Europa-Konferenz: Deutschland liegt bei der Krankheits-Prävention häufig zurück

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14.12.2016 14:19

Europa-Konferenz: Deutschland liegt bei der Krankheits-Prävention häufig zurück

Kerstin Ullrich Pressestelle
Deutsche Diabetes Gesellschaft

    Berlin – In Europa sollen vorzeitige Todesfälle durch nichtübertragbare Krankheiten bis 2025 um 25 Prozent verringert werden. Die Teilnehmer der Konferenz „The European Response to Chronic Diseases – the Role of Civil Society“, die gestern in Brüssel zu Ende ging, bestätigten damit die Ziele des neuen Aktionsplans der Weltgesundheitsorganisation (WHO) für Europa. Die WHO sieht zur Bekämpfung von Krebs, Herz-Kreislauf-Leiden, Diabetes und chronischen Atemwegserkrankungen vor allem Maßnahmen zur Förderung einer gesunden Ernährung, von mehr körperlicher Bewegung, der Luftreinhaltung sowie der Verbesserung von Lebensmittelprodukten vor.

    Für Deutschland nahm die Deutsche Allianz Nichtübertragbare Krankheiten (DANK) an der EU-Konferenz teil.
    Die WHO entwirft in ihrem „Aktionsplan zur Prävention nichtübertragbarer Krankheiten 2016 - 2025“ die Zukunftsvision eines Europas, das frei von nichtübertragbaren Krankheiten, vorzeitigen Todesfällen und vermeidbaren Behinderungen ist. Um diese Ziele zu erreichen, sollen die wichtigsten Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Leiden, Krebs, Diabetes und chronische Atemwegserkrankungen bekämpft werden. Krankheitsfördernd sind vor allem Tabak- und Alkoholkonsum, ungesunde Ernährung, Bewegungsmangel, Bluthochdruck, Adipositas und Umweltfaktoren wie Luftverschmutzung. „Auf dem Weg zur Vermeidung der chronischen Krankheiten haben wir Fortschritte gemacht“, berichtet DANK-Sprecher Dr. Dietrich Garlichs. „Aber es existieren in Europa teilweise erhebliche Unterschiede zwischen den Ländern, und Deutschland liegt in vielen Bereichen deutlich zurück.“

    Wie die neuesten Daten der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) belegen, hat Deutschland etwa einen überdurchschnittlichen Alkoholkonsum in Europa. Während im Schnitt jeder EU-Bürger pro Jahr zehn Liter puren Alkohol trinkt, sind es in Deutschland elf Liter – Spitzenkonsument ist Litauen mit 14 Litern pro Kopf und Jahr, Schweden und Italiener trinken hingegen mit etwa sieben Litern deutlich weniger. Beim Rauchen belegt Deutschland einen schlechten 15. Platz unter den 28 EU-Ländern. Beim Obst- und Gemüseverzehr landet Deutschland laut OECD-Index sogar auf dem drittletzten Platz unter 28 EU-Staaten.

    Unausgewogene Ernährungsmuster haben direkte Auswirkungen auf Erkrankungsraten. So stellte kürzlich der Euro Herz Index fest, dass Deutschland bei der Herzgesundheit aufgrund eines ungesunden Lebensstils mit zu hohem Zucker- und Alkoholkonsum sowie zu wenig Gemüse- und Obstverzehr beim Vergleich von 30 europäischen Ländern nur Rang 14 einnimmt – trotz seiner leistungsstarken Krankenversorgung. „Wir verfügen gewissermaßen über einen hochwertigen Reparaturbetrieb, was das Herz betrifft“, resümiert DANK-Sprecher Garlichs. „Noch wichtiger wäre es allerdings, diese Erkrankungen überhaupt gar nicht erst entstehen zu lassen.“

    Um hier voranzukommen, empfiehlt der WHO-Europaplan die Nutzung von Steuern, um die Nachfrage nach Tabak, Alkohol sowie Nahrungsmitteln und Getränken mit hohem Gehalt an Zucker, Fett und Salz zu beeinflussen. Schließlich wirbt der Aktionsplan für veränderte Rezepturen von Lebensmittelprodukten: Transfette und gesättigte Fette sollten durch ungesättigte Fette ersetzt, Salz- und Zuckergehalt reduziert werden. „Diese Bereiche stellen für Deutschland fraglos zentrale Handlungsfelder dar, wenn wir bei der Bekämpfung nichtübertragbarer Krankheiten vorankommen wollen“, betont DANK-Sprecher Garlichs.

