Ärzte in den Kliniken vor Ort, führen Gespräche mit Angehörigen und organisieren die Entnahme und den Transport der Gewebepräparate in die Gewebebanken.


    Weitere Informationen:

    http://www.gewebenetzwerk.de


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, Wissenschaftler, jedermann
    Ernährung / Gesundheit / Pflege, Gesellschaft, Medizin
    überregional
    Buntes aus der Wissenschaft, Kooperationen
    Deutsch


    Augenhornhäute können bei 37 Grad Celsius bis zu 30 Tagen aufbewahrt werden.


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    Ärzte transplantieren etwa 6.000 Hornhäute pro Jahr.


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