    Literatur:
    • OECD-Dokument „Health at a Glance: Europe 2016“:
    http://www.oecd.org/els/health-systems/Health-at-a-Glance-Europe-2016-CHARTSET.p...
    • Euro Herz Index:
    http://www.healthpowerhouse.com/publications/euro-heart-index-2016/
    • Aktionsplan zur Prävention und Bekämpfung nichtübertragbarer Krankheiten 2016 - 2025 der WHO:
    http://www.euro.who.int/__data/assets/pdf_file/0019/315631/66wd11g-NCDActionPlan...

    +++ Zusammenfassung/Exzerpt +++

    Health at a Glance: Europe 2016
    State of Health in the EU – Deutschland weit abgeschlagen
    © OECD/European Union 2016

    Chapter 4
    Determinants of health

    Smoking among children (15-year-olds)
    Deutschland: 17. Platz von 27
    Im EU-Durchschnitt rauchen 14 % der Jungen und Mädchen mindestens einmal wöchentlich. Deutschland liegt hier im Durchschnitt. 15 % der Jungen und 13 % der Mädchen rauchen einmal wöchentlich. In Schweden sind es nur 7 % der Mädchen und 6% der Jungen, in Island (nicht EU-Mitglied) sind es nur 3% der Jungen und Mädchen.

    Adults smoking daily
    Deutschland: 15. Platz von 28
    In allen EU-Staaten ist der Anteil der rauchenden Erwachsenen im Vergleich zum Jahr 2000 rückläufig, besonders bei Männern konnte der Anteil deutlich gesenkt werden. Trotzdem rauchen im EU-Durchschnitt noch 21 % der Bürger. Deutschland liegt genau im EU-Durchschnitt, während die skandinavischen Länder deutlich niedrigere Prozentsätze verzeichnen können (z. B. Schweden: 12 Prozent).

    Drunkenness among 15-year-olds
    Deutschland: 13. Platz von 27
    Im EU-Durschnitt waren 24 % der 15-jährigen Mädchen und 27 % der 15-jährigen Jungen schon mindestens zweimal in ihrem Leben betrunken. In Deutschland geben dies 23 % der Mädchen und 26 % Prozent der Jungen an. In Luxemburg beträgt der Anteil 14 und 15 Prozent (Mädchen und Jungen), in Island sogar nur 6 % der Mädchen und Jungen.

    Alcohol consumption among adults
    Deutschland: 18. Platz von 28
    Die EU verzeichnet den höchsten Alkoholkonsum weltweit. Im Durchschnitt trinkt jeder EU-Bürger 10 Liter puren Alkohol im Jahr. In Deutschland sind es fast 11 Liter, und während der Konsum im EU-Durchschnitt seit dem Jahr 2000 gesunken ist, ist er in Deutschland fast konstant geblieben. In Litauen trinken die Menschen über 14 Liter pro Kopf, während es in Schweden nur gut 7 Liter sind und in Italien etwas über 7 Liter.
    Beim regelmäßigen sogenannten „Komasaufen“ verzeichnet Deutschland den fünfthöchsten Anteil in der EU-Region. Über 40 Prozent der deutschen Männer „besaufen“ sich regelmäßig. Bei den Frauen in Deutschland sind es immerhin 25 %.

    Measured overweight (including obesity) among children at various ages
    Deutschland: 15. Platz von 22
    Im EU-Durchschnitt sind 21 % Prozent der Mädchen und 23 % der Jungen übergewichtig oder adipös. Deutschland verzeichnet bei den 12-16-jährigen Kindern/Jugendlichen 22% übergewichtige oder adipöse Mädchen und 27 % Jungen. In Polen wurden die 13-18-Jährigen gemessen und dort sind 9 % der Mädchen übergewichtig oder adipös und 21 % der Jungen. Weltweit und in der EU hat der Anteil an übergewichtigen und adipösen Kindern und Jugendlichen zugenommen.

    Self-reported obesity among adults
    Deutschland: 15. Platz von 28
    16 % der Erwachsenen in der EU sind adipös (self-reported). Deutschland liegt mit 17 % knapp über dem Durchschnitt. Am schlechtesten schneidet Malta mit 26 % ab, am besten Rumänien mit 9 %. Ähnlich wie beim Rauchen ist das Bildungslevel ein entscheidender Faktor für den Anteil an adipösen Menschen in einer Gesellschaft. Menschen mit niedrigerem Bildungsstand sind im EU-Durchschnitt zu 21 % adipös, Menschen mit hohem Bildungslever nur zu 11 %. In Deutschland sind Bürger mit niedrigem Bildungslevel zu 25 % adipös, während nur 13 % der gut ausgebildeten Bürger in Deutschland als adipös gelten.

    Daily fruit eating among 15-year-olds
    Deutschland: 6. Platz von 27
    26 % der Jungen und 34 % der Mädchen in der EU essen täglich Obst. In Deutschland sind es 38 % der Mädchen und 26 % der Jungen. In Dänemark essen 51 % der Mädchen und 34 % der Jungen täglich Obst.

    Daily vegetable eating among 15-year-olds
    Deutschland: 15. Platz von 27
    35 % der Mädchen und 27 % der Jungen in der EU verzehren täglich Gemüse. Deutschland liegt hier weit unter dem Durchschnitt (nur 31 % der Mädchen und 16 % der Jungen). Am besten sind die Werte in Belgien, wo 61 % der Mädchen und 52 % der Jungen täglich Gemüse essen.

    Daily fruit eating among adults
    Deutschland: 21. Platz von 28
    Durchschnittlich verzehren 57 % der EU-Bürger täglich Obst. Frauen nehmen in allen EU-Staaten mehr Obst zu sich als Männer (gender gap). Deutschland liegt beim Obstkonsum deutlich unter dem Durchschnitt. Nicht einmal 40 % der Männer in Deutschland nehmen jeden Tag Obst zu sich, bei den Frauen sind es 57 %. In Deutschland ist der gender gap einer der größten im EU-Vergleich.

    Daily vegetable eating among adults
    Deutschland: 26. Platz von 28
    Durchschnittlich verzehren 51 % der EU-Bürger täglich Gemüse. Deutschland liegt beim Gemüseverzehr auf dem drittletzten Platz unter den 28 EU-Staaten. Nur 42 % der Frauen und knapp 24 % der Männer essen täglich Gemüse in Deutschland.
    Auch beim Obst- und Gemüseverzehr spielt der Bildungsgrad eine Rolle. Je höher die Bildung, desto mehr Obst und Gemüse wird verzehrt. Darüber hinaus ist die Verfügbarkeit von Obst und Gemüse der wichtigste Faktor für den Anteil am Verzehr. Die südeuropäischen/mediterranen Länder haben traditionell eine bessere Verfügbarkeit von Obst und Gemüse, so dass hier insgesamt auch mehr Obst und Gemüse gegessen wird.

    Daily moderate-to-vigorous physical activity (11- and 15-year olds)
    Deutschland: 19. Platz von 27
    Im Durchschnitt betreiben 20 % der 11-jährigen Mädchen (und 10 % der 15-jährigen Mädchen) in der EU täglich moderaten bis sehr aktiven Sport. Bei den Jungen sind es 30 % der 11-Jährigen und 20 % der 15-Jährigen. Deutschland liegt im Vergleich deutlich zurück. Nur 16 % der 11-jährigen Mädchen (und 9 % der 15-jährigen Mädchen) sind sehr aktiv. Bei den Jungen in Deutschland sind es 25 % der 11-Jährigen und 16 % der 15-Jährigen. Finnland weist die mit Abstand beste Quote auf: 34 % der 11-jährigen Mädchen (und 13 % der 15-jährigen Mädchen) betreiben sehr aktiv Sport und 47 % der 11-Jährigen und 22 % der 15-Jährigen.

    Moderate weekly physical activity among adults
    Deutschland: 7. Platz von 24
    64 % der EU-Bürger schaffen es, sich wöchentlich 150 Minuten, wie von der WHO empfohlen, moderat zu bewegen. In Schweden sind es sogar 80 % der Bevölkerung, in Deutschland circa 70 %.

    Über die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG):
    Die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) ist mit 9.000 Mitgliedern eine der großen medizinisch-wissenschaftlichen Fachgesellschaften in Deutschland. Sie unterstützt Wissenschaft und Forschung, engagiert sich in Fort- und Weiterbildung, zertifiziert Behandlungseinrichtungen und entwickelt Leitlinien. Ziel ist eine wirksamere Prävention und Behandlung der Volkskrankheit Diabetes, von der mehr als sechs Millionen Menschen in Deutschland betroffen sind. Zu diesem Zweck unternimmt sie auch umfangreiche gesundheitspolitische Aktivitäten.

    Kontakt für Journalisten:
    Pressestelle DDG
    Kerstin Ullrich
    Postfach 30 11 20, 70451 Stuttgart
    Tel.: 0711 8931-641/552, Fax: 0711 8931-167
    ullrich@medizinkommunikation.org

    Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG)
    Geschäftsstelle
    Albrechtstraße 9, 10117 Berlin
    Tel.: 030 3116937-0, Fax: 030 3116937-20
    info@ddg.info
    www.ddg.info


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten
    Medizin
    überregional
    Buntes aus der Wissenschaft, Forschungs- / Wissenstransfer
    Deutsch


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